Gestern konnte ich endlich mal die Überschreitung des Hochsailer im Hochköniggebiet unternehmen. Da sich im Gebiet doch einiges gegenüber den Karten und älteren Wegbeschreibungen geändert hat, ein paar Informationen:
- Der Aufstieg von Hinterthal über die Bertgenhütte (verschlossen? laut Internet soll die Tür nur klemmen, also vielleicht habe ich zu wenig gezogen) durch die Teufelslöcher und dann oben am Plateau der Übergossenen Alm zum Lamkopf ist grundsätzlich gut machbar, zieht sich aber. Der Aufstieg vom Ende des Schneekars durch die Felswand zu den Teufelslöchern ist im Aufstieg für erfahrene Bergsteiger grundsätzlich gut machbar (Helm!). Abwärts würde ich ihn eher meiden, da es doch sehr steiles Gelände ist und häufiger auch kleinsplittriger Fels. Die vorhandenen Sicherungen braucht man meistens nicht; ich würde ihnen auch misstrauen, da sie erkennbar schon recht alt sind. Generell gilt: Wird das Gelände plötzlich deutlich schwieriger, lohnt ein zweiter Blick - ab und zu geht es trotz der vielen Markierungen anders weiter, als man meint.
- Am Plateau der Übergossenen Alm gibt es abweichend zu dem Stand der meisten Karten nur noch sehr geringe Eisreste. Es zieht sich daher - auch schon zur lohnenswerten Lamspitze. Zum Hochkönig mit dem Matrashaus würde das noch mehr gelten. Die Zeitangaben auf den Wegweisern sind hier auch zweifelhaft: Im Tal habe ich nur ein Drittel der angegebenen Zeit benötigt, oben dann vielleicht die Hälfte, aber am Plateau zieht es sich dann (vielleicht sind diese "Standardzeiten" noch aus der Zeit, als man relativ einfach über die vergletscherte Übergossene Alm laufen konnte?).
- Größte Änderung im Gelände ist aber der Übergang zum Hochsailer. Wo es früher recht einfach durch Felsen (alte Markierungen noch vorhanden) zum Gletscher ging und dann über diesen zum kurzen gesicherten Ost-Anstieg zum Hochsailer, ist jetzt Ende: Aufgrund des Gletscherschwunds gibt es nur noch ein sehr steiles Eisfeld und außerdem gab es wohl 2019 einen Felssturz, der auch immer noch aktiv ist. Der alte Weg geht Stand 2026 nicht mehr, auch nicht für "Experten". Statt dessen muss man vom alten Steig zum Ostanstieg des Hochsailers kurz vor dem Gletscherrest ca. 100 Hm absteigen, dann schnell die Trümmer der Felssturzzone queren und auf der anderen Seite über schuttbedeckte Platten wieder hochsteigen. Dauert ca. 30 min statt wie früher 5-10 min. Der Einstieg zum alten Steig geht durch eine Art Rinne, in der die früheren Versicherungen abgebaut wurden bzw. zerstört sind. Gebietskennerin Uta Phlipp vergibt da in ihrer aktuellen Tourenbeschreibung T5, III. Die IIIer-Stelle ist aber nur ganz kurz und im Aufstieg wenig problematisch für Bergsteiger, die so ein Gelände gewohnt sind. Der kurze Weiterweg zum Gipfel ist dann aber durchaus gehaltvoll, in einem der Kamine wurden die künstlichen Hilfen teilweise durchaus angenommen (hoffentlich werden die trotz des aufgelassenen Steigs noch ansatzweise gepflegt).
- Der Abstieg nach Westen über den Mooshamersteig ist dann nach dem zuvor Erlebten nicht mehr schwierig, geht aber über schuttbedeckte Platten, die Vorsicht erfordern - bei mir leider schon etwas feucht, nachdem es entgegen der Wetterprognose schon ab 15 Uhr leichten Niederschlag gab. Bei Trockenheit sicher angenehmer!
- Die in allen Tourenschreibungen auftauchende Hochspannungsleitung im Bereich der Niederen Torscharte ist 2025/2026 abgebaut worden - sie stören also den Naturgenuss nicht mehr, fällt aber auch als Orientierungspunkt weg.
Insgesamt eine wirklich schöne Bergtour, die sich aber an den geübten Bergsteiger mit Kondition und Durchhaltevermögen in so einem Gelände richtet. Entsprechend gering war auch der Andrang, ich traf am Berg den ganzen Tag gerade mal ein Bergsteiger-Paar. Und selbst mit den Joggern und Gassigehern in Talnähe komme ich für den Sonntag auf der Tour nicht einmal auf 10 Menschen. Das ist etwas, was ich an diesem Teil der Berchtesgadener Berge so schätze! Folgt wahrscheinlich daraus, dass die Tour 2.000 Hm in teilweise anspruchsvollem Gelände hat und es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt.
Am Samstag hatte ich die Breithorn-Mitterhorn-Ahlhorn-Überschreitung mit Aufstieg über den Breithorn-Südwandsteig durchgeführt - auch sehr lohnend, wenngleich der Südwandsteig für meinen Geschmack etwas viel (sehr steiles und exponiertes!) Gehgelände aufweist. Die insoweit manchmal vergebene Schwierigkeit von T6 erscheint mir zu hoch, insbesondere wenn der Hochsailer als T5 bewertet wird.
Bilder:
Im Aufstieg von Hinterthal geht es nach dem Wald- und Almgelände erst einmal hoch zur Bertgenhütte und dann die hinten sichtbaren Felswände:
Typisches Gelände beim Aufstieg über den Steig zu den Teufelslöchern - nicht wirklich schwierig, aber mit Umsicht zu begehen und am besten dann, wenn keine anderen Berggeher unterwegs sind (Steinschlaggefahr); ganz so steil, wie es auf dem Foto wirkt, ist es nicht:
Noch eine zweite Impression vom Aufstiegsgelände:
Die Teufelslöcher - kein Wunder, dass die Alpenbewohner die früher mit dem Teufel assoziiert haben:
Gipfelkreuz Lamspitze - liegt einige Minuten abseits vom Übergang über das Plateau der Übergossenen Alm zum Hochkönig:
Blick von der Lamspitze zum Hochkönig mit dem Matrashaus - am Sonntag leider häufig Nebel / Wolken in Kammnähe:
Hier geht es Stand 2026 wirklich nicht mehr weiter: Der frühere direkte Übergang von den Teufelslöchern zum Hochsailer:
Gipfelkreuz Hochsailer (errichtet von der Lawinenhundstaffel Salzburg):
Blick zurück von kurz vor der Torscharte zum Abstiegsgelände des Mooshamersteigs - es geht hier aber an sich recht einfach hoch:
Tauernpanorama sowie der Ausblick in die grünen Dientner Grasberge vom Abstieg aus der Torscharte: