Beiträge von Andreas84

    Den gewaltigste Talschluss der Ostalpen

    hat Julius Payer das Val Genova genannt und ich stimme ihm jedes Mal wieder zu, wenn ich hier bin. Payer ist sicher eine der schillerndsten Persönlichkeiten der K.u.K-Monarchie. Offizier, Bergsteiger, Kartograph, Polarforscher, Maler. Im nach ihm benannten kleinen Gletschermuseum kurz unterhalb des Rifugio Mandrone kann man die von ihm auf eigene Rechnung ohne Auftrag der Vorgesetzten im Urlaub erstellte Karte des Adamello-Gebiets bewundern.

    Ich bin gestern noch von Sonico ins Val Genova gefahren, was ehrlich gesagt schon ein ziemliches Gegurke um das halbe Adamello herum über den Tonale-Pass und Madonna di Campiglio ist, aber es hat sich gelohnt. Schon bei der Einfahrt ins Tal wird man von dem mächtigen Nardis Wasserfall begrüßt, der direkt neben der Straße zu Tal stürzt. Die Tour heute kannte ich schon und habe sie in einer deutlich schwierigeren "extended version" 2021 beschrieben. Heute stand mir der Sinn aber nach einer gemütlichen Tour mit maximalem Landschaftsgenuss.

    Route: Vom PP zum Rifugio Mandrone und hoch zum Passo di Lago Scuro. Von hier zum Gipfel. Zwischen dem Pass und der Mandrone Hütte gibt es verschiedene Wegvarianten, die ich so kombiniert habe, dass ich beim Abstieg direkt am Lago Scuro vorbeigekommen bin, wo ich einem eiskalten Bad natürlich nicht widerstehen konnte. Vom See bin ich weglos (unschwierig) zum Seenplateau um den Lago Mandrone abgestiegen. Von dort kurz hoch zum Rifugio und auf bekannten Weg ins Tal. Das Seenplateau ist einfach fantastisch: Zwei große Seen und viele kleine Laghetti, dazwischen Hochmoore. Ich kann nur empfehlen, hier einfach ein bisserl weglos in der Gegend herumzustromern. Was für Kleinode man da entdeckt!

    Anforderungen: 1700 Hm, knappe 20 Km, 8-9 Stunden. Fast ausschließlich T3, nur die letzten 50 Hm zum Gipfel versichert (KS A/B). Adamello untypisch nur wenig ruppig.


    Bilder:


    1: Kann man in schönerer Umgebung übernachten?

    2: Herrlicher Aufstieg zum Rifugio Mandrone.

    3: Lago Scuro sowie Lobbia- (links) und Mandrone-Gletscher.

    4: Gipfelpanorama.

    5: Cima Busazza im Vordergrund und Presanella (Hauptgipfel nicht zu sehen). Der Presena-Gletscher ist mit Planen bedeckt (Skigebiet).

    6: Wer möchte nicht in dieses kristallklare Wasser tauchen?

    7: Das Madrone-Seenplateau von oben. Ist es jetzt besser/schöner so oder zu Zeiten von Julius Payer, als das alles unter Eis lag?

    8/9: Ein Paradies ist es.

    10: Mandrone-Wasserfall.



    "Es sind nicht wir, die das Gebirge erobern, sondern es ist das Gebirge, das uns erobert.

    Dieser Satz von Dante (Alighieri, nicht der Fußballer) passt gut an den Anfang dieses Berichts, denn er steht auf einem Schild in der Nähe des Lago Miller.

    Diese Rundtour führt in das beeindruckende Val Miller, das übrigens nicht nach einem englischen Bergsteiger benannt ist wie man vermuten könnte. Der Gipfel bietet wahrscheinlich den besten Blick auf den Monte Adamello überhaupt.

    Route: Vom PP zur Malga Premassone und kurz danach sehr steil auf toll gebauten Steig ("Scala del Miller") in die beeindruckende Hochebene des Val Miller. Bald wird das Rifugio Gnutti am Lago Miller erreicht. Wie beim benachbarten Lago Baitone handelt es sich dabei um einen Stausee. Anders als im völlig verschandelten Avio-Tal hat man es hier aber geschafft, die Dämme so zu bauen, dass sie das Landschaftsbild fast nicht beeinträchtigen. Bald nach dem See zweigt links der Steig 631 zum Passo del Cristallo (2900 m) ab. Vom Pass nicht ausgeschildert, aber perfekt markiert zum Gipfel, wo ich mit einigen Einheimischen geplaudert habe. Die haben mir gesagt, dass sie die Runde immer anders herum gehen als ich, weil der Abstieg zum Rifugio Tonolini ungut ist. Sie haben natürlich recht. Vom Pass geht es sehr steil, ausgesetzt und brüchig hinab und kurz vor dem Kar kommt die Schlüsselstelle: Eine 20 Meter hohe, fast senkrechte Wand. Ohne die hier angebrachten Ketten wäre die Stelle III - IV. Im Aufstieg sicher deutlich angenehmer als im Abstieg. Vom Rifugio Tonolini am Lago Baitone vorbei zurück ins Tal.

    Anforderungen: Vom Pass zum Gipfel T4 und erstaunlich einfach für so einen wilden Berg wie die Cima Plem. Der Abstieg zur Tonolini T5+, der Rest T3. 1800 Hm, um 20 Km, 8-9 Stunden. Insgesamt noch lohnender als der Corno delle Granate und bis auf die 200 Hm vom Pass ins Kar auch deutlich weniger ruppig.

    Von der Ponte Guat könnte man natürlich auch fast gletscherfrei auf den Adamello steigen, aber schon die Beschreibungen dieser Route haben mir überhaupt nicht gefallen und der Augenschein hat mich bestätigt: Viel steiles Schuttgestopsel und dann eine Steilstufe, die über die Via Terzulli überwunden wird. Diese wird offensichtlich von vielen fälschlicherweise für einen klassischen Klettersteig gehalten. Am PP und am Rifugio Gnutti weisen Schilder ausdrücklich darauf hin, dass das nicht der Fall ist und man sich an den eingebohrten Standplätzen mit Seil sichern soll. Wenn ich mal auf den Adamello gehe, dann lieber über eine der Gletscherrouten und am besten mit Ski.


    Bilder:


    1: Morgenstimmung im Val Miller.

    2: Das ist keine Kapelle, sondern der Winterraum des Rifugio Gnutti.

    3: Lago Miller.

    4: Einfache Blockkletterei kurz vor dem Gipfel.

    5: Nicht umsonst heißt er "der Erhabene", was Adamello bedeutet.

    6: Tiefblick zu den Seen um das Rifugio Tonolini.

    7: Es muss nicht immer ein Kreuz sein.

    8: Am Ende der Schlüsselstelle im Abstieg.

    9: Im Lago Rotondo bin ich noch Baden gegangen.

    10: Lago Baitone. Der hinterste Berg ist die Cima Plem.


    Bombentour zum Granatenhorn


    Heute bin ich in der Früh vom Val Paghera über Edolo ins Valle Malga gefahren und habe eine Tour auf den Corno delle Granate gemacht. Die Tour kann pars pro toto für das ganze Adamello stehen. Großartige Landschaft mit vielen Seen und sehr ruppig. Das Nervenaufreibendste an der Tour ist eigentlich die Anfahrt zum PP an der Ponte Guat, da die (gute) Straße schon sehr eng ist und man in den Kurven schon aufpassen muss, keine Felsblock zu streifen. Auf jeden Fall bin ich erstmal froh, dass ich heute nicht mehr runterfahren muss, sondern hier einen exquisiten Übernachtungsplatz habe.

    Zur Parksituation: An der Ponte Guat gibt es einige kostenlose PP. Man kann auch noch etwas höher zum Malga Premassone fahren, wo es einen größeren PP gibt, der 5 Euro kostet. Ich würde davon ausgehen, dass an schönen Wochenenden die Parkplätze aber nicht unbedingt ausreichen.

