- Gipfel
- Großer Möseler
- Höhe
- 3.480 m
- Gebirge
- Zillertaler Alpen
- Art der Tour
- Hochtour
- Datum der Tour
- 20. September 2026
- Ausgangspunkt
- Schlegeisspeicher
Gestern habe ich es endlich einmal auf den Großen Möseler (Spitzname "Großer Bröseler"), den zweithöchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, geschafft. Im Tourentipp-Archiv gibt es dazu eine Routenbeschreibung, die - wie alle älteren Beschreibungen - aber nicht mehr viel mit der Realität zu tun hat. Da sich im Gebiet in den letzten Jahren viel geändert hat, einige Hinweise:
- Für die "Abzocke" der Bergsteiger im Schlegeisgebiet haben sich die Betreiber der Mautstraße neben der aus meiner Sicht unverschämten Mautgebühr von 19 Euro jetzt auch noch eine Parkgebühr von 15 Euro / Tag ausgedacht, die zu bezahlen ist, wenn man nicht am Tag der Auffahrt auch wieder ins Tal fährt. Ob und ggf. wie streng das kontrolliert wird, weiß ich nicht. Mich hat das zum Glück nicht betroffen, weil ich erst morgens hoch bin. Und auch nicht, ob es noch möglich ist, außerhalb der Öffnungszeiten hoch zu fahren; es scheinen jedenfalls Kameras installiert worden zu sein.
- Beim Aufstieg über das Furtschaglhaus findet sich nach dem P. 2.724 erst einmal nichts mehr vom Gletscher. Statt dessen geht es über schuttbedeckte Gletscherschliffplatten, Blockgelände und Brösel entlang einzelner Markierungen (wobei die Routenwahl ohnehin frei ist) hoch Richtung der letzten Gletscherzunge. Diese ist stark schuttbedeckt und konnte gestern ohne Steigeisen überschritten werden - es sind ohnehin nur noch ca. 10 m Blankeis. Bei dem derzeitigen Gletscherzerfall wird da vermutlich bald gar nichts mehr vorhanden sein.
- Auf der anderen Seite der Gletscherzunge geht es über Blöcke, Gebrösel und Resteis (dadurch etwas rutschig v.a. im Abstieg) hoch zum Einstieg. Hinsichtlich der in der Tourentipp-Beschreibung erwähnten Rinne war mir nicht klar, welche das genau sein soll. Schnee- oder gar eisbedeckt ist da auf jeden Fall gar nichts mehr. In der Realität ist es eher eine Flanke mit zahlreichen Wegmöglichkeiten und vereinzelten Steinmännchen. Ich bin erst Richtung Grat, dann in Aufstiegsrichtung rechts etwas gequert und dann in einem System von Rinnen und Kanten hoch. Geht relativ gut und ist mitunter Gehgelände. Herunter zu habe ich die Steinmännchen besser gefunden als heraufzu. Je nach Routenwahl sind die Kraxelstellen nur unten beim Übergang vom Gletschervorfeld in die Flanke. Ein Helm ist sicherlich sinnvoll, wobei es hier für einmal weniger bröselig war als befürchtet.
- Das Eisfeld wird erst auf ca. 3.330 m betreten. Es hatte gestern überwiegend eine geringe Schneeauflage, wobei das blanke Eis wieder durchkommt. (Stahl-)Steigeisen daher erforderlich. Die vorhandenen Gletscherspalten umging die Spur in Aufstiegsrichtung rechts haltend. Anseilen würde ich hier - wie auf der ganzen Tour - auch in Seilschaft eher nicht, weil die Mitreißgefahr deutlich höher sein dürfte als die Gefahr eines Spaltensturzes.
- Der Bergschrund ca. 50 Hm unter dem Gipfel konnte gestern auf einer kleinen Brücke recht problemfrei überwunden werden.
