- Gipfel
- Mönch
- Höhe
- 4.110 m
- Gebirge
- Berner Alpen
- Art der Tour
- Hochtour
- Datum der Tour
- 1. November 2026
- Ausgangspunkt
- Grindelwald (Jungfraujoch)
- Exposition der Route
- Süd
Am Sonntag konnte ich eine (wohl für diese Saison letzte) Hochtour machen: Die Besteigung des Mönch (4.110 m) über den Südgrat.
Ausgangspunkt war das Jungfraujoch, welches mit der Seilbahn "Eigerexpress" und dann der Zahnradbahn erreicht wird. Und das sorgt gleich einmal für eine enorme Belastung des Geldbeutels, da selbst in der günstigeren Saison (ab dem 1.11.; keine Reservierung mehr obligatorisch) die Auffahrt über 200 Franken kostet. Hinzu kommt ggf. noch das Parkticket im Grindelwald Terminal für 15 CHF. Selbst für die Schweiz sind die Preise in Grindelwald gehoben!
Im "Labyrinth" der touristischen Einrichtungen am Jungfraujoch gilt es dann den Sphinxstollen zum Aletschgletscher zu finden. Dort erst einmal ein Schock: "Gesperrt wegen Lawinengefahr". Moment - das kann doch nicht sein, es hat doch auch da oben bisher kaum geschneit? Letztlich muss man über das Gatter kraxeln, ca. 20 m unbeleuchteten Tunnel passieren und dann das Tor öffnen (klemmte etwas). Ganz offensichtlich dient das Ganze nur dem Abschrecken der ungeübten Touristen, seitdem der Schneepark am Aletschgletscher geschlossen wurde. Tatsächliche Lawinengefahr herrscht dort (derzeit!) jedenfalls nicht und der Aletschgletscher ist an dieser Stelle auch recht flach.
Statt gemütlich über den gewalzten Weg zur (schon geschlossenen) Mönchsjochhütte schlendern zu können, war dann nach Ende der Pistenraupenspuren entlang der ansatzweise noch sichtbaren Trasse zu spuren. Den Spuren nach waren nach dem letzten Schneefall keine fünf Menschen unterwegs gewesen. Hinsichtlich des Einstiegs in den Südgrat war ich mir nach den gängigen Beschreibungen im Internet recht unsicher. Tatsächlich ist es aber einfach zu finden, wobei die Beschreibungen schlichtweg falsch (vermutlich veraltet) sind: Es geht bis zu einer Verflachung kurz vor der Mönchsjochhütte und dann nach links zum Ansatz des westlichen Asts des Südgrats. Dort findet sich eine Klammerleiter. Der Einstieg ist auf ca. 3.620 m. Vermutlich war der Gletscher rechts davon früher höher, daher die abweichenden Angaben zu einem Einstieg auf ca. 3.650 m und die Tatsache, dass seltsamerweise keine Beschreibung die markante Klammerleiter nennt. Dringend abraten würde ich, statt wie von mir beschrieben oben an der Verflachung bereits etwas weiter unten in Falllinie des Felssporns zu diesem zu steigen. Wie ich im Abstieg dort merkte, gibt es da mehrere kleine, noch nicht genügend verschneite Gletscherspalten und direkt am Weg auch eine große Spalte.
Bis zum ersten Firnfeld (oberhalb des Regenmessers) bin ich alles ohne Steigeisen geklettert. Bis dorthin hat es zur Zeit etwas Schnee, aber meistens geht man im Fels. Gleich nach der Klammerleiter geht es etwas rechts davon eine plattige IIer-Stelle ausgesetzt hoch, sonst ist die Kraxelei meistens eher einfach. Ab dem ersten Firnfeld bin ich dann alles mit Steigeisen gegangen. Es braucht Stahlsteigeise (keine Leichtsteigeisen). Im weiteren Verlauf wechseln sich kurze Felspassagen mit verschneiten Passagen ab. Einen recht steilen Felsaufschwung (mit Sicherungsstange oben) bin ich im Aufstieg links in der Westflanke ausgesetzt umgangen, im Abstieg im gehobenen II. Grat direkt abgestiegen. Kurzzeitig schnürt sich der Grat auch recht ein. Nach dem Felsteil erreicht man dann das steile Firnfeld zum Schneegrat, wo es die in allen Fotos auftauchenden Sicherungsstangen gibt. Tatsächlich war dieser Teil derzeit aber kein Problem (bei Blankeis ist das sicherlich anders).