    Route: Vom PP zur Malga Premassone und auf Steig 613 zum Lago Baitone (Stausee). An dessen westlichem Ufer entlang und hoch zum Rifugio Tonolini, das malerisch an einem See liegt. Weiter hoch zum Lago Lungo. Etwas oberhalb verzweigt sich der Steig und man nimmt den rechten (Nummer 49), der ab hier nur noch mit Steinmännern markiert über den westlichen Eissee (Lago Gelato, 2750m) zum Gipfel führt. In dem See kann man übrigens gut schwimmen, hat sicher mindestens 15 Grad.

    Zurück bis zum Rifugio Tonolini auf dem gleichen Weg, dann bin ich der Abwechslung halber am östlichen Seeufer entlang zum Rifugio Baitone und von dort zurück zum PP.

    Anforderungen: 1700 Hm, um 20 Km, 8-10 Stunden. Bis zum Rifugio Tonolini T3, danach T4+: Adamello-Blockgelände und die letzten 200 Hm enorm steil im Schutt zum Gipfel. Wer kein versierter Blocktänzer ist, wird an der Tour keine Freude haben. Das Blockgelände erklärt auch die sehr großzügig bemessenen Gehzeiten auf den Schildern: Wer bei jedem Schritt erst überlegen muss, der wird hier lange brauchen. Ich musste bei der Tourenplanung ein bisserl über einen italienischen Bericht auf Hikr schmunzeln, in dem ein junger Mann schrieb, er und seine Freundin wollten hier ihren ersten 3000er machen, da sie die Tour für leicht hielten. Schwer ist sie tatsächlich nicht, aber eine Qual für eher Unerfahrene. Das beschrieb der Italiener auch wortreich...

    Ich finde die Tour, auch und gerade wegen des Gesteins fantastisch. Hauptsächlich der schöne Tonalit des Adamello und dazu der knallrote Granat.

    Wenn ich schon gerade bei Hikr bin: Die einzigen brauchbaren deutschen Tourenbeschreibungen zum westlichen Adamello stammen fast alle von Kai Moosbacher alias Steppenwolf alias Heidelberger Gipfelsammler wie er sich früher nannte. Nachdem er über 5500 Gipfel bestiegen hatte, ist er letzten Herbst ja vermutlich im Ankogel-Gebiet verunglückt und seitdem verschollen. Man kann ihm, der das Asperger-Syndrom hatte, für sein unglaubliches Arsenal an herausragend guten Tourenberichten einfach nur dankbar sein!


    Bilder:



    1: Der Lago Baitone dürfte momentan nahe an seinem Ursprungszustand sein, denn der Wasserspiegel liegt momentan 20 Meter unter der tiefsten Stelle der Staumauer.

    2: Lago Rotondo und Rifugio Tonolini.

    3: Gewaltig: Der Adamello von Westen.

    4: Der unscheinbare Gipfel links ist der Corno.

    5: Im steilen Schlussanstieg.

    6: Gipfelpanorama. Der Berg ganz rechts ist der Carè Alto.

    7: Am Gipfel.

    8: Der Eissee lädt zum Baden ein.

    9/10: Sensationell romantischer Übernachtungsplatz.








    Ein einfacher 3000er in wunderschöner Landschaft.

    Heute bin ich von meinem Schlafplatz im Val Paghera ins Val di Viso gefahren. Da das Wetter schon in der Früh unsicher aussah und die gestrige Tour doch sehr anstrengend war, hab ich es heute etwas ruhiger angehen lassen.

    Vorab muss ich noch ein paar Worte zum Ausgangspunkt verlieren: Die Case di Viso sind ein verträumtes, malerisches Bergdorf auf etwa 1700 Metern. Dort oder am noch etwas höheren PP "Pra del Rum" ist Übernachten übrigens ausdrücklich erlaubt.

    Sehr kurios sind allerdings die Regeln für das Befahren der Straße von Pezzo aus. Auf dem offiziellen Schild steht: Das Befahren der Straße ist ab dem ersten Tag nach dem vorletzten Sonntag vor Ferragosto bis zum letzten Sonntag im August verboten. Hä? Das wäre tatsächlich dann morgen. Allerdings ist es so, dass das Befahren eigentlich nur von 10-17.30 Uhr verboten ist, weil in der Zeit ein Shuttlebus von Pezzo aus verkehrt und es dann mit Ausweichen auf der engen Straße schwierig wird. Aber das ist noch nicht alles: Wenn es regnet, darf man immer fahren, weil dann der Bus nicht fährt. Diese ganze sehr typisch italienische Regelhuberei führt dann dazu, dass sich nessun cazzo daran hält, nicht einmal der Busfahrer. Als ich heute bei strömenden Regen am Nachmittag runter gefahren bin, wer kam mir da entgegen: Der Bus natürlich.

    Route: Von den Case di Viso nach Pra del Rum und über einen schönen Fahrweg zum Rifugio Bozzo. Hier beginnt ein herrlicher Flankensteig in Richtung der Ercavallo-Seen. Noch bevor man diese erreicht, zweigt rechts der Steig zur Punta di Ercavallo ab (kein Schild, aber gut zu sehen und markiert). Auf dem gleichen Weg zurück und zu den Seen, wo es sich mittlerweile leider eingenebelt hatte, sodass wenig zu sehen war und das Badetuch im Rucksack bleiben konnte.

    Auf dem famos angelegten Steig Nummer 2 geht es zurück zum PP.

    Das ganze Val di Viso ist stark vom Ersten Weltkrieg geprägt, was auch die großartig angelegten Steige, die alle aus der Zeit von 1915-18 stammen, erklärt. Der ganze Ercavallo-Berg ist voll mit Ruinen, Kavernen und am Gipfelkamm sind die Schützengräben und Kanonen-Standplätze noch gut erhalten. Ich denke mit ja immer, was für ein Irrsinn, dass junge Männer hier Lebenszeit oder mehr für die Interessen einer gierigen Oberschicht geopfert haben. Heute allerdings kam mir dieser Umstand zu Pass, denn trotz des unsicheren Wetters mit starker Wolkenbildung schon um 9 Uhr, musste ich mir wegen Gewittern eigentlich keine Sorgen machen, da alle paar Meter eine schützende Kaverne zu finden ist. Kurz nachdem ich oben war, begann es zu regnen und da bin ich halt schnell in einen Unterstand hinein.

    Anforderungen: 1500 Hm, knapp 20 Km, 7-8 Stunden. Ganz leicht, T2-3. Einer der einfachsten 3000er.


    Bilder:


    1: Pra del Rum: Wie gesagt sicher ein toller Übernachtungsplatz, aber ich bin doch wieder ins Val Paghera gefahren.

    2: Aussichtsreich geht es zum

    3: Rifugio Bozzo hoch

    4: Der herrliche Flankensteig.

    5: Zoom in Richtung Adamello.

    6: Vom Krieg bis heute geprägt. Das Wetter passt sich der düsteren Szenerie an.

    7: Hier stand sicher eine große Kanone. Auf was hat die geschossen? Auf den Piz Tesero, der da in den Wolken steckt?

    8: Ein Rudel Steinböcke. Der Chef steht natürlich fotogen auf dem König-der-Löwen-Felsen.

    9: Lago di Ercavallo im dichten Avalon-Nebel.

    10: Case di Viso.



    Die umständlichste Route zum Traumsee.

    Ich war ja erst vor zwei Wochen mit meiner Freundin am gewaltig schönen Lago d'Aviolo. Ich wollte da unbedingt wieder hin und das Ganze mit einer großen Rundtour verbinden. Der Blick in die Karte verriet mir, dass es da eine tolle Möglichkeit gibt, aber die ist lang, sehr lang - vor allem, wenn man auch noch den Monte Aviolo besteigt. Sicheres Wetter war also Voraussetzung und der Wetterbericht war eher gemischt mit hoher Gewittergefahr am Nachmittag. Allerdings hatte es in der Nacht ausgiebig gewittert und heute Morgen glänzte der Himmel über dem Adamello frisch gewaschen und ich ging richtigerweise davon aus, dass es heute stabil bleiben würde.

    Route: Vom PP ein Stück die Straße hinunter, bis links der Steig 672 zur Kirche St. Anna abzweigt. Auf der Karte sieht dieser Abschnitt eher fad aus (alles im Wald), aber in Wirklichkeit ist er wunderschön. Auf einer Mischung von Steigen und liebevoll gestalteten Forststraßen (ja, das gibt es.. ) geht es an malerischen Lichtungen vorbei zur beeindruckend großen Kirche auf 1900 Metern. Man fragt sich freilich schon, warum man sich da den Aufwand gemacht hat. War der Weg bisher gemütlich, wird er nur schmal und durchaus alpin. Es geht hinab bis zu einem riesigen Picknickplatz namens Pozzuolo (1600m), wo der meist steile bis sehr steile Steig 634 zum Monte Aviolo beginnt. Vom Gipfel am Anstiegsweg zurück bis bei etwa 2500 Metern links ein gut erkennbarer, aber nicht ausgeschilderter Steig zum Passo Foppa abzweigt. Vom Passo kann der zweite Gipfel mit wenig Mehraufwand mitgenommen werden. Es geht weiter hinab zur Malga Stain und noch runter bis 1700m. Man nimmt dann den Steig 601, der im oberen Teil sehr steil zum Passo Gallinera (2350m) führt. Hier gibt es übrigens eine tolle, moderne Biwakhütte. Jenseits hinab zum Lago d'Aviolo, wo ich ein ebenso nötiges wie verdientes Bad genommen habe. Vom See über das nahe Rifugio Aviolo steil zurück zum PP.

    Anforderungen: 2500 Hm und gute 30 Km, 12-14 Stunden. Im ruppigen Adamello muss man immer davon ausgehen, dass man für die gleiche Strecke etwas länger braucht als zum Beispiel im Zillertal oder Stubai. Die letzten 300 Hm zum Monte Aviolo sind T4+ mit einigen leichten Kletterstellen und zwei kurzen mit Ketten perfekt gesicherten Passagen, die frei sicher im 3. Grad zu verorten wären. Ansonsten überwiegend T3 mit kurzen T4-Passagen.

    Die Tour verläuft übrigens so, dass man erst nord- westseitig unterwegs ist. Man hat also viel Schatten. Nur der letzte Anstieg (Südwest) war voll in der Sonne. Der Abstieg vom Passo Gallinera (Ost und Nord) ist am Nachmittag auch schon wieder im Schatten.

    Hinweis: Untypisch für das wasserreiche Adamello, das übrigens den Gardasee hauptsächlich speist, gibt es auf der langen Strecke zwischen der Kirche und dem Aviolo See keine Möglichkeit, Wasser aufzufüllen. Ich hab mir dann auf der bewirtschafteten Malga Stain noch eine Flasche gekauft.

    Vielleicht noch ein paar Worte zur Adamello-Presanella-Gruppe, die bei uns vermutlich wenig bekannt ist: Ich bin ein eingefleischter Liebhaber dieser Berge, die unglaubliche schroffe Felswucht mit einer extrem üppigen Vegetation verbinden. Die Baumgrenze (Lärchen) liegt bei teils über 2500 Metern und obwohl Italien etliche 4000er hat und das Gebirge fast auf Höhe des Gardasees liegt, gibt es hier den größten Gletscher des Landes - den gewaltigen Mandrone. Die Hochregionen gleichen einer arktischen Landschaft. Aufgrund des steilen Geländes und des extrem harten (und schönen - ich nehme immer Steine von hier mit heim) Tonalit-Gesteins sind die Touren, spätesten sobald man über 2000m geht, sehr ruppig und verlangen konditionelle Standhaftigkeit.

    Was mir hier wie generell in ganz Norditalien immer wieder positiv auffällt, sind die auch hoch am Berg gelegenen tollen Picknickplätze mit Grillstellen etc. Das gibt es bei uns leider nicht.



    Bilder:


    1: Schöne Lichtungen im Wald prägen den ersten Teil der Tour.

    2: Das meine ich mit liebevoll hergerichteter Forststraße.

    3: Keine Ahnung, wie der korrekte Name ist, aber ich nenne das "Adamello-Kuschelgras". Es fühlt sich auf der Haut an wie kuscheliges Fell.

    4: Die Kirche St. Anna.

    5: Der urige Steig nach der Kirche.

    6/7: Am Gipfel.

    8: Die Biwakhütte am Passo Gallinera.

    9: Das Hochmoor über den Lago d'Aviolo.

    10: Der herrliche See.




    Herrliche Seen und ein großartiges Panorama.

    Ich bin gestern Nacht nach der Arbeit wieder nach Italien aufgebrochen, um da ein paar Touren zu erkunden. Hauptsächlich werde ich in der westlichen Adamello-Presanella-Gruppe unterwegs sein, aber da die Anfahrt noch länger ist, habe ich einen Zwischenstopp im Val di Rabbi gemacht. Übernachtet habe ich am oben genannten Parkplatz. Dieser eignet sich dafür eigentlich nicht, da er mitten im Ort liegt, aber wenn man erst um Mitternacht dort ist und um 6 aufsteht, tut da keiner nach. Ein besserer, ganz idyllischer Übernachtungsplatz wäre der kleine PP im Val Valorz. Da muss man aber über eine Forststraße hochfahren und dazu hatte ich mitten in der Nacht auch keine Lust mehr.

    Nun zur Tour: Diese besticht durch drei wunderschöne Seen, die großartige Landschaft und das Gipfelpanorama. Vor allem der Lago Rotondo ist sehr beeindruckend und ich hab da beim Abstieg auch noch eine Badepause eingelegt. Am einfachsten zugänglich ist der See auf der Seite seines Abflusses: Man muss dazu vom Steig etwa 50 Hm weglos absteigen (unschwierig).

    Route: Von San Bernardo zunächst zum Valorz-PP und dann zur Malga Casera. Anders als der Name vermuten lässt, ist das keine Alm, sondern eine rustikale Biwakhütte aus Holz (Ofen vorhanden, aber keine Matratzen in den Betten, immer unversperrt). Bald wird der Lago Soprasasso erreicht, der unterhalb eines schönen Hochmoores liegt. Weiter über den Lago Rotondo und den Lago Alto zum Passo Valetta. Von hier (nicht ausgeschildert) auf gutem Steig unschwierig zur Cima Valletta. Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg. Es gäbe Variationsmöglichkeiten, aber da steht einem erheblichen Mehraufwand an Hm und Km wohl kein adäquates Äquivalent an Landschaftseindrücken gegenüber - jedenfalls nicht wenn ich mir die Karte anschaue. Kann mich freilich täuschen.

    Anforderungen: 1800 Hm, 20 Km, 7-9 Stunden. Geht nicht über T3 hinaus. Es empfiehlt sich aber, vor 7 Uhr zu starten, da dann die ziemlich steilen ersten 1000 Höhenmeter noch im Schatten sind.

    An dieser Stelle auch mal ein ganz herzliches Dankeschön an Mark Zahel, der in meinen Augen in Bezug auf Wanderführer (bei Rother) das ist, was Deus Skitoureniensis Markus Stadler bei den Skitourenführern (Rother und Panico) ist: Extraklasse! Diese Tour ist aus seinem Führer "Rund um den Ortler" und ich nehme für die sommerlichen Touren oft seine Bücher als erste Anregung und plane dann davon ausgehend meine Varianten zu diesen Touren. Mark Zahel hat ja in den letzten Jahren viele ältere Tourenführer von anderen Autoren bei Rother überarbeitet und die Ergebnisse sind echt superstark. Ich hab meist auch noch die älteren zuhause und kann daher vergleichen. Zahels Tourenauswahl ist in der Regel viel alpiner und attraktiver. Das beste Beispiel ist sein Führer zum Ötztal. Da hat er fast den ganzen seilbahngestützen Touristen-Mist rausgeschmissen und durch landschaftlich großartige Touren ersetzt.


    Bilder:


    1: Mitternacht im Garten von Gut und Böse: in der Kneipp-Anlage. (Vielleicht kennt der eine oder andere ja den Film - die Stimmung dort hat mich gestern daran erinnert.)

    2/3: Valorz-Wasserfall.

    4: An der Malga Casera.

    5: Lago Soprasasso.

    6/7: Der beeindruckende Lago Rotondo.

    8: Rückblick vom Passo Valletta. Im Vordergrund Lago Alto.

