- Gipfel
- Corno Bianco
- Höhe
- 1751m
- Gebirge
- Friulanische Dolomiten - Val Mesath
- Art der Tour
- Bergtour
- Datum der Tour
- 11. Juni 2026
- Ausgangspunkt
- Erto, mehrere kostenlose PP
- Gefahreneinschätzung
- gering
Einsamer geht es kaum.
Gestern sind Katrin und Michael zu mir gestoßen; wir hatten uns zu einer ganz urigen Unternehmung in den Friulanischen Dolomiten verabredet. Das Val Mesath liegt sehr abgelegen auf der Rückseite des Monte Toc. Das ist jener Berg, dessen Flanken am 9. Oktober 1963 aufgrund grober Fehler bei der geologischen Einschätzung in den Vajont-Stausee stürzten und die beispiellose Flutkatastrophe von Longarone auslösten.
Gestern sind wir bei sehr schlechtem Wetter (Vorhersage war deutlich besser) nur zum Rifugio Casera Ditta aufgestiegen und haben dort übernachtet. Zunächst einige Worte zur Hütte: Diese liegt sehr schön im Talkessel und lässt sich am besten mit "äußerst rustikal" beschreiben. Es ist keine AV-Hütte, sondern im Privatbesitz von Adriano, der dort seit 25 Jahren ganzjährig lebt. Adriano lässt sich am besten als altlinker Aussteiger beschreiben, der in erster Linie dort leben möchte und den Gastbetrieb (ebenfalls ganzjährig) nur anbietet, um das nötigste Geld zu erwirtschaften. Daher beschränkt sich das Speisenangebot nur auf das Nötigste und die Lager sind sehr spartanisch. Dafür dann aber recht teuer mit 80 Euro für Übernachtung + Halbpension. Wichtig zu wissen ist, dass Adriano Gäste nur bei vorheriger telefonischer Anmeldung aufnimmt (gilt auch für Tagesgäste). Bevor das jetzt zu negativ klingt: Der Adriano ist schon ein netter, umgänglicher Mensch, mit dem sich gut ratschen lässt (,wenn man Italienisch kann). Außerdem hat er die wenigen Kletterrouten im Gebiet (Cima di Pin) in den 80er und 90er Jahren erschlossen, zum Teil mit dem berühmten Alessandro Gogna.
Heute haben wir bei Traumwetter dann eine schöne Rundtour gemacht: Casera Ditta - Forcella Bassa - Forcella Malbarc - Forcella Agre - Forcella di Canduabo - Casera Ditta und anschließend wieder ins Tal zurück. Den Gipfel des Corno Bianco erreicht man dabei nicht, sondern geht 50 Meter unter ihm vorbei. Die Route ist wie alle im Gebiet sehr abenteuerlich, da die Steige zwar markiert sind, aber nicht mehr instand gehalten werden. Aufgrund der sehr geringen Frequentierung sind Pfadspuren oft nur zu erahnen und es gilt immer wieder kurze heikle Stellen zu überwinden, wo der "Steig" abgerutscht ist. Guter Orientierungssinn ist unabdingbar. Über T4 geht es dennoch nicht hinaus, da nicht geklettert werden muss. Landschaftlich absolut traumhaft!
Gesamtlänge der Tour, wenn man sie sich als Tagestour von Erto aus denkt: 1200 Hm, 25 Km, 8-10 Stunden.
Bilder:
1-3: Rifugio Casera Ditta.
4-9: Eindrücke von einer völlig vergessenen Traumtour.
10: In dieser Kilometer langen Felsflucht (links Cima di Pin) gäbe es laut Adriano noch viele Kletterrouten zu erschließen. Warum macht das keiner? Extrem lange, sehr "botanische" Zustiege und halt sehr abenteuerlich. Die vorhandenen alten Routen wurden im Alpinstil erschlossen und es gibt dort keine Bohrhaken.