Hingegen durchaus anspruchsvoll fand ich dann die Meter über den Schneegrat zum Gipfel. In Internetberichten war heuer zu lesen, dieser falle heuer wegen der geringen Schneelage sehr schmal aus. Einen Vergleich kann ich nur über Fotos anderer Berichte ziehen, aber in der Tat ist das ein wirklich schmaler Grat. Und auch sehr ausgesetzt. Ich habe eigentlich mit Ausgesetztheit recht wenig Schwierigkeiten, aber die Stelle fand ich doch psychologisch anspruchsvoll. Es gibt auch nur teilweise eine ausgeprägte Fußspur (das dürfte im Sommer bei Schneelage und mehr Andrang natürlich anders sein). Der letzte Teil zum Gipfel ist der Grat so scharf, dass man nur auf einer der beiden Seiten teilweise im Seitschritt gehen kann. Ich habe mich da für die etwas weichere N-O-Seite entschieden. Wer es lieber betonhart mag, kann auch die S-W-Seite nehmen. In beiden Fällen geht es unter einem wirklich übel in die Tiefe. Wer gesichert in einer Seilschaft gehen will: Es gibt im Bereich des Schneegrates keine Sicherungsstangen. Meines Erachtens ist das also immer "free solo" - alternativ als gehen am kurzen Sprungseil, wer sich das zutraut.
Der eigentlich Gipfel - ohne Gipfelkreuz - ist zur Zeit so klein, dass gerade mal eine Person dort Platz findet. Da fast die gesamte Tour ein starker Wind ging (bei ohnehin schon erheblicher Kälte) und ich schon unten am Grat zwei Mal beinahe vom Wind umgeworfen worden war, habe ich mich nicht einmal getraut, wirklich aufrecht zu stehen ...
Der Abstieg erfolgt dann auf dem Aufstieg - in den Tagen vorher war jedoch einer mit Skiern die S-W-Flanke abgefahren. Das ist allerdings wirklich eine extreme Skiabfahrt angesichts der Steilheit, der möglicherweise schon an diesem Tag harten Schneebedingungen und eines schwierig zu überwindenden Bergschrunds. Die oben erwähnte plattige Felsstufe sowie die Klammerleiter könnte man auch abseilen, aber da es recht gut abzuklettern ging, habe ich das Seil im Rucksack gelassen.
Nach Rückmarsch zum Jungfraujoch konnte ich dann noch die Touristenattraktionen dort bestaunen, v.a. aber die vielen Touristen aus Ostasien und Indien. Offensichtlich sehen manche da das erste Mal Schnee und Eis ... Man muss den ganzen Rummel einfach als dazu gehörend ansehen, denn man kommt ihm ohnehin nicht aus. Und Auffahrt wie Talfahrt sind quasi eine einzige Werbeveranstaltung. Ja und wer wirbt dort? Neben den üblichen Verdächtigen: Sölden! Man muss den Schweizern schon lassen, Humor haben sie, das mitten in der Eigenossenschaft geworden werden darf für österreichischen Kommerztourismus schlechthin.
Insgesamt fand ich die Hochtour bei den Verhältnissen am Sonntag ziemlich streng, was v.a. an dem starken Wind und der großen Kälte lag sowie dem ausgesetzten Gipfelgrat. Insofern stimmt die häufig zu lesende Aussage, der Mönch-Südgrat sei von der Schwierigkeit ungefähr so wie der Normalweg auf den Großglockner für mich zumindest bei diesen Verhältnissen nicht.
Bilder:
Kurz nach dem Stollenausgang ein erster Blick auf das Ziel:
Bei der im Bild sichtbaren Klammerleiter ist der Einstieg in den Südgrat:
Erstes Firnfeld:
Blick zurück mit dem Trugberg:
Jetzt geht es sturmumtost über den Schneegrat zum Gipfel:
Gipfelblick zur Jungfrau - die Gletscherpassage dort sieht zur Zeit streng aus:
Der ausgesetzte Schneegrat zurück:
Die von mir im Bericht angesprochene abzukraxelnde Felsstufe:
Blick zur (schon geschlossenen) Mönchsjochhütte:
Die im Bericht angesprochene plattige Felsstufe kurz nach dem Einstieg - könnte auch abgeseilt werden: