Translagorai - Wanderung Fleimstaler Alpen (Tag 1)

  • Gipfel
    Cima di Cece
    Höhe
    2754m
    Gebirge
    Fleimstaler Alpen - Lagorai
    Art der Tour
    Bergtour
    Datum der Tour
    3. September 2026
    Ausgangspunkt
    Lago di Paneveggio, kostenlos. Passabler Übernachtungsplatz, aber eigentlich nicht erlaubt...
    Gefahreneinschätzung
    gering
    Exposition der Route
    Nord

    Flexibel muss man sein.

    Ich bin am Mittwoch Abend mal wieder nach Italien aufgebrochen und habe am Lago di Paneveggio (ein Stausee) im Auto übernachtet. Hier wie an allen PP in der Gegend herrscht ein Parkverbot von 21 bis 5 Uhr. Das wird aber wohl nicht kontrolliert. Ich habe für alle Fälle einen Zettel ins Auto gelegt, auf dem ich geschrieben habe, dass ich eine zweitägige Tour mit Biwak mache.

    Zur Translagorai: Ich habe nicht die ganze Tour gemacht, sondern mich auf den einsamen Ostteil der Gruppe beschränkt. Erstens will ich in den nächsten Tagen in den Dolomiten unterwegs sein und zweitens ist es sonst gar nicht so einfach, wieder zum Auto zurückzukommen. Der Bus von Predazzo zum Passo Rolle fährt zum Beispiel nur fünf Mal am Tag. Das Lagorai-Gebirge ist landschaftlich dadurch geprägt, dass es unten eine waldige Steilstufe gibt, an die sich eine flache Almzone mit Seen und herrlichen Wäldern anschließt, bevor es oberhalb von 2200 Metern sehr felsig wird. Es gibt nur wenige bewirtschaftete Hütten, dafür aber viele Biwaks. Von der Ausrüstung her war ich so aufgestellt, dass ich auch ein bivacco sotto il cielo e le stelle machen konnte (aufblasbare Matte und Schlafsack), falls mir die Biwakhütten nicht zusagen. Das sollte sich sehr bewähren - nicht weil die Hütterl schlecht wären, sondern weil mir da zu viel los war.

    Route: PP - Sentiero della Pace zum Lago Colbricon. Am nahen Passo Colbricon beginnt die eigentliche Translagorai mit den Sentiero Achille Gadler. Passo Colbricon - Forcella Colbricon - Forcella Ceremana - Bivacco Aldo Moro (2565m) - Forcella di Valon - Forcella di Cece - Nordschulter der Cima Cece (2600m). Von hier führt ein toller Steig auf deren Gipfel; 45 Minuten Mehraufwand und extrem lohnend wegen des gewaltigen Panoramas! Nordschulter - Forcella di Valmaggiore. Hier befindet sich das Bivacco Paolo e Nina, in dem ich eigentlich übernachten wollte. Da waren aber schon vier Leute und da es erst 17 Uhr war und das nächste Biwak nur zwei Stunden weg ist, bin ich weitergegangen. Gute Entscheidung! Denn bald sind mir noch vier Jugendliche entgegen gekommen, die auch im Paolo e Nina übernachten wollten. Da war es sicher kuschelig in der Nacht. Der Standort des Paolo e Nina ist aber auch nicht besonders schön: Schattig und wenig Aussicht. Also weiter: Forcella Dos Caligher - Wegweiser (Quota) 2240m - Corona di Morenga - Lago delle Trote. Von hier sieht man das Bivacco Forcella Coldose schon. Auch hier waren einige Leute. Daher habe ich mich zum Freibiwak am See entschlossen und das war einfach herrlich! Der Platz ist dafür extrem gut geeignet: Flach und eine gemütliche Wiese.

    Anforderungen: 2100 Hm im Aufstieg und 1400 im Abstieg, 25 Km. Bis Passo Colbricon T3, danach durchgehend T4. Das Gelände ist zwar nicht ausgesetzt, aber sehr ruppig: Blockhalden wechseln sich mit Gletscherschliffen ab. Die ausgewiesenen Gehzeiten sind sehr sportlich. Ich bin zwar etwas schneller gewesen, aber ich bin halt auch ich und gut in Form. Vor allem komme ich mit dieser Art Gelände, das über lange Zeit viel Konzentration verlangt, gut zurecht. Ich würde vermuten (und konnte es auf der Tour auch beobachten), dass der "Normalwanderer" deutlich länger brauchen wird. Ich war 12 Stunden unterwegs.

    Wichtig ist auch zu erwähnen, dass es zwischen dem Passo Colbricon und dem Lago delle Trote (das sind 7-8 Stunden!) kein Wasser gibt. Ich hatte das Glück, dass es Mittwoch Nacht ein heftiges Gewitter gab und auf den Gletscherschliffen noch Rinnsale herunterliefen, an denen ich auffüllen konnte. Die in den Karten eingezeichneten "Bäche" gibt es in der Form nicht (wohl nur bei der Schneeschmelze) und das Wasser des Trote- oder des Morengasees zu trinken, verbietet sich von selbst wegen der von Schafen zugekoteten Ufer. Lediglich der Bach vom Lago Brutto (siehe Tag 2) zum Lago delle Trote führt ganzjährig Wasser und das kann man auch trinken.

    Noch ein Satz zum Bivacco Aldo Moro: Wow! Geniale Lage und ganz neu. In Italien führen sie meiner Beobachtung nach gerade eine neue Generation von gelben Biwakschachteln mit Panoramascheiben und Solarpanelen ein, die die alten rostroten ersetzen. Hab auch im Adamello schon welche gesehen.

    Fazit: Gewaltig schöne Tour in einer absolut einsamen Gegend! Man erschrickt förmlich, wenn man einen anderen Menschen sieht. Die Translagorai-Tour selbst machen nur ganz wenige Leute. An den Biwakhütten sind vor allem junge Menschen anzutreffen, die nur vom Tal auf dem schnellsten Weg zum Biwak aufsteigen, um dort mal zu übernachten. Die Biwaks Paolo e Nina sowie Forcella Coldose sind von der Malga Valmaggiore (1600m) ohne großen Aufwand zu erreichen.


    Bilder:


    1: Pala-Blick.

    2: Herrliche, lichte Wälder.

    3: Bivacco Aldo Moro.

    4: Typisches Gelände im hohen Lagorai.

    5: Lago Colbricon. Leider Reihenfolge vertauscht; kommt natürlich eigentlich vor dem Bivacco Aldo Moro...

    6: Panorama Cima di Cece.

    7: Sanftes Abendlicht.

    8: Campanile di Cece.

    9: Lago di Morenga mit Monster-Schafherde.

    10: Ausblick vom meinem Biwakplatz.



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