    9: Gipfelpanorama Richtung Brenta und Presanella

    10: sowie zu Cevedale und Co.



    Eine Gewalttour von berückender Schönheit.

    2300 Höhenmeter und etwa 30 Kilometer Strecke. Das ist durchaus happig, aber dafür wird man reichlich durch die großartige Landschaft der Reichenspitzgruppe belohnt: Wasserfälle, große Seen, kleine Seen und das malerische Rainbachtal, das für mich zu den schönsten Hochtälern in den Ostalpen zählt. Freilich kann man die Tour auch auf zwei oder drei Tage aufteilen.

    Route: Finkau - Trisslalm - Zittauer Hütte - Rosskopf - Rosskarscharte - Rainbachtal. Beim Abstieg habe ich mir eine Schlaufe Richtung Richterhütte gespart, indem ich durch ein ausgetrocknetes kleines Bachbett abgekürzt habe (spart etwa 2-3 Km). Weiter hinab bis fast zum Krimmler Tauernhaus. An einer Wegmarke mit Namen "Karschlag", deren genaue Höhe man als Bayern-Fan lieber verschweigt - ich sage mal augenzwinkernd 1859m - beginnt der Steig hoch in die Rainbachscharte. Dieser Weg ist ebenfalls einfach wunderschön und führt am Rainbachsee vorbei, der einmalig vor der Kulisse der Dreiherrenspitze glänzt. Von der Scharte über die Gerlosseen zurück zur Zittauer Hütte und ins Tal.

    Anforderungen: Wie gesagt 2300 Hm, 30 Km, 10-12 Stunden. Die letzten 50 Hm in die Rainbachscharte T4 (sehr steil, aber gut versichert und wenig ausgesetzt), der Rest T3 und einfacher. Die Steige sind alle extrem gut ausgebaut, was aber auch wirklich nötig ist, wenn man sich manche der Hüttenwanderer anschaut. Das ist jetzt wirklich nicht arrogant gemeint, aber ich habe drei kleinere Gruppen aus Norddeutschland und Holland überholt, die schon total am Limit waren und für die Strecke vom Krimmler Tauernhaus zur Zittauer Hütte etwa 8 Stunden gebraucht haben dürften (hab kurz mit denen gesprochen). 4 sind angeschrieben... Wenn dann der Steig noch hantig wäre, dürfte der Heli gleich mal los.

    Sonstiges: Die Zillertaler Gletscher sind schon bis weit oben aper wie man auf den Bildern sieht. Die Seen laden natürlich zu einem kühlen Bad ein.


    Bilder:


    1: Gleich zu Beginn das erste Glanzlicht: Leitenbachklamm.

    2: Blick zum Wildgerloskees und seinem Wasserfall.

    3: Traumlage: Zittauer Hütte am Unteren Gerlossee zu Füßen von Gabler und Reichenspitze.

    4: Schönes Fotomotiv.

    5: Abstieg ins Rainbachtal.

    6/7: Wer widerspricht dem, was ich über das Rainbachtal geschrieben habe?

    8: Kleines Hütterl mit Aussicht am Aufstieg zur Rainbachscharte.

    9: Rainbachsee und Dreiherrenspitze.

    10: Oberer Gerlossee.


    Klassiker im Pflerschtal.

    Diese großzügige Rundtour gehört für mich jedes Jahr zum Standardrepertoire. Bäche, Seen, Hochmoore, zwei schöne Hütten, ein 3000er und spektakuläre Nah- und Fernblicke - was will man mehr. Das Wetter war anfangs etwas wolkig und wurde später immer besser.

    Route: Vom PP zur Pflerscher Tribulaunhütte und weiter zum Hohen Zahn. Kurzer Zwischenabstieg und auf dem breiten Band unter dem Gipfelaufbau entlang, bis rechts der nicht ausgeschilderte und nur mit Stoamandln markierte Steig zum Gipfel beginnt. Zurück und Abstieg über Magdeburger Hütte und Furtalm.

    Anforderungen: 1800 Hm, 20 Km, 8-9 Stunden. Gipfel Weißwand T4, sonst T 3.

    Die Magdeburger Hütte hat heuer schon wieder neue Pächter. Jetzt gibt es anstatt der etwas raffinierteren, kulinarischen Kreationen wieder eher klassisches Hüttenessen, das aber wirklich gut ist.


    Bilder:


    1: Kleiner Wasserfall am Weg zur Tribulaunhütte.

    2: Eben diese. Ich würde mir ja als Hüttenwirt nicht die Fahne des Piratenvereins EU vors Haus hängen.

    3: Sandessee.

    4: Wolkenspiele zwischen Goldkappl und Tribulaunen.

    5: Gut zu sehen das markante Band an der Gesteinsgrenze der Weißwand.

    6: Am Gipfel.

    7: Die Steinböcke haben heuer sehr viel Nachwuchs.

    8: Der Rocholsee wird immer mehr zu einem Hochmoor.

    9: Auf der aussichtsreichen Terrasse der Magdeburger Hütte.

    10: Der König von Pflersch.


    Tolle Tour mit düsterem Hintergrund.

    Die Vajont-Katastrophe in Longarone ist ja vielen bekannt. Dass es sich dabei nicht um das einzige Staudamm-Unglück - eigentlich möchte man fast von Vorsatz und Geldgier sprechen - in Italien handelt, ist vermutlich im deutschsprachigen Raum weniger präsent. Schon kurz vor dem Bergrutsch in den Vajont-Stausee gab es am in der Nähe (Bosconero-Gruppe) liegenden Pontesei-Staudamm ein ähnliches Ereignis, das aufgrund des viel kleineren Stauvolumens aber nur einen Menschen (den Wärter) tötete. Anders verhält es sich beim der Diga del Gleno, einem Staudamm in den Bergamasker Alpen. Dieser stürzte im Gegensatz zu den Dolomiten-Staudämmen, die so phänomenal konstruiert waren, dass sie den Flutwellen Stand hielten (in Longarone starben wegen der Welle etwa 2000 Menschen; der "Fehler" lag hier bei der geologischen Einschätzung) und heute noch stehen, nur Wochen nach der Inbetriebnahme ein. Man hatte aus "Gründen" darauf verzichtet, Zement zu verwenden... (und aus den gleichen, finanziellen Gründen die ursprünglich

    geplante - und auch so bewilligte - Gewichtsstaumauer durch eine optisch ansprechende, aber ohne Zement fragile Bogenstaumauer ersetzt. Das macht einen heute sprachlos und kostete am 1. Dezember 1923 mindestens 356 Menschen in Dezzo und Bueggio das Leben. Vielleicht wird vor diesem Hintergrund auch klarer, warum es im Ultental momentan großen Widerstand seitens der Bevölkerung gegen die geplante Erweiterung der dortigen Staudämme gibt, die von der Alperia vorangetrieben wird, obwohl dort beim Zogg-Stausee in den letzten Jahren ungeklärte (oder besser gesagt nicht transparent gemachte) technische Probleme auftraten. Solche Sachen weiß man aber halt auch nur, wenn man viel in den italienischen Bergen unterwegs ist und dort viele Bekannte hat.

    Zurück in die Bergamasker Alpen: Wir sind von Pianezza über den Steig 411 zur Ruine des Stausees hoch. Das Wetter war extrem unsicher und Gewitter angekündigt. Dank meiner wie immer perfekten Tourenplanung konnten wir das starke Gewitter mit heftigem Graupel um 9 Uhr unter einem Felsüberhang abwettern, bevor es weiterging. Hm... Man kann Glück auch als Verdienst werten - vielleicht wäre ich ein guter Politiker... Nein, Spaß beiseite: Ich hab das Wetter schon genau beobachtet und als klar war, dass es bald rundgeht, haben wir den geschützten Ort genutzt. Danach gab es bald schönes Wetter. Von den Ruinen des Staudamms aus kann man den Gleno-See umrunden und kommt über die Steige 410 und 449 nach Pianezza zurück.

    Anforderungen: 600 Hm, 10 Km, 3-4 Stunden; maximal T3.

    Sehr lohnende Tour, die bei sicherem Wetter natürlich noch erweitert werden könnte.

    Bei der Anfahrt von Edolo haben wir einen fantastischen Übernachtungsplatz an der Straße durch die Scalve-Schlucht entdeckt. Übernachten im Auto (aber kein Camping) wird in der Provinz Bergamo übrigens geduldet.


    Bilder:


    1: Pianezza ist ein typisch malerischer italienischer Ort.

    2: Schöne Ausblicke auf dem Weg zum Stausee.

    3: Hier haben wir das Gewitter abgewartet.

    4: Hat schon ein bisserl gehagelt...

    5-7 Erschreckend und beeindruckend zugleich: Der kaputte Staudamm.

    8: Zauberstimmung im Wald.

    9: Großartige Landschaft.

    10: Scalve-Schlucht, wo wir übernachtet haben.



    Pragser Wildsee für Fortgeschrittene.

    Der liebe Gott hat es sinnigerweise so einzurichten gewusst, dass der über alle Maßen zauberhafte Lago d'Aviolo nicht wie sein Dolomiten-Pendant mit dem Auto, sondern nur auf einem sehr steilen, mitunter ruppigen Steig erreicht werden kann. An schönen Wochenenden wird dennoch viel los sein, aber wir hatten gestern Vormittag das Glück recht geringen Andrangs.

    Wir sind am Sonntag noch vom Val di Rabbi ins Val Paghera gefahren und haben da im Auto übernachtet. Gestern sind wir in der Früh dann über das Rifugio della Cascata (bis hier auch Zufahrt mit dem Auto möglich) und das kurz vor dem See gelegene Rifugio Sandro über den teils sehr steilen Steig zum See hoch. Über dem See gibt es noch ein wunderschönes Hochmoor, das man auf einem Rundweg erleben kann. Runter auf dem gleichen Weg.

    Jetzt schwärme ich mal noch ein bisserl: Der Lago d'Aviolo mit seinem kristallklaren Wasser liegt in einer extrem beeindruckenden Bergkulisse, die den Seekofel am Pragser Wildsee in meinen Augen sogar übertrifft. An seinen Ufern lässt es sich gut einen Tag verträumen. Man kann ein paar Züge schwimmen, aber das Wasser ist sicher immer saukalt, denn es tritt als Quellwasser erst direkt am See oder dem vorgelagerten Hochmoor aus.

    Anforderungen: 600 Hm, 10 Km, 3-4 Stunden. Max. T3, aber ruppig (wie fast immer im Adamello)

    Vom See aus gibt es auch viele lohnende Bergtouren, aber wir haben gestern Nachmittag dann noch Kulturprogramm in den kleinen Städtchen der Gegend wie Edolo gemacht und sind anschließend Richtung Bergamasker Alpen gefahren.


    Bilder:


    1: Der steile Weg zum Glück.

    2: Am Rifugio Sandro. Die Blumenpracht!

    3-5: Was für ein See, was für eine Kulisse!

    6: Hier kann man den Tag verträumen oder

    7: das "Heldenbad" nehmen. 😉

    8/9: Unterwegs im Hochmoor.

    10: Klarstes Wasser und das wunderschöne Tonalit-Gestein des Adamello


    Landschaftsgenuss vom ersten bis zum letzten Meter.

    Die Überschreitung des Gleck ist einfach eine absolut runde Sache: Im unteren Teil herrliche Lärchenwälder, dann die wunderschönen Seenplateaus sowohl auf der Nord- als auch auf der Ostseite des Berges und die Aussicht ist ebenfalls famos, wenn es nicht gerade wie bei mir am Sonntag am Gipfel graupelt...

    Route: Daniela und ich sind vom Parkplatz über die untere Caldesa Alm zur Haselgruber Hütte (= Rifugio Corvo) und zum Haselgruber See (= Lago Corvo) aufgestiegen. Nebenbei: Bei der Italienisierung der Namen nach der Annexion der Gebiete durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg fand man wohl keine sinnige Übersetzung des Wortes "Haselgruber", denn "Corvo" bedeutet Krähe. Daniela ließ es damit gut sein, blieb noch am schönen See und stieg danach gemütlich wieder ab. Ich hab dann noch die Überschreitung des Gleck gemacht, wobei es wie gesagt am Gipfel regnete und graupelte (ein Gewitter war aber nicht zu befürchten). Wenig später kam die Sonne heraus und ich war schnell wieder trocken. Bei der Rundtour steigt man zunächst am Kamm zum Schwärzer Joch ab und von dort geht es auf der Ultener Seite des Berges bis zum Langsee (2400m) hinab. Es folgt ein Gegenanstieg auf Steig 12 ins Kirchbergjoch (2746m), von wo man wieder zur Haselgruber Hütte kommt. Für den Abstieg habe ich den alten Hüttensteig (gut in Schuss) als Abkürzer zur Caldesa Alm genommen. Dieser verläuft direkt unter der Material-Seilbahn und ist nicht ganz so schön wie der "richtige" Steig.

    Anforderungen: 1800 Hm, 20 Km, um 8 Stunden. Geht nicht über T3 hinaus.

    Wie gesagt eine ganz bezaubernde Tour, die mit den vielen Seen auch reichlich Bademöglichkeiten bereithält.


    Bilder:


    1-4: Der Anstieg zur Haselgruber Hütte verläuft zunächst durch zauberhaften Lärchenwald und später auf einem aussichtsreichen Höhenweg. Großartig und alleine für sich schon lohnend!

    5: Am Haselgruber See.

    6: Wollgras am Kirchbergsee.

    7: Die Kammwege am Gleck sind einfach.

    8: Blumenpracht am Bach.

    9: Langsee und Zufrittspitze (Nebenbei: Zufrittspitze aus den Ultental = üble Geröllstolperei; von Martell aus deutlich lohnender).

    10: Abstieg vom Kirchbergjoch.


    Ein ganz feines Stück Natur!

    Seit Samstag bin ich mit Daniela mal wieder auf einem Straßen- und Bergtrip in Norditalien unterwegs, wobei wir wie immer im Auto übernachten.

    Am ersten Tag gab es bei recht unsicherer Wettervorhersage folgende Tour: Von der Timmelsbrücke zum ehemaligen Bergwerk St. Martin am Schneeberg und von dort hoch in die Karlsscharte. Jenseits hinab in eine große Hochebene und dann nochmal ein Stück hoch zum Timmler Schwarzsee. Für den Abstieg haben wir nicht den normalen Weg genommen, sondern sind kurz zurück und beim ersten Bach weglos rechts abgezweigt und über die überwältigend schönen Hochmoore des oberen und unteren Krumpwassers hinunter, bis man wieder auf den normalen Steig zur Timmelsalm trifft. In der Karte ist ein Steig eingezeichnet und es muss auch mal einen gegeben haben, da es mehrere alte Holzbrücken über den Bach gibt, aber sehen tut man da nichts mehr. Bei guter Sicht ist die Orientierung aber problemlos.

    Anforderungen: Etwa 1000 Hm, 15 Km, um 6 Stunden; T3.

    Prädikat "besonders wertvoll"!


    Bilder:


    1: Der erste Teil der Tour führt durch lichten Lärchenwald.

    2: St. Martin am Schneeberg. Die Spuren des Bergbaus sind auch heute noch deutlich zu erkennen.

    3: Der Schneeberger Weiße ist geologisch auffällig.

    4: Timmler Schwarzsee (2500m).

    5: Das obere Krumpwasser vor der Kulisse von Hochfirst und Co.

    6: Im o. Krumpwasser fließen zwei Bäche zusammen, die komplett unterschiedliches Gestein transportieren.

    7: Was für ein Naturjuwel!

    8: Das untere Krumpwasser.

    9: Badestelle am der Timmelsbrücke.

    10: Am Abend waren wir noch in Meran.


    Ganz normale Dolomitentour - also fantastisch.

    Zum Abschluss meines Dolomiten-Ausflugs habe ich heute eine etwas kürzere Tour gemacht. Erstens, weil das Wetter in der Früh unsicher erschien - es war um 7 sehr schwül und begann schon zu quellen. Später verzogen sich die Wolken aber wieder. Zweitens, weil man bei einer Heimreise um die Mittagszeit die besten Aussichten hat, nicht im Stau zu stehen.

