- Gipfel
- Grieskogel
- Höhe
- 2980m
- Gebirge
- Ötztaler Alpen - Geigenkamm
- Art der Tour
- Wanderung
- Datum der Tour
- 19. August 2026
- Ausgangspunkt
- Enger, kleiner Weiler kurz vor St. Leonhard im Pitztal;kostenlos, aber nur für wenige Autos Parkmöglichkeit.
- Gefahreneinschätzung
- gering
- Exposition der Route
- West
Auf einsamen Pfaden im Pitztal.
Ich habe das Zwischenhoch gestern zu einer Rundtour im Pitztal genutzt, die ich schon lange auf dem Schirm hatte. Trotz der großen landschaftlichen Schönheit - vor allem der auf fast 2800 Metern liegende Wildsee ist sehr beeindruckend - habe ich auf der langen Runde niemanden getroffen.
Route: Von Enger folgt man der Beschilderung zum St. Leonharder Höhenweg und steigt eine Zeit entlang des Bichlbachs auf. Wie für das Pitztal typisch ist der unterste Wegabschnitt sehr steil. An der Wegmarke "Am Gampen" erreicht man den Höhenweg und folgt diesem bis etwa 2400 Meter und biegt dann links nach oben ab (Beschilderung Wilder See/Langkarlesscharte). Auf 2600 Metern verzweigt sich der Steig erneut. Ich bin nun zunächst nicht zum See, sondern in die Scharte, weil ich versuchen wollte, die Langkarlesschneid (3044m) von dort aus zu besteigen. Das geht auf jeden Fall und ist technisch auch einfach (max. I-II), aber mir war's bei der Hälfte dann zu heikel. Du trittst wo hin - zack, der Stein schießt davon. Du langst wo hin und hast gleich was in der Hand. Mir fehlt mittlerweile der Ehrgeiz, um in so brüchigem Gelände durchzuziehen, nur um auf einen unbedeutenden Gipfel zu kommen. Vor fünf Jahren wäre ich sicher weiter gegangen, aber in den letzten Jahren habe ich im näheren und weiteren Bekanntenkreis zu viele schwere Bergunfälle in genau so einem Gelände mitbekommen.
Ohne Gipfel musste der Tag aber auch nicht vergehen, denn mit war aufgefallen, dass der nahe Grieskogel (als Gipfel an sich so unbedeutend, dass er nicht mal eine nähere Bezeichnung wie "Lehner", "Rietzer" oder "Breiter" bekommen hat) unschwierig zu erreichen ist. Dazu von der Scharte 70 Hm hinab und auf einem Rücken zum Gipfel, der einen tollen Blick auf die Wildspitze bietet.
Nun stand ja noch der Wildsee, das eigentliche Hauptziel der Tour auf dem Programm. Man muss dazu nicht wieder zur Wegteilung auf 2600 hinunter, sondern kann weglos bei 2750m rüberqueren (Stoamandl weisen den Weg). Der See selbst ist für die Höhenlage erstaunlich groß. Die beste Badestelle befindet sich an seinem Ablauf. Er ist freilich wirklich kalt, aber ein Bad habe ich mir nicht nehmen lassen.
Abstieg bis zur Wegteilung 2600m. Nun bietet es sich an, von dort weglos, aber unschwierig zum Brandsee abzusteigen und von dort weiter zum Schoaßkogel (2340m) zu gehen. Das spart Strecke und einen Gegenanstieg am St. Leonharder Höhenweg. Der "Schoaßkogel" (eine Wegmarke, kein Gipfel) hat seinen Namen wohl eher von den nahen Plattenschüssen als davon, dass dem Benni Raich hier unversehens mal einer ausgekommen wäre...
Von hier der Beschilderung "Talweg Ronach" folgen und am Ende kurz auf der Straße zurück zum Parkplatz. Der Abstieg ist wirklich enorm steil, aber aufgrund des ganz weichen Bodens extrem angenehm zu gehen. Bei Nässe aber sicher kein Vergnügen. Weiter unten habe ich dann noch das Abendessen für Daniela und mich besorgt und Steinpilze, Rotkappen sowie haufenweise Eierschwammerl gesammelt. Ich habe in der Schwammerlzeit immer mein Messer und eine große Stofftasche dabei.
Anforderungen: 1900 Hm und knapp 20 Km, 8-10 Stunden. Oft steil, aber nie schwierig, max. T3+.
Sehr empfehlenswerte Tour, auf der man meist alleine sein wird. Auch der eigentliche St. Leonharder Höhenweg, der bei der Ludwigsburger Hütte beginnt, wird dem Anschein nach selten begangen. Wenn's halt keine Einkehr gibt...
Von Langenkarlesscharte aus kann man übrigens die Hauerseehütte erreichen (der Weg wurde kürzlich wieder in Stand gesetzt).
Bilder:
1: Der Bichlbach. Man braucht sich bei der Geografie des Pitztals nicht wundern, dass es hier so oft Vermurungen gibt. Wenn's heftig regnet, reißt es das ganze lockere Gesumms mit. Fast alle Bäche schauen hier so aus.
2: "Am Gampen" - ein Idyll!
3: Die Schafe waren sehr zudringlich. Ich glaube, sie dachten, ich bringe ihnen Salz. Das nächste Mal packe ich welches ein.
4: Die kleinen Schönheiten am Wegesrand.
5: Der Grieskogel.
6: Panorama mit Wildspitze und Kaunergrat.
7: Der Wilde See.
8: Zum Brandsee geht es weglos hinab.
9: ☺️
10: Die Ausbeute war so reichlich, dass wir auch noch zwei Freunde zum Essen einladen konnten. Ein Gedicht!