- Gipfel
- Großglockner
- Höhe
- 3.798 m
- Gebirge
- Hohe Tauern - Glocknergruppe
- Art der Tour
- Hochtour
- Datum der Tour
- 6. September 2026
- Ausgangspunkt
- Kals am Großglockner, Lucknerhaus
Gestern habe ich endlich einmal den Stüdlgrat auf den Großglockner machen können - das ich da so lange zugewartet habe, lag sicher auch an meiner Abneigung gegenüber dem üblichen Glocknergewusel. Wobei ich dieses dank geschickter Zeitplanung ganz gut umgehen konnte (siehe unten).
Beschreibungen gibt es zahlreich im Netz (häufig aber inaktuell, da Sicherungen abgebaut wurden und sich der Gletscherrückgang hier stark bemerkbar macht), daher verzichte ich auf eine solche und gebe nur einige Verhältnisinformationen:
- Der Anstieg von der "Schere" oberhalb des Stüdlhauses über das Teischnitzkees zum üblichen Stüdlgrat-Einstieg hat mir gestern einige Probleme / Mühe bereitet: Das Teischnitzkees ist (wie erwartet) komplett blank und war am Morgen "betonhart" - da hat nicht einmal der Pickel irgendeinen Halt gefunden. Es gibt auch zahlreiche Gletscherspalten, die etwas aufwändig umgangen werden müssen. Rückblickend betrachtet wäre es wohl recht in der Gletschermitte am besten gegangen, also in Aufstiegsrichtung eher links. Ich habe mich zunächst am rechten Gletscherrand gehalten, aber da wird es wegen der Spalten mühsam. Alternativ geht es eventuell noch ganz rechts am Übergang in den Fels, wobei man im mittleren Anstiegsteil dann ausweichen müsste. Die Routensuche hat mich einiges an Zeit gekostet und wer hier nach alten Fotos meint, er geht einfach direkt über den Gletscher hoch, kalkuliert zumindest im Spätsommer falsch.
- Auch der Übergang vom Gletscher zum üblichen Stüdlgrat-Einstieg auf ca. 3.320 m ist eher unangenehm: Steiler gefrorener Schutt durchsetzt von Eis mit einer Spalte darunter. Hier half nur der Einsatz der Frontalzacken und ein halber Übertritt in die benachbarten Felsen. Eventuell ginge es leichter, wenn man recht flach von der Gletschermitte her rüberquert.
Insgesamt ist wohl zur Zeit zu überlegen, das Teischnitzkees nach Möglichkeit zu umgehen, etwa indem man den ganzen Luisengrat mitnimmt oder früher in den Stüdelgrat einsteigt. Aktuelle Informationen dazu habe ich aber ad hoc nicht gefunden.
- Der Felsteil war dann aber schön: Unten ist - wie in Beschreibungen auch zu lesen - die Petersstiege etwas unübersichtlich (weil viele Möglichkeiten und Spuren) - so landete ich prompt zunächst am direkten Grad, dort UIAA III. Der Rest bis zum Frühstücksplatz kraxelte sich dann aber gut. Die Kraxelstellen oberhalb des Frühstücksplatzes habe ich alle ungesichert gemacht, es gibt aber doch zahlreiche ausgesetzte Stellen. Zwei Mal helfen kurze Hanfseile als Fixseil und die Querung nach dem Klapfl weist ein Drahtseil auf. Daneben gibt es noch sehr vereinzelt Metallstifte und natürlich zahlreiche Bohrhaken. Es sind aber wohl einige früher vorhandene Sicherungen entfernt worden. Bei Benutzung aller Hilfsmittel gehen die klettertechnischen Schwierigkeiten nicht über UIAA III(+) hinaus. Im Netz gibt es von Stefan Stadler ein brauchbares Topo. Meistens ist die Route aber im oberen Teil ohnehin klar, ein oder zwei Mal musste ich aber doch schauen - es gibt dann aber wohl auch mehr als eine Möglichkeit.
Wer in Seilschaft kraxeln will: Ich würde nur ein kurzes Seil (max. 30 m) nehmen. Die Haken sind so zahlreich, dass für ein langes Seil kein Bedarf ist und man spart sich so die Probleme mit Seilreibung etc. bei längeren Seilen.
