Saison im Himalaya vor dem Höhepunkt

  • Eine Info des DAV:


    Expeditionen zu den Achttausendern
    Die Himalaya-Saison 2009 hat begonnen. Nachdem die Anwärter auf die höchsten Berge der Welt ihre Basislager bezogen haben, richten sie ihre Hochlager ein. Für die eigentlichen Ersteigungsversuche brauchen sie zwei Din-ge: Eine gute Akklimatisation und ein Schönwetterfenster. Laut Statistik sind die Tage zwischen Anfang und Ende Mai die beste Zeit für eine Besteigung der höch-sten Berge der Welt, da die starken Höhenwinde dann nachlassen und entspre-chend günstige Besteigungsverhältnisse herrschen. In den kommenden Wochen sind unter anderem folgende Expeditionen mit deutscher Beteiligung geplant: Lhotse (8516 m): Gerlinde Kaltenbrunner, Baden-Baden, erfolgreichste deutschsprachige Expeditionsbergsteigerin (bislang 11 Achttausender); Ralf Dujmovits, Baden-Baden, derzeit erfolgreichster deutscher Expeditionsbergsteiger (bislang 10 Achttausender); David Göttler, München, ehemaliges Mitglied des DAV-Expeditionskaders; Hirotaka Takeuchi, Tokio, erfolgreicher japanischer Expeditionsbergsteiger Dhaulagiri (8167 m): DAV Summit Club Gruppe, Leitung Luis Stitzinger, München; mit dabei u. a. Alix von Melle, München.


    In diesem Jahr könnte die Vorentscheidung fallen, welche Frau als Erste alle 14 Achttausender besteigen wird. Drei Frauen sind derzeit gleichauf, denn allen dreien fehlen jeweils drei Gipfel. Bei Gerlinde Kaltenbrunnner sind das Lhotse, Everest und K2, bei Nives Meroi aus Italien fehlen Annapurna, Kantsch sowie Makalu und bei der Spanierin Edurne Pasaban gehen noch Annapurna, Kantsch und Shisha Pangma ab. Kaltenbrunner befindet sich derzeit am Lhotse, Meroi an der Annapurna und Pasaban am Kantsch.


    Der Himalaya
    Der Himalaya (Sanskrit: Wohnstätten des Schnees) ist das größte Gebirge der Erde. Hier liegen neun der 14 Achttausender – unter ihnen auch der höchste Berg der Erde, der Mount Everest (8850 m). Die restlichen fünf Achttausender befinden sich im Karakorum, das sich westlich an den Himalaya anschließt. Dort liegt unter anderem der K2 – mit 8611 Metern der zweithöchste Berg der Erde und der schwierigste Achttausender.


    Zeitfenster für Expeditionen
    Für Expeditionen im Himalaya stehen grundsätzlich zwei Zeitfenster zur Verfü-gung: Eines im Frühling (Vormonsun) und eines im Herbst (Nachmonsun). Wäh-rend der Vormonsun-Zeit sind die Tage länger und die Temperaturen höher, al-lerdings müssen die Bergsteiger vermehrt mit Niederschlägen rechnen. Während das Frühjahr als beste Zeit für eine erfolgreiche Expedition zum Mount Everest gilt, wird für die Besteigung der Annapurna (8091 m) der Herbst bevorzugt. In der Nachmonsun-Zeit ist die Sicht klarer, aber die Tage sind kürzer und die Tem-peraturen niedriger. In manchen Jahren kann sich außerdem das Ende des Mon-suns um bis zu vier Wochen hinauszögern.


    Die Erstbesteigungen der Achttausender
    Zwar erreichten britische Bergsteiger ohne künstlichen Sauerstoff in den 1920er Jahren Höhen von mehr als 8500 Metern, aber die erste erfolgreiche Achttausen-der-Besteigung fand erst 1950 statt: Eine französische Expedition erreichte den Gipfel der Annapurna. Drei Jahre später gelang Edmund Hillary und Sherpa Ten-sing Norgay die offizielle Erstbesteigung des Mount Everest. Bis die Gipfel aller 14 Achttausender bestiegen waren, dauerte es bis zum Jahr 1964.


    Expeditionsstil und Alpinstil
    Die meisten Bergsteiger erreichten die Gipfel in den 1950er und 1960er Jahren im klassischen Expeditionsstil – mit Unterstützung einer großen Anzahl einheimischer Träger, mehreren Tonnen Material, einer fest eingerichteten Lagerkette, Fixseilen und Flaschensauerstoff. Beim Alpinstil dagegen verzichten die Bergstei-ger darauf, Träger oberhalb des Basislagers und Sauerstoffgeräte einzusetzen, feste Hochlager einzurichten und Fixseile anzubringen. Die gesamte Ausrüstung und die Zelte werden mitgetragen, im Bedarfsfall aufgebaut und am nächsten Morgen wieder eingepackt. Als Begründer des Alpinstils an den Achttausendern gilt Hermann Buhl. Reinhold Messner und Peter Habeler machten diesen Stil im Jahr 1975 mit einer Erstbegehung am Gasherbrum I (8068 m) bekannt.


    Mount Everest
    Die erste Besteigung des Mount Everst gelang dem Neuseeländer Sir Edmund Hillary zusammen mit Sherpa Tenzing Norgay aus Nepal am 29. Mai 1953 über die Südroute. Die erste offizielle Besteigung über die Nordroute – von tibetischer Seite – geht auf das Konto einer chinesischen Expedition im Jahr 1975. Als sehr unwahrscheinlich gilt, dass die 1924 am Mount Everest auf dieser Route verung-lückten Engländer George Mallory und Andrew Irvine den Gipfel vor ihrem Tod erreicht haben. Am 8. Mai 1978 bestiegen Peter Habeler und Reinhold Messner erstmals den Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff, drei Tage später erreichte Reinhard Karl als erster Deutscher den Gipfel. Seit den 1980er Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Zahl der Gipfelbesteigungen zu verzeichnen. Unter den Aspiranten befinden sich immer mehr auch unerfahre-ne Alpinisten, die sich auf die von ihnen bezahlten Führer und Träger verlassen, um zum Gipfel zu gelangen. Allein die Besteigungsgebühr beträgt etwa 70.000 US-Dollar, bzw. ca. 40.000 US-Dollar von tibetischer Seite. Bis heute erreichten über 4000 Menschen den Gipfel des Mount Everest. In dieser Saison scheint der Ansturm auf den höchsten Berg der Erde allerdings nicht sehr massiv zu sein. Ralf Dujmovits berichtet in einem Expeditions-Newsletter, das Everest-Basislager sei derzeit nur halb so groß wie im vergangenen Jahr.


    „Leichte“ und „schwierige“ Achttausender
    Hauptkriterien für die Schwierigkeit eines Achttausenders sind vor allem die Gip-felhöhe und die reine technische Schwierigkeit der Route (z. B. schwierige Klet-terstellen). Daneben muss allerdings auch das Gefahrenpotential am Berg (z. B. stark lawinengefährdete Routen, häufige Wetterumschwünge) berücksichtigt werden.
    Eine weit verbreitete Unterscheidung trennt die fünf „hohen“ Achttausender von den neun „niedrigen“. Bei Mount Everest, K2, Kanchenjunga, Lhotse und Makalu liegen die jeweils höchsten Lager in 7800 m bis 8200 m, während sie bei den anderen „nur“ auf 7000 m bis 7300 m liegen. Folglich müssen die Bergsteiger an den „hohen“ Achttausendern ein bis zwei Tage länger in der so genannten To-deszone oberhalb von 7500 m verbringen. Dort verliert der menschliche Körper auch in Ruhephasen an Substanz.
    Allgemein gilt der K2 unter erfahrenen Bergsteigern als der schwierigste 8000er. Gasherbrum II, Broad Peak, Shisha Pangma und der Cho Oyu gelten dagegen als „leichtere“ Achttausender – unabhängig davon, dass selbstverständlich kein Acht-tausender wirklich leicht zu besteigen ist. Denn alle hohen Berge erfordern nicht nur lange Anmärsche, sondern auch außerordentliche körperliche Anstrengungen in extremen Höhen, also unter Sauerstoffmangel und bei eisigen Temperaturen. Dazu kommen Lawinengefahr, plötzliche Wetterumschwünge und Stürme.

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