Kleine Venter Runde Tag 2: Von der Breslauer Hütte zum Hochjochhospiz

  • Gipfel
    Wildes Mannle, Urkundkolm, Hintergraslspitze, Hintere und Mittlere Guslarspitze
    Höhe
    3020, 3134, 3334, 3147, 3128m
    Gebirge
    Ötztaler Alpen - Vent
    Art der Tour
    Bergtour
    Datum der Tour
    30. September 2026
    Ausgangspunkt
    Breslauer Hütte
    Gefahreneinschätzung
    gering
    Exposition der Route
    Überwiegend Süd

    Ein absoluter Traumtag.

    Gestern war ich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unterwegs und habe dabei fünf 3000er bestiegen. Diese sind freilich im Ötztaler Gipfelreigen eher von untergeordneter Bedeutung, aber die ersten drei waren neu für mich und auf den Guslars war ich bisher nur mit Ski. Außerdem war ich eh schon auf den meisten hohen Ötztalern und noch Hochtourenausrüstung zusätzlich zu dem Essen für drei Tage mitzuschleppen... Irgendwann wird's vom Gewicht her halt unlustig. Was für die Skitourensaison natürlich sehr interessant ist, ist es, die Gletscher jetzt im aperen Zustand zu sehen: Die meisten Gletscher sind sehr spaltenarm und eine Skibegehung ohne Seil ist bei entsprechender Schneelage auf jeden Fall zu verantworten. Wusste ich zwar vorher schon, aber eine neuerliche Bestätigung schadet ja nicht.

    Nun zur Tour: Zunächst bin ich ohne Gepäck die kleine Rundtour auf das Wilde Mannle gegangen und anschließend ebenfalls im "leichten Stil" auf den Urkundkolm. (Bilder siehe Bericht zu Tag 1.)

    Zurück bei der Breslauer habe ich den schweren Rucksack geschultert und bin über den landschaftlich extrem schönen Seuffert-Weg zur Vernagthütte. Hier habe ich den Rucksack im Winterhaus deponiert und bin mit ganz leichtem Gepäck - ich habe meine Jacke zu einer Tragetasche für meine Trinkflasche umgebastelt - auf die Hintergraslspitze. Eine super Tour: Ab dem "Hintergrasleck" wirklich spektakulär, teils sehr ausgesetzt und durchaus anspruchsvoll (T5 und KS-artige Traverse auf der Nordseite unter dem "Hintergraslkopf"). Bei Schneelage extrem heikel bzw nicht machbar. Nebenbei: Wer sich die Namen immer ausdenkt. "Gras" gibt es hier nirgends auch nur ansatzweise - nur Fels und nochmals Fels.

    Anschließend wieder hinab zur Vernagthütte und über die Guslarspitzen, wo ich lange saß und die Ötztaler Giganten bei einem Bier im Abendglanz bewunderte, zum Hochjochhospiz.

    Anforderungen: Knapp 2000 Hm im Anstieg und 2400 im Abstieg, um 25 Kilometer; 11-13 Stunden. Überwiegend T3, nur Hintergraslspitze oben T5. Wenn man es ganz genau haben will, könnte man noch die letzten 150 Hm auf der Nordseite zu den Guslarspitzen mit T4 bewerten, weil es da sehr steil hergeht.

    Der Winterraum des Hochjochhospizes ist absolut fantastisch: Im besten Sinne urig und alles vorhanden, was man braucht. Wasser direkt an der Hütte vorhanden. Ob das bei minus 20 noch fließt, ist zwar fraglich, aber dann wird ja auch Schnee liegen.

    Die Vernagthütte wurde ja jüngst renoviert (ist sehr schön geworden!) und das alte Winterhaus wurde dabei komplett abgerissen und ein neues gebaut. Grundsätzlich ist das auch schön geworden, aber aus sich mir nicht erschließenden Gründen hat sich dabei die Kapazität auf 14 Plätze halbiert. Das Gebäude ist nämlich sehr hoch und im Schlafsaal wäre schon noch Platz gewesen, eine dritte Bettenetage einzufügen. Wer schon mal wie ich im alten Winterhaus mit 30 anderen übernachtet hat, wird vielleicht verstehen, dass da nun ein Kapazitätsproblem entstehen könnte. Streichen wir den Konjunktiv: Es wird entstehen, denn die Vernagthütte wird diesen Winter wegen Wasserproblemen (Leitung durch Unwetter zerstört) nicht öffnen. Wenn man in noch schneefreien Zeiten dort übernachten möchte, sollte man rechtzeitig Wasser an den Quellbächen am Seuffert-Weg oder wenn man vom Hospiz kommt unterhalb der Guslars Wasser mitnehmen. Die braune Brühe aus dem Vernagt- oder Guslarbach würde ich hingegen nicht empfehlen.


    Bilder:


    1: Am Seuffert-Weg mit Blick zur Finailspitze.

    2: Vernagtbach: Die Brühe kann man nicht mal zum Kochen verwenden. Nebenbei: In Vent kann man ja den Zusammenfluss des Vernagtbachs = Rofenache mit dem vom Similaun kommenden Niedertalbach beobachten: kristallklares Wasser aus dem Niedertal versus Brühe aus dem Vernagt-Gebiet.

    3: Vernagthütte und Winterhaus.

    4: Der neue Winterraum.

    5: Die Kesselwandspitze (links) stiehlt dem Fluchtkogel (rechts) am Anstiegsweg zur Hintergraslspitze schon ordentlich die Schau. Der Gletscher ist der Guslarferner.

    6: Spannend Querung unter dem Hintergraslkopf.

    7: Diese Gletscherteile, die alle zum Vernagtferner gehören, sind fast spaltenlos.

    8: Panorama Hintergraslspitze.

    Panorama Guslarspitzen

    9: Weißkugel und Hintereisferner.

    10: Feineilspitzen und Hochjochferner.


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