Bergtour Lamsenspitze, Mitterspitze & Schafkarspitze

  • Gipfel
    Lamsenspitze, Mitterspitze & Schafkarspitze
    Höhe
    2.508 m, 2.491 m, 2.505 m
    Gebirge
    Karwendel
    Art der Tour
    Bergtour
    Datum der Tour
    2. August 2026
    Ausgangspunkt
    Eng (Bushaltestelle oder großer Parkplatz)

    Am Sonntag bin ich mal wieder ins Karwendel in die Eng - mittlerweile dank der deutlich verbesserten Busverbindung und Akzeptanz des Deutschlandtickets wirklich ideal als ÖPNV-Tour von München aus.


    Zunächst einfaches Wandern: Alpengasthof Eng - steiler Steig zur Binsalm - Westliches Lamsenjoch - Östliches Lamsenjoch - Lamsenjochhütte. Dann gleich weiter zum Einstieg des Klettersteigs zum Lamsentunnel (Brudertunnel). Ein Helm ist geboten, das Klettersteigset oder eine sonstige Selbstsicherung habe ich mir gespart (was jetzt keine Empfehlung sein soll). Die Sicherungen scheinen zur Zeit in gutem Zustand zu sein. Dann weiter zum zweiten Klettersteig zur Lamsenspitze. Hier wurde die Routenführung (im Vergleich zu meinem letzten Besuch der Lamsenspitze vor ca. 25 Jahren, d.h. schon vor einiger Zeit) geändert und geht jetzt steil hinauf durch die Felsen. Damit ist die Route deutlich weniger steinschlaggefährdet als die alte Route durch die benachbarte Rinne (man sieht da noch die alten Markierungen und einige Bolzen und alte Drahtseilreste). Entsprechend ist der Klettersteig aber auch deutlich steiler und gerade die ersten Meter ist ein Klettersteigset bestimmt nicht unsinnvoll.


    Angesichts nachfolgender Wanderer und der ohnehin recht langen Tour bin ich dann schnell weiter zur Mitterspitze. Seit diesem Jahr sogar mit einem Gipfelbuch. Die Beschreibung im Rother-AV-Führer (jedenfalls meiner ca. 20 Jahre alten Ausgabe) ist übrigens totaler Blödsinn: Nichts mit III oder II - es geht im sehr steilen und brüchigen Gelände für Geübte unkompliziert hoch. Um zur Schafkarspitze zu gelangen, muss man dann auf der anderen Seite wieder herunter in eine Scharte - sehr steiles Gehgelände. Rückschauend betrachtet würde ich sowohl für den Anstieg auf die Mitterspitze als auch den genannten Abstieg die Stöcke hernehmen. Vier Haltepunkte geben einfach mehr Halt im Gehgelände - wirklich viel zum Festhalten für die Hände gibt es ohnehin nicht.


    In der Vorbereitung hatte ich nur (zu) wenig Zeit und in Internetbeschreibungen etwas davon gelesen, dass man steile Felsen südseitig umgehe und es Steinmanndl gebe sowie dass man den Weg nicht verpasssen könne. Vor Ort in besagter Scharte zwischen Mitterspitze und Schafkarspitze dann (für mich) nichts mit klarer Wegführung oder Steinmanndl - und Netz, um in den Beschreibungen nachzuschauen, hatte ich auch nicht. Also bin ich der "natürlichen" Route direkt am Verbindungsgrat gefolgt und habe einen kurzen Felsaufschwung südseitig umgangen. Alles recht gut machbar, meistens Gehgelände, aber teilweise extrem steil und wegrutschen darf man schon hier nicht (T6). Beim vorletzten Aufschwung in einer deutlichen Scharte dann die Frage: Wie soll es hier weitergehen? Keine Steinmanndl sichtbar, äußerst steiles und brüchiges Gelände und ein direkter Felsanstieg locker UIAA III oder IV. Ich bin dann letztlich eine Art Rinne einige Meter südlich neben der Scharte hoch. Schon im Aufstieg unangenehm - kraxeltechnisch zwar wohl nur II, aber sehr brüchiges Gestein. Einige ins Auge gefasste Griffe hatte ich prompt lose in der Hand. Nach dieser Stelle (nur wenige Meter) dann problemlos hoch zum offensichtlich recht selten besuchten Gipfel.

    Zurück dann den Aufstiegsweg, wobei mich die wenigen Meter am Ende der besagten Rinne an meine Grenzen gebracht haben: Egal wie ich auch probierte, ich fand keine brauchbaren Griffe, weil wirklich alles lose ist. So habe ich bestimmt eine Viertelstunde Felsen abgeklopft und dann meistens gleich in der Hand gehabt. Wegrutschen darf man aber nicht, weil unter dem Rinnende geht es steil hinunter. Sichern könnte man hier vermutlich auch nicht angesichts des brüchigen Gesteins und ob ein Abseiler ging, weiß ich auch nicht (wo sollte man das Seil befestigen?). Also am Ende war ich einfach nur froh, die paar Meter doch irgendwie heil heruntergekommen zu sein. Ohne die wäre die Route gar nicht mal so schlecht ...


    Im Nachgang habe ich dann herausgefunden, dass der "Normalweg" aus der Scharte zwischen Mitterspitze und Schafkarspitze noch deutlich weiter nach Süden hinabgeht und dann über einen Felsbogen und anschließend das gesamte Gelände in Gratnähe umgangen wird im sehr steilen Schrofengelände. Vermutlich deutlich angenehmer als meine Route, aber sicher immer noch T6 mit allen Risiken, die solche Routen mit sich bringen. Auch für Karwendelverhältnisse ist der ganze Bereich übrigens wirklich ein ziemlicher Bruch. Selbst beim Rückweg zur Mitterspitze brach mir ein großer Tritt aus an einer Stelle, wo ich das nie vermutet hätte - ein großer Satz rettete mich da. Und auch an der schmalen Gipfelschneide der Mitterspitze bröckelte es. Insgesamt ist dieser Abstecher also nur wirklich geländegängigen und erfahrenen Bergsteigern zu empfehlen.


    Bilder:


    Der Postkartenblick von der Lamsenjochhütte auf die Ostwand der Lamsenspitze - die Ostkante ist am Sonntag auch eine Seilschaft hinaufgeklettert:



    Der Einstieg in den Lamstunnel-Klettersteig - die ersten Meter sind noch weitgehend Gehgelände:



    Blick aus dem Brudertunnel:



    Weiterweg vorbei an der Lamsscharte zum Einstieg in den Gipfel-Klettersteig:



    Lamsenspitze kurz für mich allein:



    Blick von der Lamsenspitze über die Mitterspitze zur Schafkarspitze:



    Blick von der Mitterspitze zurück zur Lamsenspitze:



    Auf der Schafkarspitze - man sieht aber den anspruchsvollen Teil nicht:



    Blick zurück auf meine unangenehme An-/Abstiegsrinne genau links von der verschatteten Felswand - wie unangenehm das Gelände hier ist, lässt sich aber wohl nicht wirklich erkennen:



    Wieder zurück im idyllischen Wandergelände und noch auch ohne Gewitter - Blick vom Westlichen Lamsenjoch zurück zur Lamsenjochhütte:


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