Diga di Gleno - Wanderung Bergamasker Alpen

  • Gipfel
    Keiner
    Höhe
    Höchster Punkt etwa 1600m
    Gebirge
    Bergamasker Alpen - Val di Scalve
    Art der Tour
    Wanderung
    Datum der Tour
    21. Juli 2026
    Ausgangspunkt
    Pianezza, PP an der Kirche. Zufahrt von Vilminore di Scalve
    Gefahreneinschätzung
    gering

    Tolle Tour mit düsterem Hintergrund.

    Die Vajont-Katastrophe in Longarone ist ja vielen bekannt. Dass es sich dabei nicht um das einzige Staudamm-Unglück - eigentlich möchte man fast von Vorsatz und Geldgier sprechen - in Italien handelt, ist vermutlich im deutschsprachigen Raum weniger präsent. Schon kurz vor dem Bergrutsch in den Vajont-Stausee gab es am in der Nähe (Bosconero-Gruppe) liegenden Pontesei-Staudamm ein ähnliches Ereignis, das aufgrund des viel kleineren Stauvolumens aber nur einen Menschen (den Wärter) tötete. Anders verhält es sich beim der Diga del Gleno, einem Staudamm in den Bergamasker Alpen. Dieser stürzte im Gegensatz zu den Dolomiten-Staudämmen, die so phänomenal konstruiert waren, dass sie den Flutwellen Stand hielten (in Longarone starben wegen der Welle etwa 2000 Menschen; der "Fehler" lag hier bei der geologischen Einschätzung) und heute noch stehen, nur Wochen nach der Inbetriebnahme ein. Man hatte aus "Gründen" darauf verzichtet, Zement zu verwenden... (und aus den gleichen, finanziellen Gründen die ursprünglich

    geplante - und auch so bewilligte - Gewichtsstaumauer durch eine optisch ansprechende, aber ohne Zement fragile Bogenstaumauer ersetzt. Das macht einen heute sprachlos und kostete am 1. Dezember 1923 mindestens 356 Menschen in Dezzo und Bueggio das Leben. Vielleicht wird vor diesem Hintergrund auch klarer, warum es im Ultental momentan großen Widerstand seitens der Bevölkerung gegen die geplante Erweiterung der dortigen Staudämme gibt, die von der Alperia vorangetrieben wird, obwohl dort beim Zogg-Stausee in den letzten Jahren ungeklärte (oder besser gesagt nicht transparent gemachte) technische Probleme auftraten. Solche Sachen weiß man aber halt auch nur, wenn man viel in den italienischen Bergen unterwegs ist und dort viele Bekannte hat.

    Zurück in die Bergamasker Alpen: Wir sind von Pianezza über den Steig 411 zur Ruine des Stausees hoch. Das Wetter war extrem unsicher und Gewitter angekündigt. Dank meiner wie immer perfekten Tourenplanung konnten wir das starke Gewitter mit heftigem Graupel um 9 Uhr unter einem Felsüberhang abwettern, bevor es weiterging. Hm... Man kann Glück auch als Verdienst werten - vielleicht wäre ich ein guter Politiker... Nein, Spaß beiseite: Ich hab das Wetter schon genau beobachtet und als klar war, dass es bald rundgeht, haben wir den geschützten Ort genutzt. Danach gab es bald schönes Wetter. Von den Ruinen des Staudamms aus kann man den Gleno-See umrunden und kommt über die Steige 410 und 449 nach Pianezza zurück.

    Anforderungen: 600 Hm, 10 Km, 3-4 Stunden; maximal T3.

    Sehr lohnende Tour, die bei sicherem Wetter natürlich noch erweitert werden könnte.

    Bei der Anfahrt von Edolo haben wir einen fantastischen Übernachtungsplatz an der Straße durch die Scalve-Schlucht entdeckt. Übernachten im Auto (aber kein Camping) wird in der Provinz Bergamo übrigens geduldet.


    Bilder:


    1: Pianezza ist ein typisch malerischer italienischer Ort.

    2: Schöne Ausblicke auf dem Weg zum Stausee.

    3: Hier haben wir das Gewitter abgewartet.

    4: Hat schon ein bisserl gehagelt...

    5-7 Erschreckend und beeindruckend zugleich: Der kaputte Staudamm.

    8: Zauberstimmung im Wald.

    9: Großartige Landschaft.

    10: Scalve-Schlucht, wo wir übernachtet haben.



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