    Ich kannte die Tour noch nicht und mangels Social-Media-Nutzung war mir auch nicht bewusst, dass der Sorapiss-See wohl ein populärer Insta-Hotspot ist. Dem entsprechend auch das Publikum: meist sehr jung und - jedenfalls der weibliche Teil - perfekt geschminkt. Auf dem Steig zum See war schon am frühen Morgen viel los. Obwohl der Steig einfach ist, ist er stellenweise ausgesetzt, was viele der Wanderer aber vermutlich gar nicht so mitbekommen, weil am Wegesrand meist Latschen stehen; daneben geht es aber gerne mal hundert Meter senkrecht runter. Eigentlich nicht das Gelände für den Glapperl-Schorsch und die Badelatschen-Babsi, die hier aber häufig anzutreffen sind...

    Route: Vom Passo Tre Croci auf Steig 215 zum Rifugio Vandelli und zum nahegelegenen See. Anschließend ein Stück zurück und hoch zur Forcella Marcuoira, jenseits hinab und zum Passo.

    Anforderungen: Die obersten 100 Hm nach der Forcella sind richtig steil und der ausgewaschene Steig ist in sehr schlechtem Zustand - T4. Der Rest T2-3. Etwa 800 Hm, 15 Km, um 5 Stunden.

    Der See liegt natürlich gewaltig zu Füßen des Sorapiss-Massivs, aber auch sonst ist die Tour landschaftlich ein Traum - vor allem die lichten Wälder unterhalb der Forcella.

    Ein später Aufbruch ist vermutlich aber ebenso zu meiden wie schöne Wochenendtage. Wenn an einem Montag außerhalb der absoluten Hauptsaison schon um 9 über 50 Menschen am See sind, dann weiß man, was Sonntag Mittag hier los sein muss.


    Bilder:


    1: Schon früh beginnt es am Cristallo zu quellen.

    2: Einfach, aber teils exponiert ist der Steig zum See.

    3: Der Sorapiss zeigt sich.

    4: Der See ist schon gewaltig schön - kein Wunder, dass da viel los ist.

    5: Landschaftsgenuss pur auf den Steigen.

    6: Forcella Marcuoira.

    7: Das unangenehme Steilstück.

    8-10: Herrliche Wälder prägen den Abstieg, bei dem man den Cristallo immer im Blick hat. Auf dem letzten Bild hat er sich auch endlich der Wolken entledigt.

    Lawrence von Travenanzes

    Als ich heute auf dem Rückweg meiner Tour durch das gewaltige Travenanzes-Tal schlenderte, kam mir spontan die berühmte Szene aus "Lawrence von Arabien", einem meiner Lieblingsfilme, in den Sinn, in der der Protagonist durch die Echo-Schlucht reitet und zu singen beginnt.

    Könnte ich singen, wäre mir heute auf jeden Fall der Sinn dazu gestanden, denn die Tour gehört landschaftlich einfach zum Großartigsten, was die Dolomiten zu bieten haben. Im Gegensatz zu gestern heute wirklich Champions-League, mindestens Halbfinale. Es gibt in den Dolomiten ja drei Kategorien: schön, herausragend schön und "das glaub ich nicht". Heute letztere Kategorie.

    Route: Vom PP zunächst zu den Fanes-Wasserfällen, die mich jedes Mal wieder extrem beeindrucken. Man kann auf dem Steig auch hinter zwei der Wasserfälle gehen, was akustisch und vom Farbenspiel, wenn die Wasserfälle in der Sonne sind (nur vormittags) einfach ein Knaller ist. Die Steige an den Fällen sind leichte Klettersteige (A/B), die von Geübten auch ohne Set begangen werden können. Weiter zur Groß-Fanes-Alm (Jausenstation, keine AV-Hütte und nicht zu verwechseln mit der Fanes-Hütte, denn diese liegt eine Stunde entfernt in "Klein-Fanes"). Nun weiter auf dem Sentiero della Pace (Friedensweg, Steig 17), wobei eine lange Schleife auf einem spärlich gelb markierten Steig (Pfad fast nicht erkennbar) mit Gewinn abgekürzt wird. Man erreicht nach einiger Zeit das Friedensbiwak und überschreitet den Monte Casale zum Monte Cavallo. Gewaltiges Panorama! Anschließend zurück zum tiefsten Punkt vor dem Casale, wo ein Schild in die steile Südflanke Richtung Travenanzes weist. Der Steig ist sehr ruppig und steil; ein Abfahren im Schutt ist leider nicht möglich, da zu wenig Schotter und sehr harter Untergrund. Extrem beeindruckend, wie beim eigenen Abstieg die gegenüberliegenden Tofane immer mehr himmelhoch emporwachsen. Man erreicht schnell nach 700 Hm lieblicheres Gelände und ab der Cason Travenanzes ist es einfach ein purer Genuss, durch das Tal hinauszuwandern.

    Anforderungen: Etwa 1700 Hm, 25 Km, 9-11 Stunden. Der steile Abstieg T4, aber ohne Absturzgefahr, der Rest T3 und einfacher.

    Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, die Tour in dieser Reihenfolge zu machen, da man die steile Südflanke sonst im Aufstieg begehen muss. Ich habe die Tour letztes Jahr im Juni schon mal anders herum probiert, musste damals aber wegen Vereisung auf der Nordseite umdrehen.

    Sonstiges: Die Südflanke des Casale ist sicher im Winter eine gewaltige Firntour: 700 Hm um 40 Grad und vom Lagazoi-Skigebiet aus auch schnell zu erreichen!

    Um nochmal zu Lawrence zurückzukehren: Ähnlich einsam wie er in der Wüste war ich heute (an einem Sonntag!) unterwegs. Die Südflanke des Casale kann an heißen Tagen auch die Wüste Nefud, "der Glutofen der Sonne" werden.😉

    Und ohne Zusammenhang noch ein Filmzitat von Anthony Quinn: "Ich bin Auda Abu Tayi! Ich bin der Quell, aus dem mein Volk schöpft!" Ich liebe diese Stelle im Film.


    Bilder:


    1-3: An und hinter den Fanes-Wasserfällen.

    4: Diese uralten Zirben haben sicher auch den verheerenden Irrsinn mitbekommen, den die Menschen von 1915-18 hier aufgeführt haben und von dem am Casale/Cavallo noch genug Überreste vorhanden sind. Ich hoffe und bin auch davon überzeugt, dass die heutige Jugend klüger ist als ihre Vorfahren. Musterungsbescheid? Ignorieren. Einberufung? Nicht hingehen. Wenn das genug Leute machen, können Pistorius und Co im Dreieck springen. Nicht mitmachen ist machtvoller als alles andere.

    5: Reichlich trist schaut es auf den ersten Blick Richtung Casale/Cavallo aus, aber

    6: aus der Nähe ist es sehr blumig.

    7: Die Tofane.

    8-10: Val Travenanzes: Die Bilder geben dessen heitere Atmosphäre und die Blumenpracht am Wegesrand nur ganz rudimentär wieder.


    Eine große Rundtour im Sennes-Gebiet

    stand heute auf dem Plan. Ich bin gestern nach der Arbeit Richtung Cortina gefahren und habe noch eine kleine Abendtour zur Plätzwiese vom PP "Im Gemärk" aus gemacht, bevor ich zu meinem Schlafplatz gefahren bin.

