Kraxeltour Apostelgrat Pilgerschrofen-Säuling

  • Gipfel
    Pilgerschrofen, Säuling
    Höhe
    1.770 m, 2.048 m
    Gebirge
    Ammergauer Alpen
    Art der Tour
    Bergtour
    Datum der Tour
    12. August 2026
    Ausgangspunkt
    Hohenschwangau

    Schon seit Jahren wollte ich ihn mal machen, den berühmten Apostelgrat oberhalb der Königsschlösser in Füssen - doch hatte ich immer recht Respekt angesichts abschreckender Beschreibungen und mehrerer Unfälle, von denen in der Presse berichtet wurde. Gestern war es dann soweit.


    Beschreibungen und Videos gibt es zahlreich im Internet - z.B. zuletzt bei hikr -, da verweise ich auf diese. Deshalb nur ein paar kurze Anmerkungen / Ergänzungen:


    - Technisch ist der Grat für entsprechend Geübte (!) relativ leicht - meiner Meinung nach leichter als Touren in dieser Kategorie wie die Kampenwand-Überschreitung (bis vor die dortige 4er-Stelle) oder den Scheffauer-Westgrat. Die Ausgesetztheit hält sich auch in Grenzen. Dafür gibt es viele erdige Passagen, daher empfehle ich Bergschuhe und rate von den Kletterpatschen ausdrücklich ab.

    - Überwiegend ist der Fels fest. Natürlich sollte man - wir sind ja in den bayrischen Kalkalpen - Tritte und Griffe dennoch prüfen. Aber solchen Fels hätte ich mir vor anderthalb Wochen an der Schafkarspitze im Karwendel sehr gewünscht. Kurz nach der "Schlüsselstelle" ist aber ein Fels, der sich als Griff anbietet, wirklich locker.

    - Die sog. Schlüsselstelle nach dem zweiten Abseiler erschien mir persönlich sehr gut machbar - sie hat wirklich gute Griffe.

    - Für die Abseiler reichte ein 30 m-Seil locker.

    - Apropos Abseiler: Beim dritten (letzten) Abseiler habe ich mich zunächst total gewundert, weil ich keinen Abseilstand fand und mich daher in die recht unangenehmen Schrofen auf der Nordseite begeben - dort Felsen wohl UIAA II, aber keine gute Felsqualität und unangenehmes Gelände. Nachdem ich mir dachte, dass könne aber doch wirklich nicht sein, habe ich den guten Abseilstand "hinter" mir entdeckt: In Abstiegsrichtung eher etwas rechts und leicht oberhalb. Ich wundere mich ja immer noch etwas, wie ich den zunächst übersehen habe können, aber bevor es Nachsteigern genauso ergeht und noch etwas beim ungesicherten Abklettern hier passiert, dieser Hinweis.

    - Apropos Abseilstände: Bis auf den letzten sind die alle "rustikal". Mich wundert schon etwas, warum man angesichts des vielen in der Gegend verbauten Eisens (beim Säulingabstieg gar mitunter behindernde Drahtseile direkt auf dem Weg!) nicht noch Material hatte, um die beiden anderen Stände normgerecht mit Bohrhaken auszustatten. An alten, der UV-Strahlung ausgesetzten, Schlingen abzuseilen, finde ich jedenfalls nicht so berauschend.

    - Die mitunter zu findende Zeitanbgabe von 6-6,5 h war aus Beschreibungen mit Aufstieg ab Pflach - ich bin wegen der besseren Öffi-Anbindung ab Hohenschwangau los. 6 h sind es dann aber eher nicht bei der derzeitigen Hitze (die bremst zumindest mich doch stark aus) und wohl ohne Pause gerechnet.

    - Zur Zeit gibt es ab kurz hinter Hohenschwangau auf der ganzen Route kein Wasser.


    Gestern am Grat selber nur zwei Madln getroffen, die diesen in die Gegenrichtung gemacht haben. Sie waren gerade beim Hinaufkraxeln des 3. Abseilers und auch der Meinung, dass die Angabe UIAA IV hierfür nicht hinkommt.


    Viel Spaß allen Nachgehern.


    Bilder:


    Jetzt geht es auf Steigspuren hinauf zum Pilgerschrofen:



    Die "Zwergentod" genannte Kraxelstelle vor dem unteren Gipfelkreuz - aber nicht schwer:



    Blick vom Pilgerschrofen auf den Apostelgrat:



    Typisches Gelände am Apostelgrat in den leichteren Passagen:



    Die sog. Schlüsselstelle - zwar etwas ausgesetzt, dank sehr guter Griffe aber schöne Kraxelei und ohnehin nur wenige Kletterzüge:



    Blick auf die sog. Steilgraswiese nach dem eigentlichen Grat:



    Blick zurück auf den Apostelgrat:



    Forggensee von einem kleinen Kreuz auf der Gipfelwiese:



    Säuling-Gipfelkreuz (fast) für mich alleine:



    Der obligatorische, schon etwas kitschige Blick auf Schloss Neuschwanstein:


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