- Gipfel
- Vorderer Brochkogel
- Höhe
- 3.562 m
- Gebirge
- Ötztaler Alpen
- Art der Tour
- Skitour
- Datum der Tour
- 9. April 2026
- Ausgangspunkt
- Vent
Man traue nie Führerangaben im Hochgebirge. Diese Lektion habe ich heute mal wieder lernen müssen.
Auf dem Programm stand der Vordere Brochkogel mit Aufstieg über die S-W-Flanke. Nach AV-Karte, Amap und verschiedenen Internetquellen nicht extrem steil. Doch das stimmt nicht (mehr).
Aufstieg von Vent über Rofen. Der Weg von Rofen hinter zur Talstation der Materialseilbahn der Vernagthütte hatte abermals deutlich weniger Schnee als vor zwei Tagen. Noch geht es aber weitgehend durchgehend, wenngleich teilweise nur noch zwei Ski breit Eis liegt. Das dürfte rasch ausapern- ich würde vermuten, dass man in ca. zwei Wochen gar hinter bis zum Hochjoch-Hospiz oder gar dem Hintereisferner wird laufen können/müssen. Die Steilstufe zum Vernagtegg weist auch schon häufiger apere Stellen auf. Dann geht es zunächst noch gemütlich zum ehemaligen Platteiferner. Dass es diesen in den Karten noch verzeichneten Gletscher in Realität kaum mehr geben würde, hatte ich ja schon vermutet. Aber dass die Karten eine durchgehende Felsstufe hoch in der S-W-Flanke einfach weglassen, finde ich schon krass. Wie ich nachträglich auf einem Bild sehen konnte, gab es diese auch schon 2011. Mithin müsste sie in den AV-Karten von 2014 und 2015 auch schon verzeichnet sein - da fehlt sie aber. Ebenso in der Amap. Man kann die Flanke nur noch am oberen Ende über ein steiles Schneefeld erreichen. Ich wechselte daher für den weiteren Aufstieg auf Stapfen und Pickel. Steigeisen wären gut gewesen, ich hatte leider nur die Snowlines mitgenommen. Natürlich darf man bis zum Erreichen des Kammes absolut nicht stürzen angesichts des Felssbbruches unterhalb. Am Gipfelkamm ist zunächst zu stapfen, die letzten Meter zum neuen Gipfelkreuz sind ausgesetzt und kurz muss leicht gekraxelt werden. Der höchste Punkt (markiert mit einer Stange) ist noch etwas weiter hinten.
Da die S-W-Flanke auch am frühen Nachmittag scheinbar nicht „aufmachte“, entschied ich mich für eine Alternative (eine Abfahrt im bockhart gefrorenen 45 Grad-Gelände direkt oberhalb eines Felsabbruchs erschien mir mit den kantenarmen alten Tourenski doch zu heikel). Also weiter am Gipfelkamm abgestiegen und dann in die untere Ostrinne (es gibt auch noch eine nochmals steilere Rinne, die fast direkt beim Gipfelkreuz herauskommt). Zu meiner großen Überraschung war die Ostrinne aber auch um 14 Uhr noch kein bisschen weich geworden. Und das nach vielen Stunden mit starker Sonneneinstrahlung. So richtig erklären kann ich mir das immer noch nicht - vielleicht aufgrund des heute in den oberen Lagen starken Windes. Weiter unten ostseitig dann auch eher „aufweichender Bruchharsch“ und tiefer Schnee als Firn. Da war ich richtig froh, endlich die Piste erreicht zu haben …
Insgesamt eine Tour, die sich als deutlich zacher herausgestellt hat als erwartet.
Bilder:
Hier sieht man schon Platteikogel (geht auch nur noch über die Südrinne vernünftig) und Vorderen Brochkogel:
Die besagte S-W-Flanke mit der verbliebenen Einstiegsmöglichkeit links:
Der in den Karten noch verzeichnete Aufstieg zum Platteikogel vom ehemaligen Platteiferner erfordert auch schon Kreativität, wie man sieht:
Gipfelbereich mit der oben wirklich extremen Gipfelrinne:
Blick zum Vernagtferner:
Der panoramareiche, aber ausgesetzte Gipfelanstieg:
Rückblick zum Gipfelkreuz:
Blick zum Mitterkarjoch für Wildspitzaspiranten - vermutlich Stahlsteigeisen nötig:
Die S-W-Flanke - eigentlich schönes Skigelände::
Wenn man in einer ostseitigen Rinne am Nachmittag nicht mal einen Skiabdruck sieht, sagt das alles aus zur harten Schneedecke: