Beiträge von Andreas84

    Einfach wow - was für eine schöne Tour!


    Der Monte Pizzocco erhebt sich am Sûdrand der Dolomiten fast 2000 Meter über dem Piave-Tal und ist daher eine Aussichtswarte allerersten Ranges. Franz Hauleitner meint, das Gipfelerlebnis vergesse man sein Leben lang nicht und ich stimme ihm zu. Ein grandioser Bergtag war das heute! Ebenso schön wie die Gipfelschau ist aber auch der abwechslungsreiche Weg hinauf.

    Route: Von Roer geht es durch dichten Wald hinauf zum Bivacco Palia. Genau am Bivacco war heute die Wolkengrenze und allein das Auftauchen aus dem Nebel war eine reine Seelenfreude. Danach zunächst über sanfte Wiesen der Beschilderung zum Pizzocco folgend höher, bevor der finale steile Gipfelanstieg folgt, der länger dauert als es zunächst den Anschein hat. Oben einfach genießen - ein Sinnenfest sondergleichen! Um möglichst viel von der Gegend mitzunehmen, habe ich einen etwas umständlichen Abstiegsweg gewählt: Bis etwa 1750m am gleichen Weg runter, dann der Beschilderung zur Forcella di Intrigos folgend zu dieser (unbedingt machen, weil genialer Blick in die monumentale Ostwand des Pizzocco). Von dieser hinab zum nächsten Schild (ca 1450m) und wieder hoch zum Bivacco Palia. Von dort unter Mitnahme des Monte Piz (unbeschildert, nicht markiert) über das Rifugio Casera Ere zum PP zurück.

    Dauer: 6-8 Stunden

    Anforderungen: max. T4 im Gipfelbereich, sonst leichter.

    Bivacco Palia: Toll gelegen, überdachte Außenfeuerstelle mit Brennholz, aber leider wurden die Matratzen aus den Betten entfernt (wird wohl so ein "Coronista" gewesen sein...). 4 Schlafplätze.

    Fazit: Die Tour ist bei gutem Wetter im Herbst ein absolutes Muss! Im Sommer wegen der total südseitigen Exposition wohl zu heiß.


    Bilder folgen


    1: Der goldene Herbst - versinnbildlicht in einem Baum.

    2: Die "Außenküche" des Bivacco Palia

    3: Der Hauptgipfel versteckt sich hinter dem sogenannten Pizzochetto.

    4/5: Losgelöst über den Wolken.

    6: Das Gipfelkreuz steht unterhalb des höchsten Punktes.

    7/8: Nur ein Teil des sagenhaften Panoramas: Der Kenner sieht Schiara, Civetta, Pelmo etc.

    9: Die Ostwand

    10: Im Abstieg ergeben sich auch geniale Blicke.


    Eine Traumrunde in völliger Abgeschiedenheit.


    Vorbemerkung: Das ist ein sehr langer Artikel. Da ich davon ausgehe, dass die beschriebene Bergregion den meisten Lesern völlig unbekannt ist und sie in der deutschsprachigen Führerliteratur kaum vorkommt, will ich eine möglichst hilfreiche Beschreibung liefern. Ich bin auch zum ersten Mal in der Region und habe die Tour größtenteils über Karte und "Dolomiten 8" von Franz Hauleitner (Rother) geplant.



    In den letzten beiden Tagen habe ich die Cimonega-Traverse mit einigen Zusatzgipfeln und Übernachtung im Bivacco Feltre Walter Bodo gemacht - eine wunderschöne Tour, die ich in völliger Einsamkeit genießen durfte: ich habe in den zwei Tage tatsächlich keinen anderen Wanderer getroffen. Als Bürgschaft dafür, dass dieser Umstand nicht einem glücklichen Zufall entspringt, sondern eher die Regel sein dürfte, steht mir der Zustand der Wege vor allem im östlichen Teil der Traversata, die zwar markiert, aber so zugewachsen sind, dass wohl kaum 50 Leute im Jahr sich da hin verirren. Keine Ahnung,

    warum das so ist, gibt es doch mit Feltre und Belluno größere Orte in unmittelbarer Nähe. Mir soll's aber recht sein. Der westliche Abschnitt wird normalerweise als Teil des Dolomiten-Höhenwegs 2 deutlich stärker frequentiert, was auch der Wegzustand zeigt.

    Nun zur Route:

    Tag1: Vom PP zunächst am Lago della Stua vorbei und dann rechts über eine Brücke und für lange Zeit ziemlich steil über eine Forststraße durch schönen Buchenwald aber ohne Aussicht höher, bis ein Schild einen auf einen Pfad zur Malga (=Alm) Erera leitet. Dieser Pfad führt recht lang durch einen Graben, bis er unvermittelt in die gigantische Hochfläche der Pian Eterni (=ewige Ebene) mündet. Ein echtes Wow-Erlebnis! Nun zur Alm, wo ein Schild links zur Forcella dell Uomo leitet. Von dieser dann über steil abfallende Grashänge hinüber zur ungemein malerischen Hochebene der Casera Cimonega (90 Minuten) und von dort steil hoch zum Bivacco Feltre-Walter Bodo.

    Sollte man zwischendrin das Bedürfnis verspüren, einen Berg zu besteigen, der sicher weniger besucht ist als manch 8000er, so empfehle ich den Monte Brendol: Im Rother-Band Dolomiten 8 beschreibt Franz Hauleitner den Anstieg zwar (er platziert ihn sogar zurecht bei den Top-Touren, weil die Aussicht einfach grandios ist,), aber hilft das nicht viel weiter. Hauleitner spricht nämlich von Steigspuren, die kurz vor der Forcella Uomo von der kleinen Hochebene Pian Laghetti zum Gipfel führen - solche konnte ich nicht erkennen; allenfalls Wildwechsel der großen Steinbock- und Hirschrudel im Gebiet. Dennoch ist die Gipfelbesteigung logisch und einfach - aber nur bei guten Sichtverhältnissen!

    Nun zurück zum Bivacco: Da ich dort schon um 15 Uhr ankam, dachte ich mir: Oa Gipfe geht oiwei no und bin auf den Sasso delle Undici (auf Deutsch Elferstein). Dazu geht man fast bis zum Passo Comedon - kurz vorher weisen Steinmänner in die steile Südostflanke; diesen folgt man, kleine Kletterstellen überwindend bis zum Gipfel.

