- Gipfel
- Pigne d'Arolla
- Höhe
- 3800
- Gebirge
- Walliser Alpen
- Art der Tour
- Skitour
- Datum der Tour
- 2. Mai 2026
- Ausgangspunkt
- Arolla
- Gefahreneinschätzung
- mäßig
Nach der gemeinsamen Tour mit Kormoran zur Turtmannhütte folgte bei mir im Wallis noch eine mehrtägige Hüttenrunde um Arolla. Die Bedingungen schauten zuerst nicht allzu gut aus, aber wir wollten unser Glück natürlich trotzdem versuchen.
Nach einer netten Übernachtung in Arolla starteten wir am Dienstag frühmorgens unsere Unternehmung. Dank geschlossener Skipiste ging es noch bei Sonnenschein vom Start weg auf Ski hoch zum Pass de Chevres. Die Leitern im Abstieg waren noch unkritisch, danach zeigten sich die ersten Auswirkungen der im Vergleich zur Turtmannhütte etwas besseren, insgesamt aber doch auch recht mauen Schneelage in der Region. Zuerst kam für kleine Menschen ein doch recht großer Schritt um von der Leiter mit Hilfe einer Fussschlinge festen Boden zu erreichen. Der Hang darunter war dann steiler als erwartet und von Steinen durchsetzt. An Skifahren war nicht zu denken. Dank der Hilfe der letzten Leitersprosse entschieden wir uns für Abseilen als effizienteste Fortbewegungsart. Anschließend folgte noch Abpickeln im weniger steilen Bereich des Hanges. Nichts Wildes aber doch etwas alpiner als wir von den Beschreibungen erwartet hatten. Der weitere Weg führte unkritisch weiter zur Cabane des Dix, einer sehr gemütlichen Hütte mit Lounge-Zelt. In diesem ließ sich das nachmittags einsetzende Schlechtwetter hervorragend aussitzen.
Am zweiten Tag wollten wir auf den Mont Blanc de Cheillon (Video dazu von uns siehe hier). Wir waren allerdings nicht allzu optimistisch - die Wetterprognose war bescheiden. Trüb mit leichtem Schneefall. Nichtsdestotrotz standen wir früh auf und hofften auf Petrus‘ gute Laune. Tatsächlich lösten sich die Wolken auf und wir starteten mit blauem Himmel in den Tag. Auch die Schneedecke war recht gut durchgefroren.
Die Gletscher waren insgesamt gut eingeschneit, da wir nach dem gestrigen Neuschnee allerdings die Route durch die beeindruckenden Gletscherbrüche frisch einspurten, waren wir entsprechend vorsichtig am Seil unterwegs. Wie erwartet war dann am Vorgipfel Schluss. Die Besteigung des sehr ausgesetzten und teils eingeschneiten Grats auf den Hauptgipfel war für uns beyond limits. Belohnt wurden wir dafür anschließend mit einer unverspurten Abfahrt über eine Schicht schönen, fluffigen Pulverschnees auf gefrorenem Untergrund durch atemberaubende Gletscherbrüche. Wir waren an dem Tag die einzigen die hier unterwegs waren. Nachdem Petrus sah, dass wir wieder wohlbehalten in der Hütte angekommen waren, schloss er das Schönwetterfenster und ließ es nochmal regnen.
Der dritte Tag empfing uns dann mit absolutem Traumwetter nach sternenklarer Nacht. Bei perfekten Bedingungen machten wir die legendäre Pigne d‘Arolla zur Vignette Hütte. Die Route war gut eingespurt und die Abfahrt punktete mit schönem Firn. Wir entschieden uns daher nicht die Abkürzung direkt zur Hütte zu nehmen, sondern die Hänge bis zum Col de Chamontane auszufahren. Der kurze aber steile ostseitige Aufstieg von dort ist etwas unangenehm und sollte nicht zu spät angegangen werden. Wir waren um 11 Uhr schon beinah zu spät dran. Die Cabane des Vignettes punktete mit tollem Rösti und üppigem Frühstück, unterlag allerdings auch einem strengen Regelwerk für alles Mögliche. Etwas mehr Laissez-faire würde den Aufenthalt noch etwas gemütlicher gestalten.
Mit weiter sich stabilisierender Schönwetterphase folgte an Tag Vier der L‘Eveque, der sich sehr prominent direkt vor der Hütte platziert hatte. Der erste Teil des Aufstiegs gestaltete sich unschwierig. Der letzte steile Aufschwung zu den Gipfelfelsen erforderte zumindest bergauf dann Steigeisen. Hier war auch Vorsicht wegen Spaltenzonen gefragt. Laut unserer Tourenbeschreibung sollte man anschließend den Gipfel über leichte Felsen in wenigen Minuten erreichen können. Die Realität sah etwas anders aus. Über kombiniertes Gelände mit Schwierigkeit 2+ kletterten einige von uns zu einem kleinen Sattel. Der finale Gipfelgrat war uns dann bei den Bedingungen zu luftig und auch nicht gut zu sichern. Wir entschieden uns umzukehren. Immerhin gab es eine Abseilstelle mit zwei Schlingen und einem Ring. Ein insgesamt doch sehr anspruchsvoller Gipfel. Der anschließende Steilhang wies dann guten, gepressten Pulver auf und konnte mit Ski befahren werden. Der Rest der Abfahrt war dann, da nordseitig, recht hart und teils harschig. Kein allzu großer Spaß.
Wir marschierten weiter über den Col de l‘Eveque und fuhren ab zum Col de Collon. Hier gilt es, sich orografisch rechts zu halten um Gletscherbrüche zu meiden. Bei einer Gruppe gab es hier gerade einen Spaltensturz, der zum Glück glimpflich verlief. Durch Faulschnee fuhren wir zum Rifugio Nacamuli ab. Die italienisch geführte Hütte war sehr rustikal, überraschte uns aber mit der großen Herzlichkeit des Personals, fließend Wasser und einem fantastischen Abendessen in dieser Abgeschiedenheit.
Mit weiter anhaltendem Hochdruck starteten wir am nächsten Tag in die längste Etappe. Entlang der Haute Route wollten wir zum Col de Valpelline und anschließend zur Cabane de Bertol abfahren. Davor erwartete uns aber noch eine Schlüsselstelle - der Aufstieg zum Col du Mont Brule. Der sowieso schon steile Übergang war dadurch verschärft, dass der eigentliche Aufstieg aper ist. Als Alternative zog sich ein Schneefeld orographisch rechts davon noch beinahe durchgehend nach oben, allerdings etwas steiler, bis so 45 Grad und mit einer kurzen, unangenehmen Felsstufe zwischendrin. Sieht von unten schon recht wild aus, die gut angelegten Trittspuren im frühmorgendlich ordentlich durchgefrorenem Schnee entschärften das dann aber doch wieder etwas. Problematisch war da eher der sehr hohe Andrang von Haute Route Aspiranten, so dass sich eine Hillary-Step-ähnliche Schlange die Rinne hinauf bildete in der wir uns zwangsläufig einreihen mussten.
Oben angekommen folgte eine kurze Abfahrt und dann der unendlich lange Aufstieg von über die sich ewig in die Länge ziehenden, mächtigen Gletscherplateaus bis auf den Gipfel des Tete de Valpelline. Ganz oben wurden wir nicht nur mit einem exklusiven Panorama auf das Matterhorn und die spektakulären Hängegletscher in den Steilwänden des Dent d’Herens belohnt, sondern auch mit einer lohnenden Pulverabfahrt. Auch die anschließende lange Abfahrt durch die urzeitliche Eiswelt des Glacier du Mont Miné war grandios.
Wir verbrachten noch eine letzte Nacht auf der Cabane de Bertol. Bemerkenswert sind da insbesondere die recht günstigen Cocktails die zur standesgemäßen Feier des Tourenabschlusses regelrecht einladen. Leider taugt das Frühstück mit streng abgezählten Brotscheiben und Müsli-Rationen nicht wirklich für einen kompletten Tourentag. War uns aber egal, da wir ja nur noch nach Arolla abfahren mussten. Frühmorgens war das ein ziemlich unbarmherziges Gerattere über eine uneben durchgefrorene Schneedecke. Der letzte Steilhang unter 2650 Meter war dann aper, und wurde zu Fuss auf dem Sommerweg durchquert. Letzte Schneereste ermöglichten noch die Abfahrt über den kleinen Bas Glacier d’Arolla. Danach war dann endgültig Schluss mit Ski, und ein letzter Fußmarsch brachte uns in ungefähr einer Stunde zurück bis Arolla.
Abstieg vom Pass de Chevres unterhalb der Leitern. Morgens um 11 Uhr noch gut machbar in griffigem Trittschnee.
Mächtige Gletscherbrüche am Mont Blanc de Cheillon. Kluge und bedächtige Spurwahl ist hier essentiell.
Der leichte Aufstieg zum Vorgipfel des Mont Blanc de Cheillon über griffige Felsen.
Der Hauptgipfel ist da ein ganz anderes Kaliber.
Traumabfahrt von der Pigne d'Arolla
Aufstieg zum L'Eveque. Bis zum Steilhang vor dem Sattel problemlos über sanft geneigte Hänge.
Die Felsaufbau am Gipfel gestaltete sich dann als sehr knifflig. Wir waren froh, problemlos abseilen zu können.
Aufstieg zum Col de Mont Brule. Durchaus steil, aber sehr gute Tritte im Stapfschnee.
Ein weiter Weg zum Tete de Valpelline über das gesamte Gletscherplateau.
Wunderbares Panorama am Gipfel.