    Heute gab es dann folgende Tour: Von der Ponte Felizon hoch nach San Uberto (auch ein PP, aber der kostet 8 Euro - da nehme ich den kurzen Zusatzweg gerne in Kauf) und auf schönem Steig, oft am Boite-Bach entlang, hoch zur Malga Ra Stua. Nun habe ich nicht die Forststraße genutzt, sondern bin auf einem schattigen, unmarkierten Steig bis zum Lago de Rudo gegangen. Sollte sich da jemand einen Badesee darunter vorstellen, soll gesagt sein, dass es sich dabei eher um ein Batzloch mit viel Kuhscheiße handelt 😉. Vom "See" entgegen der Beschilderung auf mit Stoamandln - ja, es sind Mandln und keine "Steinpersonen" wie mancher Woke es vielleicht gerne hätte - markiertem Steig zum Gipfel der Lavinores. Dieser wird überschritten und es geht jenseits etwas ruppig hinab zur Fodara-Vedla-Hütte. Weiter zur Sennes-Hütte und von dort zum Großen Fosses-See (auch nicht zum Baden geeignet, aber dieses Mal nicht wegen Kühen, sondern weil hier eine riesige Schafherde das Ufer zugekotet hat.). An dem (fast ausgetrockneten - Hilfe! Der Klimawandel 😂) Kleinen Fosses-See wird es dann spannend, denn ich bin hier nicht dem Normalweg gefolgt, sondern dem ehemaligen Gaislkare-Höhenweg-Süd, der seit etwa 20 Jahren wegen Jagdinteressen - Pardon, ich wollte eigentlich "Natur- und Wildschutzgründen" schreiben - aufgelassen ist, gefolgt. Dank einiger einheimischer Enthusiasten ist dieser landschaftlich großartige Steig aber weiterhin begehbar, da die Latschengassen freigeschnitten werden und die Route mit Stoamandln markiert ist. Es ist übrigens deutlich einfacher, den Steig von den Fosses-Seen aus zu finden als anders herum - siehe meinen Bericht zur Croda d'Ancona letztes Jahr. Man kommt letztlich bei der Forcella de Lerosa heraus. Man könnte von hier wieder zur Malga Ra Stua kommen, aber das wäre doch langweilig, oder? Ich hab auch hier wieder einen alten Jagdsteig ausprobiert und bin dazu zunächst dem Steig Nummer 8 gefolgt, der letztlich am PP "Im Gemärk" herauskommen würde. Es gibt mehrere unbeschilderte Abzweige von diesem; den zweiten (fast nicht zu erkennen) habe ich genommen. Ein landschaftlich einfach großartiger Steig durch herrlich urigen Wald! Man kommt an der SS51 heraus, und ist schnell wieder bei der Ponte Felizon.

    Anforderungen: Viel auf und ab; ich schätze etwa 1700 Hm und 25 Km, 9-11 Stunden. Es geht an sich nicht über T3 hinaus, aber die Orientierung ist vor allem auf dem Gaislkar-Steig schon happig, weil es auch noch einige Abzweiger gibt, die einen in die Irre führen können. Dafür hat man auf dem Großteil der Tour eine Einsamkeitsgarantie. Nur zwischen Fodara-Vedla- und Sennes-Hütte ist natürlich Massenauflauf. Ich warte ja eh schon wieder auf die Meldungen vom totalen Chaos in den Dolomiten, weil sich die Touris an den Zinnen und der Seceda gegenseitig vom Steig schubsen. Die einzige Lösung sind dann freilich höhere Gebühren und Zugangsbeschränkungen... Pff... Wer ein bisserl was von Tourenplanung und Orientierung versteht, wird in den angeblich so überlaufenen Dolomiten schon sein Steiglein finden!

    Fazit: Eine wunderschöne Tour, die in meinem persönlichen Dolomiten-Ranking aber dennoch nicht in der Champions-League spielt. Einer technisch ambitionierteren Tour stand heute der (falsche) Wetterbericht im Weg, der ab Mittag vor Gewittern warnte. Die heutige Tour hätte in diesem Falle jederzeit abgekürzt/abgebrochen werden können.


    Bilder:


    1: Ein Bild von gestern: Abendlicher Blick zum Cristallo.

    2: Der Gipfel links ist die Lavinores.

    3: Gipfelpanorama Richtung Tofane.

    4: Kuhidyll und Hohe Gaisl.

    5: Fosses-See und Seekofel.

    6/7: Am Gaislkar-Steig.

    8: Wow!

    9: Auf dem urigen Jagdsteig.

    10: Badestelle am Boite-Bach in der Nähe meines Übernachtungsplatzes.


    Heute wollte ich nur eine kurze Tour machen und dann am Hintersteiner See baden. Normalerweise verbinde ich das immer mit der Scheffauer-Überschreitung, aber auf dem war ich in den letzten zwei Wochen schon zwei Mal - zuletzt mit Laurenz am Sonntag nach der Cevedale-Tour. Der Zettenkaiserkopf ist vom See aus schnell erreicht und man kann den restlichen Tag schön auf der Liegewiese verbringen.

    Route: Vom See zur Walleralm und dann noch ein kurzes Stück weiter auf der Forststraße, bis rechts Pfadspuren erkennbar sind (siehe Bilder). Der Steig ist nicht ausgeschildert oder markiert; früher verlor er sich im Wald immer mal wieder, aber mittlerweile ist er so gut ausgetreten, dass man sich eigentlich nicht mehr verlaufen kann. Obacht nur bei einer erdigen Steilrinne: Es geht nicht durch diese hoch, sondern man geht noch um ein Eck, wo man ein Kletterseil findet, dass vor allem im Abstieg hilfreich ist (siehe ebenfalls bei den Bildern). Vom Gipfel am gleichen Weg zurück.

    Anforderungen: 800 Hm, etwa 8 Km, 3-4 Stunden. Die obersten 250 Hm T4. Bei Nässe kann der steile, erdige Steig sehr unangenehm sein.

    Man muss die Tour nicht hochjubeln, aber der Gipfel ist von Fauna (seltene Schmetterlinge) und Flora her sehr interessant und bietet ein großartiges Panorama. Außerdem ist natürlich viel weniger los als sonst im Koasa. Heute habe ich dort niemanden getroffen.


    Bilder:


    1: An der Waller Alm.

    2: Hier beginnt der Steig.

    3: Da geht's nicht hoch,

    4: sondern da.

    5/6: Tolles Panorama.

    7: Die Außerirdischen kommen!

    8: Am See.



    Die große Salfeins-Runde mache ich gerne bei halbschaarigem Wetter, weil sie einfach ist, sehr liebliche Landschaftseindrücke bietet und es oft schöne Wolkenstimmungen rund um die Kalkkögel gibt. Gestern bin ich erst mittags los, nachdem die letzten Schauer abgezogen sind.

    Route: Über die Salfeins Alm zum gleichnamigen See und dann in herrlicher Kammwanderung über die oben genannten Gipfel. Vom Schaflegerkogel ins Schafjöchl und hinab zum Sendersbach, an dem entlang man 5 Km gemütlich über die Kemater Alm (Montag Ruhetag) zum Ausgangspunkt zurückschlendert. Die Tour kann an mehreren Stellen abgekürzt werden.

    Anforderungen: 1300 Hm, 15 Km, 6-7 Stunden. Ganz einfach, maximal T3. Gestern durfte ich aber wieder einmal feststellen, dass das, was für unsereins "einfach" ist, für andere eine Grenzerfahrung sein kann. Beim Abstieg habe ich drei junge Engländer überholt, die etwas überfordert wirkten. "Are you okay?" fragte ich. "Yes, but it's very steep!" Naja, ich hätte "mittelflach" gesagt, aber mit Stadtschüchen schaut die Sache vielleicht anders aus...


    Bilder:


    1: Kuhidylle mit Kalkkögel-Blick.

    2: Für das klassische Kalkkögel-Spiegelbild hat der Salfeins-See momentan zu wenig Wasser.

    3: Toller Inntalblick.

    4/5: Zum Grieskogel geht es durch herrlichen, lichten Zirbenwald. Was mich hier sehr gefreut hat, ist, dass die jungen Zirben sich von dem Schneeschimmel letztes Jahr gut erholt haben. Da waren alle Bäumchen unter 1,50 m massiv davon befallen.

    6: Rückblick über den Kamm Richtung Karwendel.

    7: Die Alpenrosenblüte liegt auch in den Hochlagen in den letzten Zügen.

    8: Der "steile" Abstieg zum

    9/10: Sendersbach.


    Ein perfekter Hochtourentag!

    Gestern Abend bin mit Laurenz, dem ältesten Sohn (21) meiner Freundin, ins Martelltal gefahren, weil er mal eine Hochtour mit Gletscher machen wollte. Wir haben am Parkplatz übernachtet und sind um kurz nach 5 los, wobei eigentlich zunächst nur die Zufallspitze das Ziel war, aber es wurde dann viel mehr aus der ganzen Geschichte...

    Wir sind über die Zufallhütte zur Marteller Hütte aufgestiegen und dort zum Beginn des Fürkeleferners (nicht zur Furkelscharte!) und über diesen hoch zum Grat. Einfach perfekte Bedingungen: Im flachen unteren Teil aper, im "steileren" Bereich dann eine gute Schneeauflage und sehr gut zu gehen. Der Grat selbst ist komplett schneefrei.

    Am Gipfel, den wir schon um 10 erreicht haben, wurde dann wegen unser guten Form und den Bedingungen (Randspalte Richtung Cevedale gut eingeschneit), entschieden, diesen auf jeden Fall noch "mitzunehmen". Und als Laurenz fragte, ob man denn unbedingt auf dem Anstiegsweg zurück müsse, habe ich dann nach kurzem Überlegen gesagt. "Mir kanntn scho a auf da Südseitn obsteing, aber dann miassma hoid ordentlich wieder auffe, dass man zruck kemman."

    So wurde es gemacht: Rüber zum Gipfel des Cevedale (zur Zeit völlig problemlos) und über den noch gut eingeschneiten Cevedale-Gletscher zu dessen Ende (ca. 3000m) hinab und weiter auf ziemlich schlecht markiertem "Steig" - eher Schuttgestopsel - Richtung Rifugio Larcher. Von dort hinauf (gute 400 Hm) zur Fürkelescharte und jenseits (fast) gletscherfrei über die Marteller Hütte ins Tal. (Wir haben ab der Hütte eine andere Variante als den Anstiegsweg genommen.)

    Anforderungen: 2400 Hm, um 25 Km, 11-14 Stunden. Hochtour L+, T4 mit wenigen Stellen I. Wir sind ohne Seil gegangen, was ich auf dieser Route für absolut vertretbar halte, wenn man die seltenen Spaltenzonen meidet . Ich kenne das Gebiet aber halt auch extrem gut und war schon sehr oft hier unterwegs. Steigeisen sind obligatorisch, aber der Pickel war heute auch nur für's Foto dabei...

    Was mich wirklich extrem gewundert hat, ist, dass gar nicht los war. Drei Hanseln an der Zufall, acht am Cevedale und auf der Abstiegsroute niemand. Auch nirgends Gegenverkehr. Und das an einem nicht zu warmen Samstag mit perfekten Bedingungen. Diese werden in den nächsten Wochen sicher schlechter, also eisiger werden.


    Bilder:


    1: Die Königsspitze spiegelt sich frühmorgens in einem kleinen Seenauge bei der Marteller Hütte.

    2: Hier geht es auf den Fürkeleferner.

    3: Sehr gute Bedingungen.

    4: Schneefrei präsentiert sich der Grat und

    5/6: unproblematisch ist der Übergang von der Zufall zum Cevedale.

    7: Cevedale: Laurenz war hier!

    8: Und ich auch (zum 20. Mal oder so).

    9: Abstieg am Cevedale Gletscher.

    10. Idyllische Landschaft im unteren Teil.



    Zwei Traumtage in der Silvretta.

    Am Freitag bin ich mit Katrin und Michael in die Silvretta gefahren und wir haben die Tourenmöglichkeiten um die Saarbrücker Hütte ein bisserl ausgekundschaftet. Wir waren mit leichtem Gepäck unterwegs, weil wir nicht vorhatten, die hier möglichen Gletscher- und/oder Klettertouren zu machen. Und weil meine Begleiter auch die Sanni, ihren Hund, dabei hatten.

    Freitag: Aufstieg zur Hütte durch das malerische Klostertal und über den Litznersattel, von dem aus wir noch den Sattelkopf mitgenommen haben. Übernachtet haben wir dann auf der sehr schönen Saarbrücker Hütte, die ganz familiär geführt wird. Sehr zu empfehlen!

    Samstag: Zunächst sind wir zur Seelücke (2771m) hoch und jenseits in Schweizer Gebiet hinab, bis es zum Plattenjoch (2728) hochgeht, von dem aus man unbedingt die Westliche Plattenspitze mitnehmen sollte. Wieder zurück im Joch geht es hinab zur Tübinger Hütte, die zwar erst am Mittwoch offiziell öffnet, wo man heute aber auch schon ein Kaltgetränk und etwas zu essen bekam. Es folgt ein weiterer Anstieg ins Hochmadererjoch (2505m), von dem man den gleichnamigen Gipfel (2823m) mitnehmen könnte. Darauf haben wir aber wohlweislich verzichtet - genau als wir später wieder beim Auto waren, hat es Vollgas zu gewittern begonnen. Der Abstieg vom Joch erfolgt Richtung Vermuntstausee, von dem aus es nochmals einen (landschaftlich schönen) Gegenanstieg zur Bieler Höhe braucht.

    Anforderungen: Insgesamt gute 2000 Hm und knappe 35 Km, 12-14 Stunden, wobei etwa 2/3 der Zeit für die zweite Etappe benötigt werden. Nur die Gipfelabstecher T4, der Rest einfacher.

    Schneelage: Im Bereich der hochgelegenen Scharten/Jöcher teils große Schneefelder mit meist gutem Trittfirn, aber viel weniger Schnee als sonst Ende Juni.

    Herrliche Tour in herrlicher Landschaft!


    Bilder:


    Freitag:

    1/2: Im Klostertal.

    3/4: Kurz vor dem Litznersattel.

    5: Die wunderschöne Saarbrücker Hütte.


    Samstag:

    6: Großer Litzner und Seehorn.

    7: Blick von der Seelücke.

    8: Gewaltige Aussicht von der Westlichen Plattenspitze.

    9: Erinnerung an den Winter.

    10: Tüpfelenziane an der Tübinger Hütte.



    Bergsteigen und Baden.

    Es gibt wenige Touren, die sich vor allem bei heißem Wetter so gut für diese Kombination eignen wie die Überschreitung des Scheffauers: Hoch über die schattige Nordseite, sich beim extrem sonnigen Abstieg ordentlich aufheizen und dann in den kühlen Hintersteiner See eintauchen. Herrlich!

    Route: Vom See über die Waller Almen zum Hochegg und jenseits hinab bis kurz vor die Kaindlhütte. Hier beginnt der Widauer-Steig, der durch die Nordflanke des Scheffauers führt und erst kurz vor Mittag in die Sonne kommt. Vom Gipfel auf dem südseitigen Normalweg hinunter und zurück zum See. Der Normalweg ist nach dem Felssturz wieder ohne Probleme begehbar, wobei die jetzige Route noch etwas provisorisch wirkt (Kletterseil statt Stahlseil).

    Anforderungen: 1400 Hm und knappe 15 Km, 5-6 Stunden. Der Widauer-Steig ist sehr alpin mit vielen Versicherungen (KS A/B bzw T5, der Abstieg ist im oberen Teil mit T4 zu bewerten. Der Widauer kann von tüchtigen Berggehern ohne KS-Set begangen werden.

    Die Tour ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, das ich heute auf der mittlerweile komplett schneefreien Nordroute exklusiv hatte.

    Sonstiges: Ich habe mich am See gewundert, dass so viele Leute schon relativ früh heim sind. Erst dachte ich: "Kommt ein Gewitter?", doch dann wurde mir klar, dass ja heute Österreich gegen Argentinien spielt und ich bin auch heim, um mir das Spiel anzuschauen. Schade, dass die Ösis verloren haben - ein Untentschieden wäre schon verdient gewesen. Aber Messi ist halt Messi und der GOAT kennt halt keine Altersmilde...


    Bilder:


    1: Waller Almen mit Blick ins Inntal.

    2: Am Weg zum Hochegg.

    3: Abstieg zur Kaindlhütte.

    4/5: Großartige Landschaftseindrücke kurz vor dem Beginn des Widauer-Steigs

    6/7: Die steileren Passagen des Steigs.

    8: Rückblick nach Bayern.

    9: Der Felsausbruch am Normalweg.

    10: Hintersteiner See.