    Das Bivacco: Zwei Blechhütten mit insgesamt 20 Schlafplätzen. Kein Ofen, kein Holz; aber Kissen, Decken etc. Sauber Ich war froh,meinen eigenen Schlafsack mitgenommen zu haben.

    Tag 2: Im ersten Morgenlicht habe ich den unbeschreiblich schönen Höhenweg über den Col Becchi zum Passo di Mura begangen. Von dort kann man (unmarkiert) über den unscheinbaren Monte Avis die darunter liegende Scharte erreichen. Von dort auf schönem Steig zur mehr als malerisch gelegenen Avis Alm und auf genussreichem Steig ins Tal.

    Ich hab aber vom Passo di Mura noch eine äußerst lohnende Schleife eingeflochten, indem ich von dort zum Col San Piero (beschildert und markiert) gegangen bin und von dort aus den Monte Neva bestiegen habe. Dazu muss man wenige Meter vor dem Schild "Col San Piero" rechts auf undeutlichem Pfad abzweigen. Nach etwa 100 Metern wird der Steig aber deutlicher und ist bis zum Gipfel mit Steinmännern markiert.

    Generell sind die Gipfelanstiege in der Cimonega-Region nicht markiert/ausgeschildert.



    Hinweis: Es gibt auf der ganzen Route unzählige Möglichkeiten, Wasser aufzufüllen: Bäche, Quellen etc - also lieber ein guats Flascherl Wein als zu viel Wasser mitschleppen.


    Anforderungen: Geht an sich nicht über T4 hinaus, aber es gibt längere ausgesetzte Passagen auch in steilen Graswiesen, wo man nicht ausrutschen darf. Nur ganz wenige stahlseilversicherte Stellen.




    Bilder:


    1: Pian Eterni (man sieht hier nur einen ganz kleinen Teil).



    Sehr gute Bedingungen in den Dolomiten


    Bei der morgendlichen Anfahrt über den Brenner zeigten sich Berge wie Habicht oder Hohe Wand tief winterlich. (De Ski braucht's jez aba ned aussm Keller reißen - da langts no ned...)

    Die Dolomiten haben hingegen auch in höheren Lagen nur wenig Schnee abbekommen und der ist bei dem schönen Wetter heute schnell wieder weg gewesen. Zumindest in sonnigen Lagen werden auch die 3000er hier bald wieder schneefrei sein.

    Meine heutige Route: Obereggen - Oberholzlift-Bergstation (natürlich ohne diesen zu nutzen) - über Gamsstall- und Rotlahnscharte zum Beginn des KS, diesem folgend und die Latemarspitze mitnehmend zum Bivacco Rigati und dann eine Etage tiefer wieder zurück zur R-Scharte. Um den Rückweg abwechslungsreicher zu gestalten und ein Bier in schönster Umgebung zu genießen, bin ich zum Rifugio Torre di Pisa, wobei der zweite Gipfel en Passant bestiegen wird. Von dort ins Tal. Im unteren Bereich können die Forststraßen mit erheblichem Zeitgewinn über die Skipisten abgekürzt werden (Auf- und Abstieg). Der KS ist bis auf eine kurze C-Stelle (heute wegen Schmelzwasser glitschig) am Ende äußerst einfach. Im Bereich der Latemarspitze gibt es unzählige Steigspuren zum Gipfel - aber eigentlich völlig wurscht, welche man nimmt.

    Fazit: Vom Panorama her eine Traumtour, kann aber meiner Meinung nach landschaftlich definitiv nicht mit den Touren, die ich vor zwei Wochen mit Claudia gemacht hab, mithalten. Eher Dolomiten-Mittelmaß (für verwöhnte Dolomiten-Freunde wie mich).


    Bilder:


    1: Im unteren Teil der Tour dominieren schöne Wälder (und Skipisten)

    2: Westseitig am Vormittag no a bisserl Schnee.

    3: Westliche Latemarspitze - der Schnee war nachmittags komplett weg.

    4-6: Landschaftliche Höhepunkte

    7: So ein Gipfelzeichen sagt mir persönlich deutlich mehr zu als ein Kreuz.

    8: Rifugio Torre di Pisa: herrliche Lage

    9: Do schmeckt as Schwoaga Hell dopped guad!


    Genussreicher Geheimtipp

    Als Quartier für den aktuellen Dolomiten-Trip haben wir dieses Mal ein sehr günstiges (und dennoch feines) Apartment in der Nähe von Falcade gewählt. Wegen der angesagten niedrigen Temperaturen hatte ich ausnahmsweise keine Lust auf Autocamping am Straßenrand. Auf jeden Fall war die Wahl ein Glücksfall und die Tour auf die Cima d'Auta wurde uns von unserem Vermieter Stefano wärmstens empfohlen. Absolut zurecht! Wunderschöne Landschaft, schöner Klettersteig und sehr einsam.

    Route: Colmean - Baita Cacchiatore - Cima d'Auta über Paolin Piccolin KS - Abstieg über die Via normale (kurz ebenfalls versichert) - Baita Col Mont - Baita Cacchiatore - Colmean. Den nur dürftig markierten Abstecher auf den Monte Auta sollte man nicht verpassen: einen besseren Blick in die Marmolada-Südwand gibt es fast nicht.

    Der KS ist recht einfach mit nur zwei kürzeren C-Stellen (Axel Jentsch stuft die Schlüsselstelle C/D ein, aber das sehe ich nicht so.); allerdings sind schneefrei Verhältnissen im oberen, von plattiger Reibungskletterei geprägten Teil essentiell - zur Zeit passt das.

    Nebenbei: Die Baita Cacchiatore ist sensationell! Herrlicher Pala-Blick, stilvolles Holzgebäude, fantastisches Essen. Unbedingt einkehren!


    Bilder:


    1: Cima d'Auta vom Anstieg aus.

    2-5: Via ferrata Paolin Piccolin; Bild 3 zeigt die Schlüsselstelle, Bild 5 das plattige Gelände im Gipfelbereich.

    6: Gipfelpanorama: Antelao, Pelmo, Civetta (von links)

    7-10: Der schönste Teil des Tages auf der Baita Cacchiatore.


    Eine Wahnsinns-Tour!

    Der Bepi Zac schafft es in meiner persönlichen Dolomiten-Hitliste auf Anhieb in die Top3. Eine Grattour mit sagenhaften Panorama, tollen Klettereien und von hohen historischen Wert! Die Gipfelkette selbst ist zwar von untergeordneter Bedeutung, liegt aber absolut zentral im Herzen der Dolomiten, sodass all die berühmten Berge rundherum stehen.

