Großer Lenkstein

  • Gipfel
    Großer Lenkstein
    Höhe
    3263 m
    Gebirge
    Riesenfernergruppe
    Art der Tour
    Bergtour
    Datum der Tour
    6. August 2026
    Ausgangspunkt
    Neue Barmer Hütte bzw. Alpengasthof Patsch (Parkplatz)

    Es war ein bisschen "back to the roots": Ich bin noch einmal dorthin gefahren, wo meine alpinen Wurzeln liegen - ins Defereggental. Als zehnjähriger Bub habe ich hier 1977 meine ersten 3000er gemacht (meine Eltern waren Lehrer, in den Sommerferien ging es immer für fünf Wochen in die Alpen, sodass auch ich als Hesse frühzeitig intensiv mit dem Gebirge in Berührung kam). Ab 1986 habe ich mit anspruchsvolleren Bergtouren begonnen, speziell rund um die Barmer Hütte - Hochgall und Großer Lenkstein waren damals meine ersten "schwierigen Gipfel".


    Nach 40 Jahren bin ich nun mit dem Theo aus Sauerlach abermals in der Riesenfernergruppe unterwegs gewesen. Vom Alpengasthof Patsch (Mautstraße 9 Euro) sind wir durchs wunderschöne Patschertal am ersten Tag aufgestiegen zur Barmer Hütte, haben nach einer Weißbierpause noch das Wetterfenster für einen vorabendlichen Abstecher zur Riepenscharte genutzt. Prima Hüttenteam, gutes Essen!


    Am nächsten Morgen ging es zeitig (momentan sind täglich nachmittags Gewitter angesagt) RIchtung Großer Lenkstein. Vorbei an den Resten den alten Barmer Hütte, teils drahtseilversichert hinauf zum Fennereck (3123 m) und weiter (der schwierigste Teil) auf ausgesetzten Bändern hoch zum Übergang, wo der Steig von der Kasseler Hütte hinaufzieht. Anspruchsvolles Alpingelände, jeder Tritt/Griff muss sitzen, es ist Absturzgelände.


    Oben, am Übergang (ca. 3180 m), eröffnete sich uns der Blick hinüber zum Großen Lenkstein. Das Gelände sah vor 40 Jahren völlig anders aus und hat auch nicht mehr mit der Tourenbeschreibung hier gemein:
    https://www.tourentipp.com/de/…r-defereggental_1994.html


    Das Problem ist, leider und wie zunehmend auf einst gut machbaren Bergtouren, der Klimawandel. Vor 40 Jahren sind wir, wie bei TT auch empfohlen, über Schnee- und Firnfelder hinauf zuim Grat und dann die letzten Meter zum Gipfelkreuz geklettert. Heute, im August 2026: unmöglich. Ein paar kümmerliche Eisrfeste sind in der Senke zu sehen, der Lenkstein dagegen ist ein einziger und riesiger Schutthaufen. Trotzdem haben wir versucht, uns durch diese groben Blöcke hindurchzuwühlen, um den Grat zu erreichen. Das Vorhaben gaben wir aber rasch auf, denn der Permafrost hält den Fels nicht mehr stabil beisammen, Kubikmeter große Felsblöcke geraten beim kleinsten Kontakt in Bewegung. Heikel! Auch rund um die Rosshornscharte konnten wir später beobachten, wie das Auftauen des Permafrostes überall zu Steinschlag führt, mit teils gewaltigen Brocken.


    Kurzum, unter diesen Umständen macht der Lenkstein-Gipfel weder Sinn noch Freude, die Risikoabwägung sagte uns: nein. Ich hänge als sechstes Bild mal ein Foto von August 1986 an (Blick vom Lenksteingipfel zum Hochgall), da kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen, ob Klimawandel nur ein Hirngespinst oder (uns Bergsteiger immens betreffende) Realität ist. Also haben wir, im Gebiet instabiler Felsen, umgedreht und sind zurück zum Übergang Kasseler/Barmer Hütte, dem Lenksteinjoch, wo man auch schön sitzen und schauen kann.


    Der Abstieg dann, zunächst über das bekannte schwierige Terrain vom Lenksteinjoch hinunter zum Fennereck. Alpin, luftig, nie wirklich schwierig - aber jeder Fehltritt hier wäre final letal.


    Um eine Rundtour zu machen, sind wir von der Rosshornscharte abgestiegen zum Sankt-Josef-See (ein einstiger Gletschersee), weiter übers Seebl (wo uns eine Herde Schafe mit einem Leitbock ein wenig anging) und den Rötelboden hinunter zu einem Jägersteig, der extrem steil hinunterzieht ins Patscher Tal; ich glaube, ich bin noch nie einen so steilen Steig gegangen, teils fühlte man sich wie in der Senkrechten. Hier mussten wir zügig die gehtechnischen Schwierigkeiten meistern, denn Blitz und Donner kpndigten sich an. Punktgenau mit dem ersten Regenguss erreichten wir wieder den Parkplatz am Alpengasthof Patsch nach knapp 2000 Höhenmetern, verteilt auf zwei Tage.

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