Beiträge von Julio Buendia

    Route => Hoher Gleirsch Bergtour


    Ein einsamer Tag im Karwendel!


    Schon lange stand die Tour auf meiner Wunschliste, besonders im Herbst. Da ich eine kleine Abneigung gegen Forststraßen habe und bei der Rundtour über Westgrat und Normalweg gleich zwei Mal ca. 4 Km Hatscher angesagt sind, konnte ich mich lange nicht durchringen. Aber im goldenen Herbst sind ja bekanntlich alle Wege schön, daher musste es heute endlich mal sein.


    Die Überschreitung des Hohen Gleirsch wird bereits in einigen Tourenberichten (u.a. hier auf Tourentipp) beschrieben. Ich möchte hier unsere Erfahrungen zur Wegfindung und zum Gelände schildern.


    Start natürlich mit dem Bike von Scharnitz ins Gleirschtal, bis deutlich erkennbar der "Ochsenbodenweg" links abzweigt (Schranke). Hier Bike-Depot und in 3 sehr langen Kehren dem Forstweg folgen, bis man den Bluetsgraben überquert.


    Den richtigen Einstieg zu finden, ist nun nicht ganz einfach. In einem Tourenbericht habe ich gelesen, man sollte direkt nach dem Bluetsgraben in den Wald einsteigen und sich immer an dessen rechten Rand nach oben arbeiten. Und tatsächlich ziehen direkt vom Forstweg Steigspuren steil in den Bergwald. Wir sind jedoch noch ein paar Minuten weiter gelaufen, da in der Open Street Map an anderer Stelle ein Pfad eingezeichnet ist. Diesen konnten wir nicht ausmachen, aber da wo sich der Pfad befinden sollte, sind wir einer deutlich sichtbaren Schneise gefolgt, die vermutlich durch Forstarbeiten entstanden sind (siehe Foto 1).


    In Folge haben wir mit GPS versucht, dem Open Street Pfad zu folgen und teilweise ist ein solcher schwach erkennbar, aber man verliert ihn des öfteren. Das ist nicht weiter schlimm, die Richtung ist klar und man kann sich wenn auch etwas unbequem durch den Wald nach oben arbeiten. Am oberen Ende des Bluetsgraben auf ca. 1600 m stößt man dann auf erste Markierungen (siehe Foto 2). Ab da gibt es keine Schwierigkeiten mehr. Die Neon-Markierungen führen aus dem Wald in freieres Latschengelände. Außerdem ist eine deutliche Wegspur erkennbar.


    Sobald man die Latschenzone verlassen hat (siehe Foto 3), muss man sich über freies Wiesengelände bis zum Grat hocharbeiten. Auch hier kaum Probleme mit der Orientierung. Immer wieder tauchen Steindmandl auf (siehe Foto 4).


    Hat man den Grat unterhalb des "Schönen Flecks" erreicht, eröffnet sich erstmalig der fantastische Blick auf den Karwendel-Hauptkamm (siehe Foto 5), der einen den restlichen Aufstieg auch nicht mehr verlässt. Man folgt nun logisch dem Grat meistens nahe der Kante. Sobald man dem Gipfel näher kommt, sind einige Felsriegel zu überwinden (siehe Foto 7). Ich denke man könnte die meisten direkt ersteigen, aber oft bietet sich rechts eine Umgehung an. Nur einmal muss zwingend geklettert werden, eine kurze I+


    Hat man endlich den Gipfel erreicht, waren es die Mühen wert. Die Rundumsicht ist der Hammer. Der Abstieg über den Normalweg ist bekannt, im oberen Teil unangenehmes Schottergelände, im unteren Teil besser und schöner. Besonders der Blick ins Riegelkar ist ein Highlight (siehe Foto 10).


