- Gipfel
- Hoher Weißzint
- Höhe
- 3371
- Gebirge
- Zillertaler Alpen
- Art der Tour
- Skitour
- Datum der Tour
- 6. April 2026
- Ausgangspunkt
- Stein im Pfitschtal
- Gefahreneinschätzung
- erheblich
Nach den schon den ganzen Winter schwierigen Bedingungen für anspruchsvolle Touren keimte letzte Woche dann doch etwas Hoffnung, dass es mit unserer schon länger geplanten Durchquerung der Zillertaler Alpen doch noch was werden könnte. Und tatsächlich sah dann letzten Donnerstag abend nicht nur das Wetter ganz brauchbar aus, sondern auch der Lawinenlagebericht ging noch Richtung entspanntem Zweier. Trotz schon gebuchtem Apartment entschieden wir uns kurzfristig das Vorhaben zu wagen, wenn auch auf einer etwas entschärften Route. Aber was heißt das schon in den Zillertalern? Abenteuer und ein gewisses Restrisiko sind da einfach unvermeidbar, ist halt schon ein recht wildes Gebiet.
Wir starteten in Stein im hintersten Winkel des Pfitschtals, und planten eine Runde am Schlegeisspeicher vorbei zur Schlegeisscharte und über die Obere Weißzintscharte zurück ins Pfitschtal. Diese durchaus lange Runde über Winterräume und mit schwerem Gepäck begann noch recht zahm mit dem Aufstieg über die Passtraße zum Pfitscher Joch. Auf dem Weg von dort zum Schlegeisspeicher dachten wir, bot es sich doch noch an die Haupentalscharte mitzunehmen. Wir wurden mit einem tollen Panorama auf die wilden Eisflanken des Hochferners und im unteren Bereich der Abfahrt mit schönen Pulverhängen belohnt. Den wahren Preis dafür, nämlich ein sehr langer Tag bis zum Furtschaglhaus, hatten wir allerdings schon etwas unterschätzt. Der Hatscher entlang des Schlegeisspeichers zog sich wie zähes Kaugummi. Aufgrund der noch recht tiefen Temperaturen am Karfreitag war die damit verbundene Querung längerer Lawinenstriche auch am Nachmittag noch verantwortbar, den Aufstieg zum Furtschaglhaus erreichten wir aber erst gegen 17 Uhr. Und dieser 500 Meter Hang war dann doch ziemlich kritisch und deutlich unangenehmer als wir aufgrund von Tourenbeschreibungen erwartet hatten. Das bis zu 40 Grad steile, Steinschlag-gefährdete Schrofengelände führte teils ausgeapert, teils mit weichem Stapfschnee auf rutschigen Grasflächen absturzgefährdet über steilen Abbrüchen entlang. Sehr unangenehm, da die Ski teils getragen werden mussten und Steigeisen in diesem Gelände auch keine Hilfe geboten hätten. Wir waren heilfroh, diesen Hang unbeschadet überstanden zu haben und kurz vor Sonnenuntergang auf der Hütte einzutreffen. Diese war insgesamt recht gemütlich und Winterraum-typisch ausgestattet. Mobilfunkempfang ist vor der Hütte spärlich verfügbar, um den aktuellen Wetterbericht und Lawinenlagebericht abzurufen.
Leider war die Prognose für Samstag dann nicht allzu gut - ganztägig ziemlich trüb. An eine große Unternehmung, wie ursprünglich mal geplant den Großen Mösler, war nicht zu denken. Wir gönnten uns einen Ruhetag und erkundeten einige schöne Hänge in Hüttennähe.
Ostersonntag gab es dann Kaiserwetter, allerdings mit stark ansteigenden Temperaturen und entsprechenden Frühlingsbedingungen. Da war es passend, dass wir oberhalb von 2500 Metern bleiben wollten. Wir starteten frühmorgens zur Schlegeisscharte, die eine lange Querung erforderte, am Besten so auf Höhe 2600 Meter. Der Gletscher vor der Scharte weist einige größere Spaltenzonen auf. Im Gegensatz zu den üblichen Tracks lohnt es sich, nicht direkt sondern in einem etwas größeren Bogen zu gehen, so kann man in 30 Grad Gelände die kritischen Zonen umgehen. Insgesamt war der Gletscher gut eingeschneit und würde tolle Pulverbedingungen bieten. Zu unserem Erstaunen hatten wir auch südseitig eine schöne Pulverabfahrt durch das Muttenockkar. Ein Highlight der Tour. Auf 2500 Metern querten wir danach weiter zum Weißzintkar um von dort mühsam unter gleißend brennender Sonne und mit stollenden Fellen zum Hohen Weißzint aufzusteigen. Hier begegneten wir auch den einzigen anderen Tourengeher auf der gesamten Tour. Nach dem Gipfelerfolg galt es noch, möglichst ohne Gegenanstieg zu unserem nächsten Nachtlager, der Hochfeilerhütte, zu gelangen. Dazu orientiert man sich am Besten an dem Weg von der Hütte auf den Gliederferner auf Höhe 2750 Meter. Allerdings sollte man schon auf ungefähr 2850 Meter vom Gletscher auf die steilen Seitenmoränen wechseln und queren. Der Gletscher liegt inzwischen wesentlich tiefer unter dem eingezeichneten Weg und fällt steil ab. Da wir dem Gletscher nicht so recht trauten, sind wir am Seil abgefahren. Die Spaltenzonen lagen aber eher mittig und orographisch rechts davon waren zumindest oberflächlich keine Spalten zu erkennen. Der Winterraum der Hochfeilerhütte war dann sehr spartanisch ausgestattet. Kein Ofen, keine Küchenutensilien oder Geschirr, lediglich ein Tisch und ein Stuhl sowie 6 Betten mit 2-3 Decken pro Bett. Man sollte also einen Kocher und Besteck selbst mitbringen. Mobilfunkempfang gibt es auch keinen.
Für den Ostermontag hatten wir dann noch den Hochfeiler im Programm. Da die Ausfahrt ins Pfitschtal noch so einige Schwierigkeiten bot und mit starker tageszeitlicher Erwärmung zu rechnen war, waren wir skeptisch ob das zu schaffen ist. Das Wetter nahm uns dann die Entscheidung ab. Es war nachts stark bewölkt, und wir fuhren daher gleich frühmorgens mit der Dämmerung ins Tal ab. Das war dann auch gut so, denn der Weg ist deutlich kniffliger und langwieriger als erwartet. Auf Höhe 2100 Meter erwartet einen am Mahdbichel 150 Höhenmeter Gegenanstieg durch eine steile Rinne (ca 45 Grad). Diese war schon morgens ziemlich sulzig, und flankiert von einem vereisten Wasserfall. Hoch war das noch recht gut stapfbar, im Abstieg wäre das aber wohl viel zu hakelig. Auch im weiteren Verlauf sind noch einige Steilstufen und Lawinenstriche zu überwinden, die bei Frühjahrsbedingungen heikel sind. Wir waren sehr froh, dass wir da noch vor neun Uhr morgens durch waren. Als Tagestour ist es mir schleierhaft wie diese Route auf den Hochfeiler oder Hohen Weißzint zu bewältigen sein könnte. Vor allem, wenn man das vor Einsetzen der tageszeitlichen Erwärmung schaffen möchte.
Insgesamt für uns eine sehr eindrückliche, gewaltige Tour durch die winterliche Einsamkeit der Zillertaler Alpen.
Auf dem Weg zum Schlegeisspeicher
Auf der Haupentalscharte mit Blick zum Hochferner
Blick ins Schleigeiskee, die Schart ist rechts vom Breitnock in der Mitte des Bildes
Winterraum des Furrtschaglhauses
Kurz unterhalb des Gipfels des Hohen Weißzint. Die Hochfeilerhütte befindet sich oberhalb der großen Moräne rechts des Gliederferners
Abendstimmung an der Hochfeilerhütte