Pressemeldung des DAV:
MÜNCHEN. – Am 5. Oktober hat der Deutsche Alpenverein die Hersteller von Klettersteig-Sets zu einem Arbeitstreffen eingeladen. In offener und konstruktiver Atmosphäre wurde darüber diskutiert, wie funktionsfähige Klettersteigsets für Kinder und leichtgewichtige Personen in Einklang mit der Norm entwickelt wer-den können. Dem Arbeitstreffen vorausgegangen waren Materialtests, in denen die Sicherheitsforschung des DAV festgestellt hat, dass die am Markt befindlichen Klettersteigsets insbesondere für Kinder nicht geeignet sind. Auf die folgenden Punkte hat man sich bei dem Treffen geeinigt:
• Die Norm für Klettersteigsets muss angepasst werden, um auch für leich-te Personen bei großen Sturzhöhen funktionsfähige Sets zu ermöglichen.
• In einer zukünftigen Norm muss die Bremskraft der Sets reduziert und der Bremsweg verlängert werden.
• Um herauszufinden, welche Bremskraft für welches Körpergewicht geeig-net ist, müssen weitere Tests durchgeführt werden.
• Der DAV erarbeitet in Kooperation mit der Technischen Universität Mün-chen (Prof. Dr. Veit Senner) und mit dem Institut für forensisches Sach-verständigenwesen (Prof. Dr. Jochen Buck) eine Projektskizze zu diesen Tests. Diese Skizze wird den Herstellern vorgelegt.
• Die Hersteller unterstützen dieses Vorhaben.
• Die Gebrauchsanweisungen der auf dem Markt befindlichen Klettersteig-sets sollen Warnhinweise für leichtere Personen enthalten. Ebenfalls ent-halten sein sollen entsprechende Empfehlungen (siehe unten, Empfehlun-gen des DAV).
Hintergrund: So wurden die Klettersteigsets getestet
Um zu untersuchen, ob und wie die Klettersteigsets bei leichtgewichtigen Perso-nen funktionieren, hat die DAV-Sicherheitsforschung praxisnahe Sturzversuche mit Dummies und einem marktüblichen Klettersteigset durchgeführt. Die dabei auf die Halswirbelsäule wirkenden Kräfte wurden gemessen und ausgewertet. Eindeutig zeigte sich: Unter 50 Kilogramm Körpergewicht kann die Benutzung von auf dem Markt befindlichen Klettersteigsets riskant sein, unter 30 Kilogramm können diese Risiken erheblich werden.
Empfehlungen des DAV
Der aktuellen Norm entsprechende Klettersteigsets verhindern lediglich einen Totalabsturz. Die bei einem größeren Sturz auftretenden sehr hohen Kräfte kön-nen schwere oder sogar tödliche Verletzungen zur Folge haben. Bei leichtgewich-tigen Personen ist dieses Risiko nach heutigen Erkenntnissen deutlich größer als bei schweren Personen. So lange es keine Klettersteigsets für Kinder und leicht-gewichtige Personen gibt, empfiehlt der DAV allen Eltern und betroffenen Perso-nen folgende Sicherheitsmaßnahmen:
• Sich die Problematik bewusst machen,
• grundsätzlich hinter dem Kind steigen,
• an schwierigen, senkrechten Passagen zusätzlich mit Seil sichern;
• wer das entsprechende Know-how nicht hat: auf schwierige und extreme Klettersteige verzichten.