- Der gesamte Stüdlgrat und auch der Abstieg über den Normalweg sind im Felsteil aper. Auf dem Normalweg gibt es im Bereich Kleinglockner auch verschiedene Routenmöglichkeiten. Durch das apere Gelände ist es hier wesentlich weniger ausgesetzt als bei meiner letzten Begehung vor 10 Jahren bei durchgehendem Schnee, wo man nur im Bereich der Sicherungsstangen gehen konnte.
- Das Glocknerleitl gibt es als Eis-/Schneerinne nicht mehr. Statt dessen gibt es einzelne Trittbügel und unten zwei Hanftaue, die sehr steil (klettersteigmäßig) hinunterführen.
- Bei wenig Andrang kann man dann unten am Ende des Glocknerleitls die für den Abstieg zur Erzherzog-Johann-Hütte zwingend erforderlichen Steigeisen noch gesichert am Seil montieren. Der Eisteil des Abstiegs ist kurz und geht in einer deutlichen Spur, der Hang selber ist aber steil.
- Für den Hüttenabstieg wird zur Zeit empfohlen, die Route über den Mürztaler Steig (einzelne Sicherungen) zu nehmen. Am Nachmittag waren dann unten für den kurzen Gang über das hier recht flache und spaltenlose Ködnitzkees keine Steigeisen mehr nötig.
Zur Zeitplanung: Mir ist ehrlich gesagt nicht nachvollziehbar, warum nach wie vor fast überall zu einem sehr frühen Aufbruch (noch im Dunkeln) auf der Stüdlhütte geraten wird. Bei Schneelage am Grat Großglockner-Kleinglockner ist das wegen des dann rasch weicher werdenden Schnees für mich nachvollziehbar und ggf. auch noch für die Begehung von Teischnitzkees und ggf. Ködnitzkees (je nachdem, wo dieses betreten wird), falls diese noch schneebdeckt sind. Aber bei der derzeitigen Ausaperung hat ein derartig früher Aufbruch m.E. keine Vorteile, aber einige Nachteile: Im Dunkeln ist die Orientierung schwieriger. Der Fels kann noch feucht und kalt sein. Und außerdem gehen die meisten Begeher früh los, was zu Stau führen kann.
A propos Zeiteinteilung: Ich bin bewusst erst spät (7:20 Uhr) am Lucknerhaus los. Eigentlich wollte ich schon etwas früher los und auch den genannten Zeitverlust am Teischnitzkees hatte ich nicht eingeplant, aber dafür ging es im Kraxelteil flüssig. Vielen Dank an dieser Stelle an die - ohnehin nur noch wenigen - Seilschaften, die mich am Stüdlgrat passieren haben lassen. Und auch der Abstieg über den Normalweg hatte am frühen Nachmittag nicht mehr viel Andrang und außerdem kommt man bei Ausaperung aneinander vorbei (in der Glocknerscharte und bei den Tauen am Ende des Glocknerleitl nur eingeschränkt, aber das sind nur kurze Passagen). Insofern war es wesentlich angenehmer als befürchtet und auch nach der Erfahrung vom letzten Mal. Mit dieser Zeiteinteilung ist es für entsprechend Geübte (!) und bei seilfreiem Gehen so auch gut möglich, den Stüdlgrat in einem Tag zu machen.
Mein Fazit: Es kommt auf die Verhältnisse an und wenn diese entsprechend sind, sollte man nicht sklavisch "Vorgaben" zur Aufbruchszeit und den benötigten Zeiten befolgen.
Bilder:
Blick von der Schere über das Teischnitzkees zum Stüdlgrat:
Nach dem ersten Steilaufschwung oberhalb des Frühstücksplatzes ein Blick zurück:
Typisches Gelände am Stüdlgrat - dazu kommen noch mehrere, teilweise ausgesetzte Querungen; das Gestein ist aber meistens sehr fest und macht das Kraxeln angenehm:
Die Hanglplatte - am Ende besser machbar als gedacht, weil es doch (kleine) Tritte gibt:
Nicht mehr weit zum Gipfel, aber davor wartet noch der griff- und trittlose Überhang des Klapfl:
Die "weltalte Majestät" (Großvenediger) grüßt:
Beim Kleinglockner:
Blick von der Erzherzog-Johann-Hütte zurück zum Gipfel mit dem sog. Bahnhof:
Herr Steinbock hielt ersichtlich nicht viel auf mein Kraxeln:
Blick zurück von nahe des Lucknerhauses zum Glockner: