Hochstubaihütte und ein paar 3000er - Hochtour Stubaier Alpen

  • Gipfel
    Windacher Daunkogel, Warenkarseitenspitze, Hoher Nebelkogel, Wildkarspitze
    Höhe
    3348, 3347, 3213, 3175m
    Gebirge
    Stubaier Alpen
    Art der Tour
    Hochtour
    Datum der Tour
    4. Oktober 2023
    Ausgangspunkt
    Sölden. Wenn man auf der Granbichlstraße ins Windachtal fährt gibt es einige 100 Meter nach den letzten Häusern in einer Kehre ein paar Stellplätze für maximal 6-7 Autos.
    Gefahreneinschätzung
    gering

    Söldens stille Seite.


    Bereits am Montag Nachmittag bin ich nach der Arbeit ins Ötztal gefahren und habe ein kleine, aber sehr sehr schöne Runde von Lehn zur Hauerseehütte gemacht. Das erwähne ich hier nur deshalb, um darauf hinzuweisen, dass der Weg von Längenfeld zur Hütte durch das Hauertal momentan gesperrt ist.

    Übernachtet habe ich danach im Auto auf besagtem Parkplatz.

    Gestern ging es schließlich zur Hochstubaihütte, um dort im frisch renovierten Winterraum (eigenes Hütterl) zu übernachten. Ich fand ja den alten schon gut, aber der neue ist wirklich gelungen und mit allem ausgestattet, was man braucht. Es ist nominell Platz für 6 Leute, aber 8 wird man zur Not schon auch unterbringen. Besonders schön finde ich, dass man den alten, leistungsstarken und ganz simpel zu bedienenden Ofen beibehalten hat. Ich glaub, ich hab gestern nicht mehr als 10 größere Scheite gebraucht, um es wohlig warm zu haben und nebenbei aus Schnee 8 Liter Wasser nicht nur zu schmelzen, sondern auch abzukochen. Die 8 Liter hab ich natürlich nicht selbst gebraucht, sondern hauptsächlich für Nachfolger hergerichtet. Es ist nämlich im ganzen Umfeld der Hütte fast kein Schnee mehr vorhanden. Wenn man nicht sicher mit Schnee zum Schmelzen rechnen kann, sollte man seine Wasservorräte schon an einem der Seen deutlich weiter unten auffüllen.

    Nun zur Tour selbst: Ich bin über die Kleblealm und das Laubkar zur Hütte hoch, womit auch schon der erste 3000er eingesackelt ist, da die Hochstubai ja auf dem Gipfel der Wildkarspitze steht. Nach Deponieren des Übernachtungszeugs bin am Anstiegsweg ein Stück zurück und hinab zum Wütekarferner. Dieser ist zwar grundsätzlich schon spaltig, aber die Route in die Warenkarscharte kann man so legen, dass man die Spaltenzonen umgeht. Zudem sind momentan eh alle Spalten offen. Einen Pickel braucht es ob des flachen Geländes (max. 25 Grad, eher etwas weniger) nicht. Von der Scharte bin ich zunächst Steigspuren und Stoamandln folgend auf den Windacher Daunkogel, dessen echten Gipfel man sinnvollerweise mittlerweile nur noch auf dieser Route erreicht. (Auf dem Weg aus dem Wütekarsattel, den viele vielleicht als Skitour von der Amberger Hütte aus kennen, kommt man nur noch zu einem Vorgipfel, von dem aus der Weiterweg nach einem großen Felsausbruch vor einigen Jahren extrem schwierig geworden ist.) Zurück in der Scharte folgt nun die schöne Überschreitung der Warenkarseitenspitze (Sapperlot! Wer denkt sich denn so einen schiachen Namen aus?). Dafür sollte es aber schneefreie Verhältnisse haben, da die beiden Schlüsselstellen (eine im Auf-, eine im Abstieg) plattige Reibungskletterei (II, aber mit Seilen entschärft) beinhalten. Etwas ungut ist aber grundsätzlich die Platte, die ich im Abstieg begangen habe (siehe auch Foto), da die Sicherungen stark beschädigt sind (jede zweite herausgerissen). Diese Stelle kann man auf dem Gletscher umgehen, aber hier gibt es zwei große Spalten und zudem erhebliche Steinschlaggefahr.

    Nach einer schönen Nacht im Winterraum mit fantastischem Sternenhimmel (die Kaltfront zog an den zentralen Stubaiern größtenteils vorbei) bin ich heut morgen noch schnell auf den Hohen Nebelkogel, der von der Hütte aus in 15 Minuten erreicht werden kann und anschließend über die sogenannte "Himmelsleiter" (etwas übertriebener Begriff) und die Seekarseen zu Fiegls Gasthaus und zurück zum PP.

    Anforderungen: Hüttenauf- und abstieg sowie Windacher Daunkogel T4, Überschreitung Warenkarseitenspitze T5, Hochtour L. Ca. 2400 Hm, Zeitbedarf gesamt 11-14 Stunden.

    Um auf die Überschrift zurückzukommen: Sehr still ist auf der von der Touristikern so beworbenen "Stillen Seite Söldens" nach Schließung der Hütten in der Tat: Mir ist in diesen beiden Tagen niemand begegnet. Auch das Hüttenbuch des Winterraums lässt auf sehr wenige Besucher schließen. Seit meinem letzten Aufenthalt vor 2 Jahren vielleicht 12-15 Einträge. Der Winterraum war wegen Renovierung im Winter 22/23 aber auch nicht nutzbar.


    Bilder:


    1: Einer der Laubkarseen.

    2: Windacher Daunkogel und Warenkarseitenspitze von der Hütte aus gesehen. Den spaltenfreien Weg in die Scharte kann man gut erkennen.

    3: Rückblick vom Wütekarferner zur Hütte.

    4: Vom Daunkogel aus ist die WKSS ein spektakulärer Gipfel.

    5: Mit brüchigem Gelände muss man gut umgehen können.

    6: Gewaltiges Gipfelpanorama.

    7: Die Schlüsselstelle im Abstieg von der WKSS - selbsterklärend, warum bei Vereisung/Schneelage nicht ratsam. Etwas komisch ist es, dass auf den unteren 4-5 Metern keine Krampen angebracht sind. Klar geht das mit dem Seil auf Reibung, aber das ginge ja weiter oben, wo es etwas "flacher" ist, auch...

    8/9: Winterraum Hochstubaihütte.

    10: Der Hohe Nebelkogel macht seinem Namen heute Morgen alle Ehre.



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