    Fazit: Der Hohe Gleirsch ist ein fantastischer Aussichtsgipfel. Auf dem Westgrat wird man höchstwahrscheinlich alleine unterwegs sein und auch auf dem Normalweg wird der Berg nicht unbedingt überrannt. Die Tour ist aber auch beschwerlich und wird nicht jedermanns Sache sein. Es sind zwei Forstweghatscher von je ca. 4 km zu absolvieren. Der Aufstieg bis zum Westgrat ist orientierungsmäßig nicht ganz leicht und ehrlicherweise auch nicht so schön. Der Westgrat selbst ist von der Aussicht her ein Highlight und technisch nicht schwierig. Aber auch hier ist das Gelände teilweise ein bisschen unangenehm zu gehen. Insgesamt eine Tour für Karwendelfans, die ein bisschen Individualismus möchten.


    Gehzeit und Schwierigkeit: Insgesamt 30 km / 1.700 hm / T4

    Wen der wenig spannende Normalweg aufs hintere Sonnwendjoch von der Ackernalm nicht reizt, dem sei diese alpine Variante von Norden mit Bike-Unterstützung empfohlen.

    Vom Zipflwirt geht es durch das flache und weite Kloo-Ascher-Tal (Bild 1). Bis zur Grundalm mit jedem Fahrrad gut zu befahren. Wer über ein e-MTB verfügt, schafft es im Anschluss über den ruppigen und steilen Karrenweg (Bild 2) bis kurz unterhalb der Hintertoralm (1.214 m).

    Weiter zu Fuß auf eingewachsenen, aber markierten Steigen, zum Schluss sehr steil rauf zum Wildenkarsattel. Hier eröffnet sich erstmals der Blick Richtung Süden und auf den Einstieg zum Ostgrat der Krenspitze (Bild 4), der direkt am Sattel beginnt (deutliche Steigspuren sichtbar).

    Der erste Abschnitt ist der markante Felsturm, der direkt erklommen wird. Schaut von weitem wild aus, aus der Nähe ganz einfache Schrofenkraxelei (I). Zuvor einmal eine etwas ausgesetzte Querung südseitig (Bild 5), wo jeder Tritt sitzen muss.

    Nach dem Felsturm erst einmal leichtere Gratwanderung bis vor dem P. 1854. Hier muss man, wo die Latschenfelder beginnen, aufpassen. Ich bin versehentlich links einer vermeintlichen Steigspur gefolgt und in heikles, latschenabdrängendes, Gelände gekommen und musste zurück. Rechts der Latschen geht es ganz einfach auf guten Tritten direkt Richtung "Gipfel".

    Nach dem Abstieg in die Senke zwischen P. 1854 und Krenspitz (Bild 6) wird in die Nordflanke auf ein bröseliges Band ausgewichen (Bild 7 im Rückblick). Hier kann man den Weg eigentlich nicht verfehlen. Sogar ein paar Steinmandl leiten sicher durch das Band. Im Anschluss leiten grasig-felsige Schrofen wieder auf den Grat zurück. Schaut wiederum aus der Ferne wild aus, ist aber ganz einfach.

    Damit sind die Schwierigkeiten überwunden. Noch kurz dem Grat folgen und der Gipfel der Krenspitz ist erreicht. Zum Hinteren Sonnwendjoch noch mal 15 weitere Minuten.

    Abstieg auf dem Normalweg zunächst Richtung Ackernalm. Am Sattel quert man dann nach Osten auf dem Steig zur Wildenkaralm. Auch diese Querung ist landschaftlich nochmal sehr schön. Von der Wildenkaralm muss man leider den Gegenanstieg zurück zum Wildenkarsattel in Kauf nehmen. Von dort zurück auf dem Aufstiegsweg.


    Fazit: Einsame und landschaftlich schöne Bike & Hike Tour.


    Gehzeit: Insgesamt ca. 23 km und 1.500 HM inkl. Gegenanstiegen.


    Schwierigkeit: T4-5 aufgrund der Wegfindung am Grat und ein paar ausgesetzten Stellen. Technisch dagegen geht es nie über den I. Grad hinaus.


    Video zur Tour: