Langes Tourenwochenende im Safiental - Verhältnisse viel besser als erwartet

  • Gipfel
    Piz Tomül
    Höhe
    2945
    Gebirge
    Safiental
    Art der Tour
    Skitour
    Datum der Tour
    2. Februar 2026
    Ausgangspunkt
    Turrahus
    Gefahreneinschätzung
    erheblich

    Das lange Tourenwochenende ins Safiental war schon lange geplant. Die Schneelage in der Surselva aber immer noch weit unterdurchschnittlich. Zudem war da noch die aktuell sehr angespannt Lawinenlage. Da eine Absage bei dem angekündigten Kaiserwetter natürlich keine Option war, versuchten wir einfach unser Glück. Und wurden reichlich belohnt.


    Letzten Freitag, am Anreisetag, versuchten wir uns zuerst am Zalöner Grat. Dank der Schneefälle letzte Woche war das ganze Tal schonmal schön eingezuckert. Vom Start weg bei Dörfli auch genug Unterlage für den Aufstieg. Über schönes Almgelände ging es durchgehend im 30-Grad Gelände bis zum Grat hoch. Das war auch gut so, denn der Aufbau der Schneedecke ist wirklich sehr schlecht. Unter einer tragenden Schicht stoßt man überall auf Schwimmschnee. Auch zahlreiche kleine Abgänge bestätigten die gefährliche Lage. An einem kurzen Steilstück haben wir auch selbst einen ungefährlichen Rutsch ausgelöst. Glücklicherweise ist das Safiental die perfekte Wahl für solche Verhältnisse. Die ostseitigen Touren, die sich entlang des 20 Kilometer langen Tales aufreihen, führen durchgängig durch gutmütiges Gelände und sind bei LWS 3 im Skitourenguru eine grüne Insel inmitten von Rot.


    Die Abfahrt war dann trotz äußerst mauer Schneelage ein Genuss. Die Almwiesen erinnerten an die Kitzbühler Berge - steinfreie Grashänge die auch mit wenig Unterlage und der dünnen Powderschicht sehr gut zu befahren waren. Allerdings war eine gute Routenwahl und Scouting beim Aufstieg dafür entscheidend. Einige Hänge waren doch schon recht ausgeapert, und diese galt es zu meiden. Außer uns war niemand unterwegs, und wir hatten die unverspurten Hänge komplett für uns allein.


    Als Stützpunkt hatten wir das Turrahus gewählt, ein 300 Jahre altes Walserhaus am Talende. Neben den urigen Zimmern überzeugten uns vor allem die sensationell guten Fruchtwehen. Am zweiten Tag stiegen wir dann von hier über den Tomülpass zum Piz Tomül auf. Der finale Grat zum Gipfel war überraschend gut eingeschneit und durchgehend mit Ski machbar. Die Abfahrt über die steilen Südosthänge war bei der Lawinenlage leider nicht zu verantworten, so dass es recht vorsichtig wieder über den Grat zurückging. Steinkontakt war dabei nicht immer vermeidbar. Auch weiter unten war eine vorsichtige Fahrweise angebracht. Dann konnte man aber auf Ski über schöne kupierte Hänge bis zum Eingang des Turrahus abfahren.


    Am dritten Tag stiegen wir abermals zum Tomülpass auf, querten dann aber zum Tomülgrat und zum Strätscherhorn rüber. Dabei lösten wir drei Wummgeräusche aus, was uns die weiterhin sehr kritische Situation wieder ins Bewusstsein rief. Alles über 30 Grad war weiterhin ein No-Go. Es waren überraschend viele Tourengeher unterwegs, und das Gelände rund ums Strätscherhorn war schon beinahe pistenmäßig eingefahren. Gerade hier waren die Bedingungen aber am Schlechtesten. Wenig Unterlage, und versteckte Steine erforderten eine sehr vorsichtige Fahrweise.


    Am heutigen Montag folgte dann die Abschlusstour. Die Hänge aperten schon deutlich aus, und unsere Erwartungen waren nach dem gestrigen Tag nicht mehr allzu hoch. Wir entschieden uns für den Piz Radun in der Nähe unserer ersten Tour in der Hoffnung auf sanftes Almgelände. Von Nühus starteten wir inmitten grün-brauner Hänge mit einigen Schneeresten. Nach der letzten Alm wurde es dann immer weißer. Ein dünne Harsch-Schicht hatte sich an den sonnenzugewandten Stellen gebildet. Ab 2000 Meter dann eine geschlossene Schneedecke. An den finalen, etwas steileren Hängen schützten dann Lawinenverbauungen und ermöglichten einen recht sicheren Aufstieg bis zum Gipfel.


    Die Abfahrt übertraf dann all unsere Erwartungen. Die Sonne hatte den Deckel pulverisiert und wir surften über unverspurte Hänge mit mehr als ausreichend Unterlage. Euphorisiert stiegen wir ein zweites Mal in Richtung Zalöner Grat auf. Uns erwartete eine weitere Traumabfahrt über unverspurte Pulverhänge. Was für ein Finale. Ab den Almhütten suchten wir dann unseren Weg über Schneeinseln bis zurück nach Nühus, was überraschend gut funktionierte.


    Das Safiental bot uns somit beinahe ideale Bedingungen für die sehr angespannte Lawinensituation und trotz der pathologisch schlechten Schneelage. Insbesondere die wenig besuchten Traumhänge oberhalb von Safien Platz waren oberhalb von 2000 Metern sehr ergiebige Powder-Spielplätze. Mit etwas Neuschnee nächste Woche bleibt das sicher lohnenswert.


    Ab den letzten Almen auf 1900 Meter gab es meist eine geschlossene Unterlage


    Unverspurte Hänge en masse oberhalb von Safien Platz


    Der Grat zum Piz Tomül. Sieht wilder aus, als er dann ist.


    Traumbedingungen am Piz Radun.


    Es gibt sie noch, sogar diesen Winter, die makellosen Powderhänge.


    Aber für Anfang Januar großteils auch unverhältnismäßig stark ausgeapert.

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