- Größte Veränderung gegenüber allen Beschreibungen ist aber der Gipfelanstieg: Was in den meisten älteren Beschreibungen leicht klingt, erwies sich in der Realität als ziemlich zach. Entweder man geht nach dem Bergschrund die sichtbare Rinne hoch zu einer Art Scharte und dann sehr ausgesetzt über frisch verschneite Felsen mit Stellen UIAA II - III hoch zum Vorgipfel - das mag bei schneefreien Verhältnissen oder tragender Schneedecke gehen. Mir war es gestern aber deutlich zu heikel angesichts des lockeren Schnees. Oder aber man nimmt eine der Bröselrinnen direkt in Falllinie des Gipfelkreuzs. Das habe ich dann gemacht und bin hochzu entlang einer Art Kante der schmäleren, in Aufstiegsrichtung linken Rinne gekraxelt. Vom Kraxeln her nicht schwierig, aber unangenehmes Gelände. Besonders unangenehm ist das ganze dann im Abstieg: Hier ging es erst vom Gipfelkreuz (mit Steigeisen) noch gut in der breiteren Rinne, aber ca. die letzten 5 Hm hinab zum Gletscher sind sehr dort sehr unangenehm: Sandig, brüchig, Resteis - nicht absicherbar und hier gäbe es m.E. auch keine gute Möglichkeit, eine Abseilstelle einzurichten. Ich bin letztlich ausgesetzt in meine Aufstiegsrinne und dort hinab. Angenehm ist was anderes. Auch wenn das nur ca. 30 Hm sind, die haben es wirklich in sich. Früh im Jahr mag diese Rinne schneebedeckt sein, dann ginge es vermutlich besser. Am Gipfel gibt es eine Abseilstelle, aber ich würde schätzen, man braucht mindestens ein 60 m-Seil, um die zu nutzen, um bis zum Gletscher herabzukommen. Wie gesagt ist der unangenehme Teil direkt oberhalb des Gletschers, nicht in Gipfelnähe.
- Gestern scheine ich der einzige gewesen zu sein, der von der Nordtiroler Seite her zum Gipfel ist - kann ich ehrlich gesagt auch gut verstehen. Schade, dass hier nicht einige Meter versichert wurden - wenn man bedenkt, wieviele Drahtseile in der Gegend sonst unnütz gebaut wurden. Und im brüchigen, sandigen Gelände geht es auch nicht wirklich um Kraxelfähigkeiten, insofern würde eine kurze Sicherung den Berg keineswegs entwerten.
Von Südtirol waren drei Bergsteiger oben: Alles schnee- und eisfrei, aber sehr bröselig. Ich hatte auch überlegt, aus Sicherheitsgründen nach Süden abzusteigen, aber der Weg zurück (über den Nevessattel) ist ziemlich weit.
Zu loben war die Einkehr auf dem Furtschaglhaus, das allerdings gestern seinen letzten Öffnungstag hatte.
Am Samstag bin ich - so nicht geplant - die lange Runde von Ginzling durch den Floitengrund über die Mörchnerscharte und dann die Melkerscharte und die Gunggl. Landschaftlich toll, zieht sich aber wirklich. Dank einer Anregung von "Wege" aus dem Bericht vor ca. zwei Wochen bin ich aus der Mörchnerscharte noch auf den Mörchnerschartenkopf. Da kann ich nur bestätigen, was "Wege" dazu schon geschrieben hat: Grundsätzlich keine schwierige Kraxelei (I-II, je nach Routenwahl auch schwieriger; häufig aber auch Gehen), allerdings mit eingelagerten Graspolstern, die bei mir sogar noch vereist waren. Angesichts dessen und des nicht immer zuverlässigen Gesteins sollte man sehr vorsichtig sein.
Bilder:
Dank der hohen Mautgebühr und der neu eingeführten Parkgebühr hatten die Betreiber endlich wieder genug Geld, um den Schlegeisspeicher voll zu pumpen ![]()
Nahe des P. 2.724 m - hier ist entgegen älterer Beschreibungen sicher nicht anzuseilen:
Am oberen Eisfeld - das Gipfelkreuz nahe, aber das wird sich als "zache Geschicht" erweisen:
Die erste von mir geteste Aufstiegsmöglichkeit - lieber nicht: Direkt über der Felswand frisch verschneite Felsen im II. bis III. Grad:
Auf Umwegen das Gipfelkreuz doch noch erreicht:
Tolle Gipfelschau, hier u.a. der Blick zum formschönen Turnerkamp: