- Gipfel
- Monte Aviolo, Monte Foppa
- Höhe
- 2881, 2408m
- Gebirge
- Adamello-Presanella
- Art der Tour
- Wanderung
- Datum der Tour
- 1. August 2026
- Ausgangspunkt
- Grillplatz im Val Paghera auf etwa 1350 Metern, kostenlos. Großartiger Übernachtungsplatz mit Brunnen etc, kostenlos. Zufahrt von Vezzo auf guter Bergstraße.
- Gefahreneinschätzung
- gering
Die umständlichste Route zum Traumsee.
Ich war ja erst vor zwei Wochen mit meiner Freundin am gewaltig schönen Lago d'Aviolo. Ich wollte da unbedingt wieder hin und das Ganze mit einer großen Rundtour verbinden. Der Blick in die Karte verriet mir, dass es da eine tolle Möglichkeit gibt, aber die ist lang, sehr lang - vor allem, wenn man auch noch den Monte Aviolo besteigt. Sicheres Wetter war also Voraussetzung und der Wetterbericht war eher gemischt mit hoher Gewittergefahr am Nachmittag. Allerdings hatte es in der Nacht ausgiebig gewittert und heute Morgen glänzte der Himmel über dem Adamello frisch gewaschen und ich ging richtigerweise davon aus, dass es heute stabil bleiben würde.
Route: Vom PP ein Stück die Straße hinunter, bis links der Steig 672 zur Kirche St. Anna abzweigt. Auf der Karte sieht dieser Abschnitt eher fad aus (alles im Wald), aber in Wirklichkeit ist er wunderschön. Auf einer Mischung von Steigen und liebevoll gestalteten Forststraßen (ja, das gibt es.. ) geht es an malerischen Lichtungen vorbei zur beeindruckend großen Kirche auf 1900 Metern. Man fragt sich freilich schon, warum man sich da den Aufwand gemacht hat. War der Weg bisher gemütlich, wird er nur schmal und durchaus alpin. Es geht hinab bis zu einem riesigen Picknickplatz namens Pozzuolo (1600m), wo der meist steile bis sehr steile Steig 634 zum Monte Aviolo beginnt. Vom Gipfel am Anstiegsweg zurück bis bei etwa 2500 Metern links ein gut erkennbarer, aber nicht ausgeschilderter Steig zum Passo Foppa abzweigt. Vom Passo kann der zweite Gipfel mit wenig Mehraufwand mitgenommen werden. Es geht weiter hinab zur Malga Stain und noch runter bis 1700m. Man nimmt dann den Steig 601, der im oberen Teil sehr steil zum Passo Gallinera (2350m) führt. Hier gibt es übrigens eine tolle, moderne Biwakhütte. Jenseits hinab zum Lago d'Aviolo, wo ich ein ebenso nötiges wie verdientes Bad genommen habe. Vom See über das nahe Rifugio Aviolo steil zurück zum PP.
Anforderungen: 2500 Hm und gute 30 Km, 12-14 Stunden. Im ruppigen Adamello muss man immer davon ausgehen, dass man für die gleiche Strecke etwas länger braucht als zum Beispiel im Zillertal oder Stubai. Die letzten 300 Hm zum Monte Aviolo sind T4+ mit einigen leichten Kletterstellen und zwei kurzen mit Ketten perfekt gesicherten Passagen, die frei sicher im 3. Grad zu verorten wären. Ansonsten überwiegend T3 mit kurzen T4-Passagen.
Die Tour verläuft übrigens so, dass man erst nord- westseitig unterwegs ist. Man hat also viel Schatten. Nur der letzte Anstieg (Südwest) war voll in der Sonne. Der Abstieg vom Passo Gallinera (Ost und Nord) ist am Nachmittag auch schon wieder im Schatten.
Hinweis: Untypisch für das wasserreiche Adamello, das übrigens den Gardasee hauptsächlich speist, gibt es auf der langen Strecke zwischen der Kirche und dem Aviolo See keine Möglichkeit, Wasser aufzufüllen. Ich hab mir dann auf der bewirtschafteten Malga Stain noch eine Flasche gekauft.
Vielleicht noch ein paar Worte zur Adamello-Presanella-Gruppe, die bei uns vermutlich wenig bekannt ist: Ich bin ein eingefleischter Liebhaber dieser Berge, die unglaubliche schroffe Felswucht mit einer extrem üppigen Vegetation verbinden. Die Baumgrenze (Lärchen) liegt bei teils über 2500 Metern und obwohl Italien etliche 4000er hat und das Gebirge fast auf Höhe des Gardasees liegt, gibt es hier den größten Gletscher des Landes - den gewaltigen Mandrone. Die Hochregionen gleichen einer arktischen Landschaft. Aufgrund des steilen Geländes und des extrem harten (und schönen - ich nehme immer Steine von hier mit heim) Tonalit-Gesteins sind die Touren, spätesten sobald man über 2000m geht, sehr ruppig und verlangen konditionelle Standhaftigkeit.
Was mir hier wie generell in ganz Norditalien immer wieder positiv auffällt, sind die auch hoch am Berg gelegenen tollen Picknickplätze mit Grillstellen etc. Das gibt es bei uns leider nicht.
Bilder:
1: Schöne Lichtungen im Wald prägen den ersten Teil der Tour.
2: Das meine ich mit liebevoll hergerichteter Forststraße.
3: Keine Ahnung, wie der korrekte Name ist, aber ich nenne das "Adamello-Kuschelgras". Es fühlt sich auf der Haut an wie kuscheliges Fell.
4: Die Kirche St. Anna.
5: Der urige Steig nach der Kirche.
6/7: Am Gipfel.
8: Die Biwakhütte am Passo Gallinera.
9: Das Hochmoor über den Lago d'Aviolo.
10: Der herrliche See.