    Die Route: Vom PP zum Passo dell Stelle und hier hinauf zum ersten Gipfel und auf den Kamm/Grat, den man erst nach vielen gewaltig schönen Stunden an der Forcula Laghet verlässt. Am Pass steht ein großes Schild, das den Steig wegen Bauarbeiten als gesperrt ausweist, aber da dieses vom Oktober 2020 datiert, dachte ich mir, wir probieren es einfach mal. Und tatsächlich gibt es keinen offensichtlichen Grund für die Sperre - auf der anderen Seite des Steiges gibt es übrigens kein Sperren-Schild. Die Versicherungen und die kurzen Tunnel sind alle perfekt in Schuss.

    Die erste Hälfte des Steigs ist einfach - das KS-Set haben wir erst in der Mitte, beim kleinen Turmmuseum angelegt. Der zweite Teil ist zwei bis drei Nummern schwieriger, wobei mehr der alpine Anspruch mit vielen ungesicherten Klettereien im Vordergrund steht als die kurzen versicherten Passagen, die mit einer Ausnahme (C/D) eher einfach sind. Aufgrund der Schneelage im zweiten Teil gab es einige heikle Momente, wo man definitiv nicht ausrutschen darf.

    Kurz vor dem Ende des Steigs gibt es die Möglichkeit, die Cima Uomo (3010m)zu besteigen, was aber anspruchsvoll ist. Ich hab ein bisserl in die Route reingeschnuppert, doch da kam mir gleich eine Ladung Steine entgegen...

    Von der Forcula geht es durch das Val de la Tascia und die malerische Hochebene von Fuchiade zum PP zurück. Gesamtdauer (ohne Lift) 10-12 Stunden.

    Historisches: Der Grat war im ersten Weltkrieg heftig umkämpft: Es gibt viele gut erhaltene und gepflegte Unterstände/Stellungen von Italienern und Österreichern, die teils nur 30 Meter (!) auseinanderliegen. Besonders krass ist das angesprochene kleine Turmmuseum mit einer Bilderausstellung, die dem Band "Krieg dem Kriege" aus den 1920er Jahren entnommen ist. Warnung: Was man auf den Bildern an Verstümmelungen und Leichen sieht, ist absolut heftig! Ich kenne solche Bilder als Historiker schon und mir wurde doch wirklich übel. Nicht jeder sollte da reingehen.

    Was mir dabei wieder klar wurde, ist dass Aussagen, die angesichts des aktuellen Krieges Pazifismus als "naiv" oder Schlimmeres bezeichnen, grob fahrlässig sind. (Jetzt hab ich aber einen Eimer Kreide gefressen, denn da wollt ich noch ganz was anderes schreiben...) Friedfertigkeit ist nie dumn.


    Bilder:


    1/2: Nur ein Ausschnitt des sagenhaften Panoramas.

    3/4: Spannende Passagen bei Vereisung.

    5: Turmmuseum

    6: Einer der vielen Tunnel

    7/8: Knackige Klettereien

    9: Fuchiade - ein Paradies

    10: Pala-Traum


    Fast schon winterlich zum Herbstanfang.


    Gestern sind wir in die Pala gefahren, weil Claudia da noch nie war. Die Tour auf die Vezzana ist einfach klasse und daher hab ich sie auch gerne ein zweites Mal heuer gemacht.

    Route: PP - Sentiero dei finanzieri - Via ferrata Bolver Lugli - Bivacco Fiamme gialle - Passo Travignolo - Gipfel - Passo - Rifugio Rosetta/Pedrotti - Col Verde - Sentiero dei finanzieri - PP.

    Bedingungen: Am Vormittag war es wolkig, sehr windig und saukalt. Erst ab Beginn der Ferrata wurde es sukzessive besser. Der KS (max C) ist so gut wie schneefrei und grundsätzlich einfach herrlich zum Klettern. In den Hochlagen der Pala liegt allerdings merklich mehr Schnee als zum Beispiel im Rosengarten, was die Tour deutlich schwieriger macht. Insbesondere der Abstieg vom Bivacco zum T-Pass ist sehr heikel, da der Schnee hier auf einer Eislasur liegt. Ich hatte auch noch die falschen Grödel (von meiner Freundin) dabei, sodass ich irgendwie runtereiern musste - es ging gerade so. Der Gipfelanstieg und der Abstieg zur Hütte waren hingegen nicht eisig und daher gut machbar. Grundsätzlich ist in der Pala oberhalb von 2500 Metern in schattigen Expositionen mit Schnee zu rechnen.


    Bilder:


    1-3: Bolver Lugli Klettersteig

    4: Heikel vereistes Gelände zwischen der Biwakschachtel und dem Travignolo Pass.

    5/6: Zum Gipfel dann aber einfaches Schneestapfen

    7/8: Die Aussicht ist phänomenal.

    9: Dolomitenglühen am Rolle-Pass: Cimon della Pala und Cima della Vezzana


    Freilich hätt i am Wochenend aufs Oktoberfest geh und 200 Euro dant ausse schmeißn kenna - aber da fahr i lieber mit da Claudia in de Dolomiten. Do gibt's mehra für's Geld!

    Am Sonntag stand die Rotwand auf dem Programm. Route: Karerpass - Paolina Hütte - Rotwandhütte - Masare KS - Rotwand KS - Rotwandhütte - Karerpass (direkt und viel schöner als der Weg über Paolina).

    Die Klettersteige sind einfach (max. B/C), aber es hatte in der Vornacht etwas geschneit, sodass vor allem der Rotwand KS teilweise etwas rutschig war.

    Hinweis: Der sinnvolle Einstieg in den Masare KS (wenn man die Kombination mit der Rotwand plant) ist vor Ort nicht ausgeschildert, aber aus Karte o.ä.klar ersichtlich. (Von der Rotwandhütte nicht gerade hoch, sondern bei der ersten Verzweigung links.)


    Bilder:


    1: Ricarda Lang ist nicht zu dick - sie passt hier bloß nicht durch...

    2/3: Etwas Schnee am KS

    4: Am Gipfel

    5-7: Schöne Landschaft rund um die Rotwandhütte.


    Route => Bergtour Rotbachlspitze



    Den Bergsommer sanft ausklingen lassen.


    Meine Freundin und ich sind heute zum Schlegeis hochgefahren, um den Bergsommer mit einer wunderschönen Tour zu verabschieden. Richtung Wochenende soll ja eine markante Kaltfront dem lustigen Treiben ein Ende setzen, was ich als dezidierter Skifreund aber auch nicht degustiere.

    Jede Jahreszeit hat ihre Vorzüge, die ich begierig annehme und ihre Nachteile, die ich gerne in Kauf nehme (bzw nehme ich solche eigentlich eh nicht wahr).

    Zur Tour selbst: Schlegeis - ganz hinten parken - Pfitscher-Joch-Haus - Rotbachlspitze. Einfache Tour, nur kurz vor dem Gipfel steiler (T3), nie ausgesetzt. Grandioses Panorama am Weg: Im Nahbereich Hochferner und Tuxer Kamm, Richtung Westen Cevedale, Ortler bis Zentrale Stubaier .

    Da viele Flachpassagen dabei sind, dauert die Tour länger als es die rechnerischen 1000 Höhenmeter erahnen lassen (7-9 Stunden).


    Bilder:


    1: Olperer Wasserfall

    2: Der Weg zum Pfitscher-Joch-Haus wurde heuer neu trassiert. (Dezidiert auch für MTB).

    3: Kurz oberhalb des Jochs weitet sich der Blick.

    4: Do geht's auffi: Rotbachlspitze

    5/6: Das Gestein ist wirklich sensationell rot!

    7/8: Der Hochferner dominiert (zurecht) den Blick.

    9: Auch am Gipfel

    10: Panorama vom Cevedale bis zum Habicht - unten Pfitscher Tal




    Gestern bin ich von Obergurgl aus über Ramolhaus und -joch auf den Hinteren Spiegelkogel. Bis zum Ramoljoch war der Weg schon wieder schneefrei, doch am Grat zum Gipfel lag dann stellenweise doch welcher (1-5cm), was das Ganze aber nur auf den letzten 10 Höhenmeter etwas anspruchsvoll-glitschig machte. Die Kletterei am Grat geht über I nicht hinaus. Die angedachte Überschreitung zur Firmisanschneide ließ ich aufgrund des Schnees aber dann doch sein, da dort wohl doch ein paar möglicherweise ungut gefahrenbehaftete Stellen lauern.

    Abstieg zum und Mittagessen am Ramolhaus (sehr gut, aber fast schon Inflationspreis). Um den Rückweg abwechslungsreicher zu gestalten, bin ich über die Piccard-Brücke zur Langentalereck-Hütte, was lohnend ist, aber auch etwa 300 Höhenmeter Gegenanstieg bedeutet. Danach recht eintönig am Fahrweg zur Schönwieshütte. Kurz nach dieser empfiehlt es sich, über den ausgeschilderten Zirbenweg abzusteigen, anstatt durchs Skigebiet zu latschen. Dabei kommt man auch am wunderschönen Rotmooswasserfall vorbei (ebenfalls beschildert).

    Insgesamt etwa 2000 Höhenmeter bei beachtlicher Wegstrecke; 10-12 Stunden. Rauf wie runter natürlich deutlich kürzer.


    Bilder:


    1: Die Liebener Spitze zeigt sich zwischen den Zirben schon am Beginn des Anstiegs.

    2: Kunstwerk am Wegesrand

    3: Gurgler Ferner (links Hochwilde)

    4: Am schneeigen Gipfelgrat

    5: Genuß auf der Hüttenterrasse des Ramolhauses

    6: Piccard-Brücke

    7: Blick ins malerische Rotmoostal (bei der Schönwies)

    8-10: Am traumhaft schönen Zirbenweg mit Rotmooswasserfall.



    Eigentlich stand heute der Schrammacher auf dem Programm, doch weil Claudias Steigeisen, die sie zur Reparatur schicken musste, nicht rechtzeitig zur Verfügung standen, sind wir kurzfristig auf die Hohe Wand umgeschwenkt. Letztlich war das wohl eh die bessere Wahl, aber dazu später mehr. Auf den Olperer über die Südroute hatte ich von vorne herein keine Lust, da erstens sicher viel los und zweitens in meinen Augen oberhalb der O-Hütte bis zum zu kurzen Gipfelgrat ziemlich fad und eintönig.

    Da ist die Tour auf die Hohe Wand schon deutlich abwechslungsreicher. Zunächst geht es auf dem frisch sanierten Weg zum Pfitscher-Joch-Haus am Gletscherbach entlang durch malerische Zirbenwälder. Am Pfitscher Joch folgt man der Beschilderung "Schneescharte" auf den Weg 4b, bis man kurz vor der Scharte (auf ca 2800m) auf einen See trifft. Nun verlässt man den markierten Weg und geht Richtung Stampflkees. Aufgrund des Gletscherrückgangs ist es mittlerweile sinnvoller, über den Abfluss des Baches auf die rechte Seite (im Aufstiegssinn) des Stampflkees zu gehen und dieses an geeigneter Stelle zu überqueren - der Gletscher ist hier so flach, dass es auch in aperem Zustand keine Steigeisen braucht. Keine Spalten. Nach der Querung geht es über Gletscherschliffe und blockiges Gelände meist unschwierig zum Grat hoch (Steinmänner) und über diesen in wenigen Minuten zum Gipfel. Abstieg nach dem Gletscher im Express-Modus über die große Moräne direkt zur Laviz-Alm - im Aufstieg nicht wirklich zu empfehlen.


    Anforderungen: Nicht über T4 mit einigen Ier-Stellen. Allerdings kann die Orientierung bei schlechter Sicht äußerst problematisch sein. Bei guter Sicht wie heute sieht man schon vom Gletscherende aus, wo die Route verlaufen muss, aber im Nebel findet man vermutlich nicht mal die richtige Stelle, um den Gletscher zu überqueren - geschweige denn den sinnigsten Weg durch die ungegliederte Gipfelflanke.


    Und nun noch zum Schrammacher, dessen Normalweg ja von der Hohen Wand aus sozusagen auf dem Präsentierteller liegt: Stampflkees komplett aper (bis auf 1cm Neuschnee aus der letzten Nacht). Randkluft äußerst problematisch bzw fast nicht machbar: Bis auf eine größere Gruppe sind alle Aspiranten umgekehrt - wir haben beim Abstieg einige getroffen, die halt dann notgedrungen auf die Hohe Wand ausgewichen sind und die unsere Ferndiagnose bestätigt haben.

