Skihochtour Piz Cambrena - Bernina

  • Gipfel
    Piz Cambrena
    Höhe
    3.606 m
    Gebirge
    Bernina
    Art der Tour
    Skitour
    Datum der Tour
    26. April 2026
    Ausgangspunkt
    Berninapass (beim Lago Bianco)

    Eine nicht zu unterschätzende Tour: Der ostseitige Direktanstieg zum Piz Cambrena


    Start leider erst kurz vor 7:30 Uhr etwas vor dem Berninapass nach kalter und klarer Nacht. War dennoch zu spät, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich die Tour bei den derzeitigen Verhältnissen unterschätzt habe. Zunächst muss man - noch durchgehend schneebedeckt - bis zum Beginn der eigentlichen Tour recht flach ansteigen (über den zugefrorenen Lago Bianco würde ich um diese Jahreszeit nicht gehen). Dann geht es bis zu einem im Gelände gut sichtbaren Sattel auf ca. 2.500 m. Ab dort gibt es drei Aufstiegsmöglichkeiten: (1) Direkt zur steilen Gletscherzunge - so ist es beim Skitourenguru eingetragen und so bin ich gegangen, (2) rechts haltend über ein System von Rippen - wohl gerade noch ausreichend Schnee und (3) links ausholend ein weiter Bogen in Richtung Forcula dal Caral. Variante (1) wird mindestens so steil, wie es von unten aussieht und erwies sich als mit Skiern (+ den obligatorischen Harscheisen) angesichts von Steilheit und kurz Blankeis ziemlich hart. Man kann das machen, aber dann empfehle ich unbedingt gleich unten die Steigeisen anzuziehen und erst wieder oben am Gletscher, wo dieser flach wird, diese auszuziehen. Sinnvoll sind auch Stahlsteigeisen, nicht nur Leichtsteigeisen - wie gesagt hatte es am Sonntag in diesem schneearmen Winter eine kurze Blankeisstelle, die gerade noch so zu umgehen war. Variante (2) haben zwei nachfolgende Tourengeher gemacht - ging wohl mit Skiern, aber mit längerer Querung oberhalb eines Felswandls. Variante (3) war meine Abfahrt und ist die einzige entspannte Variante, aber deutlich länger - wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre meine Entscheidung für den Aufstieg dennoch so ausgefallen.


    Der Ausstieg nach dem Gletscher zur ostseitigen Steilflanke ist heuer bei der geringen Schneelage auch happig: Erst ein Bergschrund / Randspalte (morgens mit Steigeisen bei harten Bedingungen gut machbar, in der Abfahrt mit Skiern bin ich darüber gesprungen), dann ein kurzer steiler Hang oberhalb eines Felsabbruchs und dann die absolute Schlüsselstelle: Ein ca. 5 m hohes ausgeapertes Felswandl. Relativ trittarmer Fels mit herunter laufendem Wasser. Hoch ging es noch, herunter war es auch mit Steigeisen recht unangenehm (man darf auch den darunter liegenden Schneehang nicht abrutschen, sonst war es dass angesichts der Felswand am unteren Ende des Hanges). Kein Wunder, dass es bei 8 Tourengehern gleichzeitig an dieser Stelle zu einem erheblichen Stau kam. Nach diesen Schwierigkeiten war der weitere Aufstieg durch die eigentliche Flanke zum Gipfel (mit Steigeisen) schon fast Entspannung - aber Achtung die letzten Meter an der zu überwindenden Wächte (v.a. herunter zu - wirklich nur zu Fuß und mit Pickel sinnvoll, nicht mit Skiern darüber zu fahren versuchen). Angekommen am Sattel auf ca. 3.400 m ist der weitere Gipfelanstieg mit Skiern (+ ggf. Harscheisen) dann wirklich nur noch Entspannung. Der Gipfel ist enorm aussichtsreich und man kann den "Palü-Wurm" bei Aufstieg und Abstieg / Abfahrt zuschauen. Derzeit wohl ordentliche Bedingungen am Palü, aber weniger Schnee als in guten Jahren. Dennoch scheinen fast alle Begeher unangeseilt gegangen zu sein, es gibt im Bereich des Normalwegs aber große Spalten.


    Die Abfahrt / Abstieg vom Piz Cambrena weist dann die oben genannten kniffeligen Stellen auf, wobei sich die eigentlich Ostflanke gut abfahren lässt. Entspannt ist es aber wirklich erst, wenn man wieder zurück am Gletscher ist. Am Sonntag selbst gegen frühen Vormittag trotz Ostexposition noch gut - meistens wird man aber früher dran sein müssen. Und ein früherer Aufstieg hätte auch den Vorteil gehabt, nicht solange in der segenden Sonne zu sein.


    Insgesamt haben ich die Tour bei den derzeitigen Bedingungen als deutlich strenger empfunden, als ich das nach vereinzelten Internetberichten angenommen hätte. Auch hat so die Zeitangabe beim Skitourenguru für mich nicht gepasst - ich denke, das ist gerechnet, wenn man (fast) alles mit Skiern gehen kann. Für die Tour ist m.E. die volle alpinistische Ausrüstung (Pickel, Steigeisen, Harscheisen, ggf. Gletscherzeug) sinnvoll. Das Wandl selber ist vermutlich nur mit Körpersicherung absicherbar.


    Bilder:


    Blick vom Ausgangspunkt - die geschilderte Aufstiegsvariante (3) ist links der Bildmitte zu sehen:



    Hier sieht man gut die von mir genannten Aufstiegsvarianten (1) und (2) - jedoch in Realität deutlich steiler, als es auf dem Foto wirkt:



    Im zunächst entspannten Gletschergelände:



    Die Schlüsselstelle naht - auch hier wieder steiler, als es auf dem Foto wirkt:



    Oben das Wandl mit einem Teil der italienischen Skibergsteiger - wirklich unangenehm, das Teil - normalerweise sollte dieses Wandl bei einer Skitour zugeschneit sein:



    Der Gipfelanstieg ab dem Sattel auf ca. 3.400 m ist das kurzzeitige Erholung (sofern die Höhe und die eigene Akklimatisation das zulassen):



    Gipfelblick zum Piz Palü mit dem "Palü-Wurm":



    Gipfelblick zu Piz Bernina & Piz Morteratsch:



    Die Schlüsselstellen Felswandl und Randkluft wieder aus entspannter Perspektive:



    Abfahrt auch um frühen Nachmittag gut:


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