    Es gab später auch noch einen Rettungseinsatz, bei dem ein Heli einen Bergretter ans Tau nahm und in Richtung Schrammacher flog, aber da waren wir schon zu weit unten, um zu sehen, wo genau dieser Einsatz stattfand. Hoffentlich ist da auch nicht mehr passiert als an der Reichenspitze heute.


    Ergänzung von Montag: Leider ist tatsächlich eine Bergsteigerin aus der oben genannten Gruppe beim Abstieg in die Randkluft gestürzt (Quelle: Tirol News).


    Bilder:


    1: In der Nähe des Pfitscher Jochs

    2: An diesen See verlässt man den rot-weis markierte Pfad

    3: Schrammacher und Stampflkees

    4: Ebenso einfach wie die Überschreitung des Gletscherbachs ist..

    5: jene des Gletschers selbst.

    6/7: Reizvolle Gletscherschliffe

    8/9: Am Gipfelgrat

    10: Großer Möseler und Hochferner dominieren das Panorama.



    Heute bin ich über die Ludwigsburger Hütte zum Hohen Gemeindekopf, wo der Weg über die Kreuzjöchlspitze zum Schafhimmel (=Ludwigsburger Grat) beginnt. Eigentlich. Denn dort weist ein Schild auf die Sperrung des Grates wegen Steinschlag hin. Ich hab natürlich noch ein bisserl gehadert, aber der Blick zum einsehbaren Teil des Weges zeigte ganz klar frische Felsausbrüche und viel absturzbereites Gestein.

    Also bin stattdessen über den Kugleter See noch zum Wildgrat hoch. Rückweg auf gleicher Route.

    Der Grat hätt mich schon gereizt, aber es "isch halt ned andersch" wie meine Oma immer gesagt hat.


    Ich hatte heute auf dem Weg zur Hütte eine berührende Begegnung mit einem älteren Wanderer aus den Niederlanden, der mit wegen seines kunstvoll geschnitzten Wanderstocks auffiel. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass sich in dem Stock die Asche seiner vor acht Wochen verstorbenen Ehefrau befindet. Das ist sicherlich das, was mir von der heutigen Tour lange in Erinnerung bleiben wird.


    Bilder:


    1: Ludwigsburger Hütte

    2: Lawinenverbauung am Gemeindekopf ( Großer Respekt für die Leute, die das in dem Gelände bauen!)

    3: Das Schild

    4: Kugleter See und Wildgrat

    5: Am See

    6: Hier bin ich Kuh - hier darf ich's sein.




    Ich hab am Montag die Überschreitung der Ellmauer Halt in Angriff genommen, wobei die beiden zu ihrem Gipfel leitenden Klettersteige - der südseitige Gamsangersteig und der von Norden heraufführende Kaiserschützensteig kombiniert werden. Eine feine Tour und außerdem die einzige Möglichkeit, den Kaiserschützensteig ohne nervig langen (dennoch schönen) Anmarsch von Kufstein aus zu begehen.

    Route: Wochenbrunn - Gruttenhütte - Gamsangersteig bis Rote Rinn Scharte. Genau nach der bekannten Klammernreihe weist hier ein Schild zur Scharte bzw zum Hans Berger Haus. Meist gesichert geht es in die Scharte und jenseits steil hinab - aufgrund des kaiseruntypisch sehr losen Gesteins hier hohe Steinschlaggefahr, wenn andere Leute am Weg sind (bei mir nicht der Fall). Anschließend geht es flott durch Schotter bis zu einem ersten Grasfleck: Hier zweigt bald rechterhand der Weg zum Kaiserschützensteig ab, was man aber von oben kommend leicht übersehen kann, da der Wegweiser genau so hinter einem Stein angebracht ist, dass er von unten (Berger Haus) zwar gut zu sehen ist, von oben aber nicht.

    Nun am Steig zur Ellmauer Halt, wobei die Kleine und die Gamshalt ( Abzweigungen beschildert, Routen markiert) mitgenommen werden können - insgesamt 45-60 Minuten Mehraufwand (lohnend!). Von der Ellmauer Halt über den Gamsangersteig etc runter.

    Anforderungen: Ich habe oben "Klettersteig" angegeben, weil beide Routen offiziell als solche firmieren, aber eigentlich handelt es sich um eine "Bergtour" - was ich ausdrücklich als alpin anspruchsvoller ansehe. Beide KS sind nur teilweise versichert und vor allem beim Kaiserschützensteig handelt es sich um eine klassische T5-Route mit sehr langen, kraftraubend steilen Schrofenpassagen (I). Ich habe von Beginn des Kaiserschützensteigs (auf 1700m) bei Mitnahme der beiden anderen Gipfel bis zur Ellmauer Halt gute drei Stunden gebraucht, was etwa die Hälfte meiner "Gesamtzeit" ausmachte. Aufgrund des Geländes empfinde ich die Tour tatsächlich konditionell fordernder als manche Tour, die 3000 Höhenmeter aufweist... Und ich hatte definitiv keinen schlechten Tag! Mark Zahel schreibt von "mindestens 10 Stunden" Zeitbedarf für diese Tour, was auch realistisch ist, wenn man nicht wie ich zurzeit in " Überform" ist...

    Das schreibe ich jetzt nicht, um mich selbst zu loben, sondern damit da nicht irgendein bergferner Tourist daher kommt und zur Bergrettung meint " aber ich habe gelesen, die Tour dauere nur 7 Stunden"...

    I hob zwar eh scho gnua textet, aber wer no a kloane Anekdotn mecht, derf gern weiderlesn:

    Es begab sich eines schönen Sonntags vor vielen Jahren, dass ich mit zwei Freunden über den Gamsangersteig zur Ellmauer Halt stieg. Bei der Klammernreihe stießen wir auf einen Bergsteiger, den wir unter uns "Wurzinger Lois" tauften - unter welch frei erfundenem Namen er auch im Folgenden auftreten (das ist tatsächlich das richtige Wort) soll. Wurzinger, der mit seiner Frau unterwegs ist, ist einer von Schlag "am Glas genauso stark wie am Berg" - kräftige Wadln und ein beeindruckender "Zentralbizeps". Als wir ihn bei den Klammern einholen, flucht er gerade: " Ja, sog amoi! Wos für a Grisperl hod den do gwerkt?! Vui z kurz san de malefiz Klammern! Tatsächlich zwingt ihn sein Zentralbizeps scho arg nach außen... Lois hat aber auch ein Organ, dass man ihn über hunderte Meter hört. Als er kurz nach uns am Gipfel ankommt schimpft er: " Ha, des gibt's ja ned: Homs na pfeilgrad de Weißbierbar do herom abbaut! Warum bin i dannad auffe?" Er fängt sich aber gleich wieder und - nachdem sich eine die Aussicht versperrende Wolke entfernt hat - formuliert er gleich größere Ziele: Do schau, Frau - da Glockner - Stüdlgrat miassma heier a no macha! [Frau Wurzinger reagiert eher reserviert - wie auch bei allen anderen Äußerungen des Gatten]. Beim Abstieg gibt es an der Klammernreihe einen kleinen Stau, weil von unten auch Leute kommen. Ein nach unten drängender Jungspund versucht das Prozedere blöderweise zu beschleunigen, indem er unterhalb der Klammern im lehmig-brösligen Gestein absteigen möchte (um das zu vermeiden, gibt es ja die Klammern) und damit stante pede einen massiven Steinschlag auslöst. Just im richtigen Moment kommt auch der Wurzinger ums Eck: "Ja sog amoi - du bist ja da größte Depp vo olle!!" Wahre Worte des Weißbierweisen...



    Bilder:


    1: Fast schon herbstlich: Über dem Talnebel

    2: Die im Beitrag oft erwähnte Klammernreihe

    3: Gamshalt von der Kleinen Halt aus.

    4: Totenkirchl-Westwand

    5: Treffauer

    6: Die letzten Meter zur Ellmauer Halt

    7: Rückblick zur Gruttenhütte.




    Traumhaft schöne Überschreitung


    Gestern hab ich eine sehr eindrucksvolle Tour im östlichen Randbereich der Brenta unternommen.

    Vom PP im Val Biole folgt man von Beginn an der Beschilderung zum Croz dell Altissimo (244b). Durch Wald- und Wiesengelände, zuoberst etwas karstig, wird der Gipfel unschwierig erreicht (T2/3). Auch die weglose Besteigung des Nachbargipfels, der Cima Sophia ist ganz leicht. Von diesem am besten einfach am Kamm entlang zum Passo Lasteri und kurz nach diesem auf steil-schottrigem Pfad zur Cima Lasteri, einem sensationellen Aussichtsberg: Neben dem Nahblick auf die zentrale Brenta reicht das Panorama vom Cevedale bis zum Glockner - Dolomiten inklusive. Vom Gipfel geht es über den Passo del Clamer ins Vallaza, wobei das Gelände hier teils ziemlich steil und ruppig ist (T4). Je tiefer man kommt, desto wilder und gewaltiger erscheinen die hohen Brenta-Berge. Ein geniales Naturerlebnis! Der Rückweg führt zunächst über das Rifugio Croz dell Altissimo unterhalb der beeindruckenden Südwand des Berges, bis nach links der Sentiero delle Grotte (spektakuläre Höhlen im Konglomerat-Gestein) zum Rifugio Montanara abzweigt. Vom Rifugio Forststraße zum PP.

    Absolut empfehlenswerte Tour mit hohem Einsamkeitsfaktor! Ginge auch von Molveno aus mit Seilbahn ...


    Bilder:


    1: Croz dell Altissimo

    2: Cima Lasteri

    3-5 und 7: Gewaltige Landschaftseindrücke

    6: Sentiero delle Grotte

    8: Wunderbare Badestelle am Lago di Molveno


    Wir sind seit Samstag wieder mal in der Gegend rund um Madonna di Campiglio unterwegs und waren gestern im gewaltig schönen Val Genova. Die Cima Presena ist hier sicher der unscheinbarste, aber auch einfachste Gipfel. Die Tour ist unschwierig (meist T2-3, nur auf den letzten Meter ganz leichte Kletterei), aber landschaftlich enorm reizvoll. Route: Malga Bedole - Rifugio Mandrone - Lago Scuro - Passo Presena (=Seilbahnstation) - Gipfel.

    Gestern war die Tour sehr einsam - jedenfalls bis zur Seilbahnstation. Aber der Menschenauflauf dort hat auch seine guten Seiten (siehe Bild).

    Das Rifugio Mandrone wurde übrigens jüngst wirklich sensationell schön renoviert.

    Sonstiges: Die Gletscher in der Region sind fast völlig aper - eine seilfreie Besteigung zum Beispiel des Adamello könnte also möglich sein. Betonung auf "könnte", weil wissen tu ich's nicht.


    Bilder:


    1-3: Berauschend schön: Anstieg zum Rifugio Mandrone

    4/5: Grandios gelegen und in neuem Glanz.

    6: Oberhalb der Hütte weitet sich der Blick immer mehr.

    7: Gipfelaufbau der Cima Presena; Seilbahnstation im Sattel

    8: Gipfelpanorama 1: Lobbia- und Mandrone-Gletscher

    9: Gipfelpanorama 2: Presanella

    10: Vorteile der Zivilisation: Gipfelbier vom Fass.🥳



    Aussichtsreiches 3000er-Sammeln


    Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Martelltal haben wir die Überschreitung der Veneziaspitzen angepackt. Zunächst ging es wie am Vortag wieder zur Marteller Hütte - eine Übernachtung dort böte sich natürlich bei der Kombination Zufallspitze/Veneziaspitzen an, aber im Auto schläft sich's halt billiger...

    Nun der Beschilderung zur Köllkuppe (= Cima Marmotta) folgend, gelangten wir bald zum Hochferner (flach, aper und spaltenlos - zumindest im Bereich des Aufstiegs zur Köllkuppe). An geeigneter Stelle geht es auf den Grat und unschwierig zum Gipfel. Der Übergang zur Veneziaspitze I bildet das Kernstück der Tour und beinhaltet die Schlüsselstelle: Zunächst geht es zwar oft ausgesetzt, aber nie wirklich schwierig am Grat entlang. Erst am letzten Aufschwung zur Veneziaspitze wird es moralisch recht happig: Zunächst geht es an wild geborstenen Felsen (Hält das wirklich?)hangelnd über einen veritablen Abgrund (II) und es folgt ein kleiner, griffarmer Überhang, der mittles einer Trittschlinge Marke Eigenbau (danke unbekannterweise) überwunden wird. Diese Stelle ist für Leute, die wie Claudia kleiner als 1,70m sind, deutlich schwieriger als für jemanden wie mich (1,83). Während ich mich gut mit den Beinen verspreizen konnte und die Griffe problemlos erreicht habe, haben bei Claudia einfach ein paar Zentimeter gefehlt; sie ist aber natürlich trotzdem hochgekommen. Ohne die Schlinge glatt IV.

    Der Weiterweg zu den beiden anderen Veneziaspitzen ist dann einfach, der Übergang auf den Schranferner aber etwas ruppig. Dieser Gletscher ist deutlich steiler als der Hochferner (bis über 30 Grad) und weist auch ein paar Spaltenzonen auf - dennoch bei den momentan aperen Verhältnissen auch ohne Seil unproblematisch. Hinweis: Man achte beim Abstieg darauf, genau dort den Gletscher zu verlassen, wo die Stoamandln stehen. Auch nur 5 Meter daneben steigt man nämlich in grundlosen Morast (siehe Bild hierzu).

    Zum "Drüberstreuen" haben wir anschließend noch die Rotspitze mitgenommen. Vom Gletscherende dazu nicht nach links ins Tal absteigen, sondern weglos (aber steinmandl-markiert) ohne großen Höhenverlust zum Normalweg auf die Rotspitze. Das Gestein weist übrigens tatsächlich verschiedene knallige Rottöne auf.

    Anforderungen: Als Hochtour WS+, am Grat oft T5, Schlüsselstelle T6+ ; Zeitbedarf mit Rotspitze um 10 Stunden.

    Das Martelltal empfinde ich immer als sehr gastlich einladend: Das Übernachten am PP ist nicht explizit verboten wie andernorts (,wo es aber meistens eh nicht kontrolliert wird,) und es gibt im oberen Tal eine Vielzahl von extra eingerichteten Grill- und Feuerplätzen mit Tischen und Bänken. Toll und alles andere als selbstverständlich!!


    Bilder


    1: Am Fuße des Hochferners hat sich ein neuer See gebildet.

    2: Harmlose, genussreiche Gletscherpassage

    3: Gemütlich schlendert es sich zur Köllkuppe, ab der es aber...

    4/5 ...deutlich anspruchsvoller wird.

    6: Das ist die Schlüsselstelle, aber das Foto ist leider wenig aussagekräftig.

    7/8: Do samma no a bisserl gaudimäßig durch die Spaltenzone am Schranferner gestiefelt - durch muss man aber eigentlich nicht.

    9: Da ist Claudia noch sauber und reinlich wie stets.

    10: Und hier schaut sie aus wie ein Kanalarbeiter.

    Gletschersumpf...




    Ein Traum von einem Bergtag


    Wir sind heute über die traumhaft gelegene Marteller Hütte zum Furkelferner aufgestiegen. Über diesen ging es auf den Grat und hoch zum Gipfel. Die Gletscherpassage (WS-) ist aper, weist keine relevanten Spalten auf und steilt nicht über 30 Grad auf - es reichen also Steigeisen und Pickel (außer natürlich man macht die Überschreitung). Ein Tipp zum Übergang Eis-Fels: Nicht an der ersten offensichtlich geeigneten Stelle, sondern noch etwa 200 Meter nach rechts um ein Eck herum; so spart man sich eine etwas unangenehme Gratstelle mit einer abdrängenden II-IIIer Kletterei. Im Aufstieg sieht man das aber nicht, sondern erst beim Abstieg (ging uns auch so). Der Grat/Kamm ist nach der eben beschriebenen Stelle recht einfach: meist Gehgelände mit ein paar leichten Klettereien.

    Den Übergang zum Cevedale haben wir nicht gemacht. Uns wurde beim Aufstieg berichtet, diese Route oder der Cevedale generell seien zurzeit gesperrt (ich hab deswegen meine Eis Ausrüstung am Beginn des Grates deponiert). Vom Gipfel aus sah der Übergang aber nicht unmöglich aus und auch der Normalweg von der Casati-Hütte war gespurt. Dennoch ist der Cevedale weit entfernt von guten Bedingungen! Man lasse sich von meinen Bildern nicht täuschen: Der Gletscher ist weitgehend aper und weiß schaut er nur aus, weil es in der letzten Nacht zwei Zentimeter Neuschnee gab... Für eine Besteigung des Cevedale wird man in meinen Augen am steilen Gipfelhang mit Eisschrauben sichern müssen (und schauen, wie und ob man über die große Spalte kommt).

    Die Zufallspitze selbst lässt sich übrigens mittlerweile auch fast eisfrei besteigen, wenn man den Grat über die Furkelscharte angeht. Allerdings muss dann viel über lehmiges Geröll, unter dem sich oft auch noch Eis befindet, getorkelt (der einzig passende Ausdruck) werden - viele andere Begeher haben diesen Weg gewählt, aber ich find die Gletscherroute viel lohnender. Am besten geht man gleich kurz oberhalb des Gletschermauls aufs Eis.

    Gesamtdauer der Tour ohne Nächtigung auf der Marteller Hütte: 10-12 Stunden.

    Fazit: Ein echtes alpines Glanzlicht bei moderaten Schwierigkeiten mit sensationellen Ausblicken auf der ganzen Tour! Jeder Meter ein Genuss! Und für meine Tourenpartnerin Claudia ein neuer "Höhenrekord" 😀


    Bilder:


    1: An der Marteller Hütte: das Ziel im Blick

    2: Hier geht man am besten gleich aufs Eis.

    3: Unschwierig gestaltet sich die apere Gletscherpassage.

    4/5: Meist Gehgelände am Grat - mit famoser Aussicht!

    6: Gipfelpanorama 1: Königsspitze und Ortler

    7: Gipfelpanorama 2: Cevedale und so weiter.

    8: Höhenrekord für Claudia!

    9: Viele landschaftliche Glanzlichter prägen die Tour auch im unteren Bereich.

    10: Im zauberhaften Hochwald zeigt sich nochmals die Zufallspitze.


    Wir sind gestern Abend ins Martelltal gefahren und heute zum Auftakt unseres verlängerten Wochenendes im Vinschgau auf der üblichen Route über den Gelbsee auf die Zufrittspitze (Weg Nummer 17).

    Eine schöne Tour und in meinen Augen lohnender als der mühselige Anstieg aus dem Ultental, bei dem man sich über 800 Höhenmeter durch steiles Block- und Schottergelände kämpfen muss (habe letztes Jahr einen Bericht dazu geschrieben).

    Allerdings im oberen Abschnitt auch etwas abenteuerlich: In den von mir verwendeten Routenbeschreibungen hieß es sinngemäß " die zunehmende Ausaperung des Gletschers lässt es ratsam erscheinen, über den darüberliegenden Grat zu klettern". Ich würde das so umformulieren: Die weiterhin zunehmende Ausaperung des Gletschers und die damit verbundenen Festigkeitsverluste des Grates lassen es ratsam erscheinen, wieder über den Gletscherrest zu gehen (allerdings etwas weiter unten als früher). Im Bereich des Grates ist es nämlich recht ungemütlich broselig und steinschlagig. Wir hatten keine Steigeisen dabei und mussten daher am Grat rumwursteln - ging schon, aber eher unangenehm.

    Anforderungen: auf den oberen 200 Höhenmetern T5+ mit einigen IIer-Stellen. Darunter deutlich leichter.

    Trotz gutem Wetters waren wir heute die einzigen am Weg.


    Bilder:


    1/2: liebliche Landschaftseindrücke im unteren Teil der Tour.

    3: Gelbsee

    4: Das Gelände wird zunehmend karger und wilder

    5: Fantastische Ausblicke auf der Tour: Palon de la Mare, Cevedale, Königsspitze, Ortler

    6: Zufrittspitze und besagter Gletscherrest

    7/8: in heiklem Gelände

    9: Die letzten Meter zum Gipfel sind mit einer Kette gesichert.


    Route von Süden => Regalmwand
    Route =>
    Mitterkaiser


    Heute bin ich von der Griesener Alm über die Fritz Pflaum Hütte und das Kleine Törl zur Regalmwand. Der Schlussanstieg zum Gipfel ist identisch mit dem von der Südseite. Beim Rückweg hab ich dann noch den Mitterkaiser mitgenommen - ab Pflaum Hütte zwar nicht beschildert, aber markiert.

    Anforderungen: in den Gipfelbereichen und rund ums Kleine Törl T5 mit Ier-Stellen, sonst leichter. Nach der letzten Scharte vor der Regalmwand gibt es kurzes, wenig aufgesetztes IIer-Wandl, das aber unproblematisch ist, sofern man den richtigen Griff findet (Tipp: mit der linken Hand hochlangen). Der Weg zur Pflaum Hütte durch das Große Griesener Kar ist nebenbei bemerkt deutlich angenehmer als der durch das sehr ruppige Kleine.

    Die letzten 100 Höhenmeter zur Regalmwand sind ziemlich steinschlaggefährdet - der Helm wiegt am Kopf auch nicht mehr als im Rucksack.

    Die Tour auf diesem Weg anzugehen, empfiehlt sich natürlich aufgrund der nordseitigen Exposition gerade jetzt bei hohen Temperaturen - bei zeitigem Start (vor 8 Uhr) ist fast der gesamte Anstieg im Schatten.

    Die Zeitangaben auf den Schildern finde ich arg übertrieben: fast 4h von der Griesener Alm zum Kleinen Törl (nur 1000 Hm bei ziemlich direkter Wegführung)? Vielleicht, wenn man zwischendrin zwei Stunden Pause macht...


    Bilder:


    1: Koasa im frischen Morgenlicht

    2: Pflaum Hütte und Mitterkaiser

    3: Rückblick von Kleinen Törl

    4: Die letzen Meter zu diesem

    5: Wolkenschleier verzaubern die Landschaft

    6: Rinne an der Regalmwand

    7: Schlüsselstelle: das IIer-Wandl

    8: Durch diese Rinne geht es auf den Mitterkaiser

    9: Gipfelpanorama

    10: Lei schee is a, da Koasa!!



    Eine der schönsten Touren, die ich kenne.


    Wir sind seit Montag für eine Woche im Salzkammergut und haben jeden Tag ganz bezaubernde Wanderungen gemacht, wobei die zum Rinnerkogel landschaftlich und botanisch einfach heraussticht - kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen! Vom malerischen Offensee geht es zunächst eine halbe Stunde durch jungen Buchenwald recht flach in den Talschluss. Nun folgen etwa 700 steilere, aber unschwierige Höhenmeter zur Rinnerhütte. Nach einem sagenhaft schönem Flachstück durch lichten Lärchenwald zweigt rechts der Steig zum Rinnerkogel ab, wobei die Vegetation zunehmend weniger und das Gelände immer karstiger wird. Am Gipfel sensationelles Dachstein-Panorama. Ein absolutes Muss ist es, den herrlichen Wildensee im Abstieg (20 Minuten Mehraufwand) mitzunehmen. Der See und das obligatorische Bad in ihm sind das eigentliche Glanzlicht der Tour!

    Die Tour ist recht lang (7-9 Stunden), aber meist einfach (T3).

    Die anderen Touren, die wir in den letzten Tagen gemacht haben, waren ebenfalls wunderbar, aber eben nicht so einzigartig wie der Rinnerkogel.

    Das waren:

    Am Fuschlsee: Filbing und Schober

    Postalm: Pitschenkopf, Osterhorn, Hoher Zinken

    Traunsee: Sonnenstein-Überschreitung

    Dachstein: Gosauseen - Adamekhütte

    Alles eher gemütliche Touren, aber sehr schön. Ideal natürlich immer die Verbindung Berg und Baden. Nebenbei bemerkt hat sich meine Freundin vor zwei Wochen die Hand gebrochen (sieht man auf den Fotos), was natürlich den Hauptgrund für die Auswahl gemäßigter Ziele bildet.

    Übernachtungen: Wir sind mit meinem Auto unterwegs, in dem wir auch schlafen (eingebautes Bett). Bei 4 von den 5 Übernachtungen war es streng genommen nicht wirklich erlaubt, aber das ist mir herzlich egal. Letztlich werden wir für eine Woche Urlaub außer den Spritkosten (rund 100 Euro) keine Ausgaben haben, da wir auch selbst kochen. :)


    Bilder:


    1-3: Wo gibt's schönere Wälder?

    4: Rinnerhütte

    5: Dachstein-Blick

    6: Tiefblick zum Wildensee

    7: Nahblick: umwerfend schön

    8: La Donna dorma.

    9: Wildensee und Rinnerkogel

    10: Abendstimmung am Offensee


    4